Trauer Freundlich, beharrlich, bescheiden

Zeitlebens hat sich Gottfried Bazlen für Westheim und Rosengarten eingesetzt.
Zeitlebens hat sich Gottfried Bazlen für Westheim und Rosengarten eingesetzt. © Foto: privat
Rosengarten/Hall / Bettina Lober 13.03.2018

Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig. Erzählt lieber von mir und traut euch ruhig, zu lachen“, steht über der Traueranzeige für Gottfried Bazlen. Tatsächlich gibt es allerhand zu erzählen über den engagierten Westheimer, der sich stets mit Herz und Verstand fürs Gemeinwohl einsetzte. Zuletzt lebte Bazlen im Seniorenheim in Hall, am 2. März ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Viele Rosengartener erinnern sich noch gut an Bazlen, der von 1968 bis 1972 Mitglied im West­heimer Gemeinderat und dann gleich von der Gemeindereform bis 1999 im Rosengartener Kommunalparlament war. Er engagierte sich im Kulturleben seiner Gemeinde und war stellvertretender Leiter der Kaufmännischen Schule Schwäbisch Hall.

Im März 1989 hat er für sein vielfältiges Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten. Der damalige Landrat Ulrich Stückle, der ihm die Auszeichnung überreichte, hob bei jener Feier Bazlens „freundlich drängende Beharrlichkeit und seine beispielhafte Bereitschaft zum eigenen Engagement“ hervor: „Sein Einsatz reicht weit über das übliche Maß einer ehrenamtlichen Tätigkeit hinaus.“

Stets auf Ausgleich bedacht

Bazlen, der ab 1975 auch stellvertretender Bürgermeister war, blieb stets bescheiden. Er habe seine ehrenamtliche Arbeit immer als eine Selbstverständlichkeit angesehen und habe sie gerne gemacht, sagte er, als er vor 29 Jahren das Bundesverdienstkreuz erhielt. Überhaupt müsse er sich vor allem bei seiner Frau Elsbeth für deren Mithilfe und Verständnis bedanken, betonte der dreifache Vater damals.

Bereits 1983 wurde Bazlen mit der Landesehrennadel und 1999 mit der Ehrenmedaille in Gold des Gemeindetages Baden-Württemberg ausgezeichnet. Als er im Jahr 1999 aus dem Gemeinderat ausschied, würdigte Rosengartens Bürgermeister Jürgen König Bazlens Gespür fürs Machbare – sein Prinzip sei stets gewesen: „Konfrontation bringt uns nirgendwo hin, wir müssen miteinander reden!“

Geboren wurde Gottfried Bazlen am 3. Juni 1928 in Untergruppenbach. Als jüngstes von sieben Kindern wuchs er im Westheimer Pfarrhaus auf, wo sein Vater Gustav Bazlen seit 1929 die Pfarrerstelle innehatte. In diesen Kindheits- und Jugendjahren, die er auf dem Berghof lebte, lagen sicherlich die Wurzeln der tiefen Liebe zu seinem Heimatdorf. Nach dem Besuch der Westheimer Grundschule wechselte er 1939 an das Gymnasium bei St. Michael in Hall. Knapp 17-jährig wurde er als Flakhelfer einberufen. Das Kriegsende erlebte er in Passau. Von dort aus schlug er sich zu Fuß nach Westheim durch. Wieder daheim, konnte er 1948 das Abitur machen. Danach begann er in Nürnberg ein Studium zum Diplomkaufmann.

Ab 1952 war er für zwei Jahre in der Privatwirtschaft tätig, ehe er 1954 im berufspädagogischen Institut in Stuttgart zum Lehrberuf umschulte. Von 1955 an war er im Schuldienst tätig. An der Kaufmännischen Schule in Hall durchlief er diverse Stufen im höheren Lehramt bis er 1971 zum Studiendirektor ernannt wurde.

Seinem Heimatort Westheim hat sich Bazlen, der im Dorf auch als „Pfarrers Gottfried“ bekannt war, seit jeher eng verbunden gefühlt. Erfolgreich hat er sich in der Jugendarbeit des Sportvereins eingesetzt, von 1979 bis 1982 war er Vorsitzender des SV
Wes­t­­­­­heim. Auch als Sänger im Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde Westheim-Uttenhofen und im Vorstand des Fördervereins zum Erhalt der Kirchhofkapelle war Gottfried Bazlen aktiv.

Und dann ist da noch das West­heimer Heimatbuch: Mit der Redaktion und Gesamtverantwortung für das Heimatbuch, das 1988 zur 1200-Jahr-Feier von Westheim herausgegeben wurde, hat Gottfried Bazlen mit Leidenschaft eine außerordentliche Leistung für die Heimatgeschichte erbracht.

Info Die Trauerfeier für Gottfried Bazlen und anschließende Urnenbeisetzung ist am Donnerstag, 15. März, um 13 Uhr auf dem Haller Waldfriedhof.