Freilichtspiele Hall Freilichtspiele: Freunde werben für Patenschaften

Bettina Lober 07.02.2017
Der Förderverein unterstützt Familienstück, Theaterpädagogik und Theatertechnik mit insgesamt 60.000 Euro. Thomals Lützelberger löst Ben Willikens nach neun Jahren im Vorstandsgremium ab.

Sie verstehen sich als Botschafter der Freilichtspiele, als Theaterfamilie und wollen die Festspiele in die Zukunft begleiten: die Mitglieder der „Gesellschaft der Freundinnen und Freunde der Freilichtspiele Schwäbisch Hall“ – wie der Förderverein offiziell heißt. Vor zehn Jahren wurde er gegründet und seither auch von dem Künstler Ben Willikens im Vorstand unterstützt. Der 77-Jährige ist als „Maler mit gelegentlichen Bühnenbildausflügen“ seit jeher vom Theater fasziniert.

Nun möchte er kürzertreten und hat sich am Freitag bei der Mitgliederversammlung im Adolf-Würth-Saal aus dem Gremium verabschiedet. Den Freilichtspielen bleibe er aber verbunden. „Und ich werde mir auch ein oder zwei Stühle im neuen Theater reservieren“, sagt er lächelnd.

Stuhlpaten gesucht

Die Rede ist von Stuhlpatenschaften für den Nachfolgebau des Globe-Theaters. Für die 380 Holzklappsitze werden Patenschaften vergeben. Mit einer Spende von 500 Euro kann man für zehn Jahre Pate werden. „Als Dank wird auf der Rückseite des Stuhls eine Plakette mit dem Namen des Spenders angebracht – wenn gewünscht“, erklärt Saskia Fürstin zu Hohenlohe-Langenburg, Präsidentin der Gesellschaft der Freilichtspielfreunde. Mit Flyern, die nun allerorten verteilt werden, möchte der Förderverein zu jenen Stuhlpatenschaften einladen – und geht mit gutem Beispiel voran: Manches Mitglied zückte flugs den Kuli und füllte das Formular aus. „Am Ende des Abends waren 33 Stühle gezeichnet“, teilt Jutta Parpart von den Freilichtspielen mit.

Neben Ben Willikens waren auch Frieder Birzele und Michael Klett Freilichtspiele-Freunde der ersten Stunde, die sich im Vorstand engagierten. Allerdings haben sich Birzele und Klett bereits aus dem Gremium verabschiedet. Nun hat die Mitgliederversammlung beschlossen, die drei Männer zu Ehrenmitgliedern zu ernennen.

Als Nachfolger für Ben Willikens wurde Thomas Lützelberger (58), Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, in den Vorstand gewählt. „Zwar bin ich kein Künstler, aber mir liegen Kunst und Kultur am Herzen. Ich freue mich, in dem Team mitarbeiten zu dürfen“, erklärte Lützelberger.

Finanzspritze für „Pinocchio“

Der Förderverein der Freilichtspiele greift den Theatermachern auch finanziell unter die Arme. In der Versammlung am Freitag beschlossen die Mitglieder, die 60 000 Euro auf dem Konto für drei Projekte einzusetzen: Mit 8000 Euro wird das Kinder- und Familienstück „Pinocchio“ (Premiere am 18. Juni) im Haller Theaterzelt unterstützt. Während der Bauzeit des Theaters auf dem Unterwöhrd verwandelt sich das Zelt des Haller Circus Compostelli einen Sommer lang in die zweite Spielstätte der Freilichtspiele Hall.

Die Arbeit der Theaterscouts, die im Bereich Theaterpädagogik zahlreiche Workshops an Schulen anbieten, wird mit einer Summe von 2000 Euro gefördert. Mehr als 1000 Schüler seien im vergangenen Jahr über die Workshops erreicht und mit dem Theater in Berührung gebracht worden, sagt Sindia Ziehl vom Vorstand. Bereits jetzt gebe es für 2017 mehr als 1500 Anmeldungen. Und mit dem Slogan „Wir sorgen für den guten Ton und bringen Licht ins Dunkel“ betitelt der Förderverein seine 50 000 Euro schwere Unterstützung für die Investition in die Licht- und Tontechnik des künftigen Theaterneubaus.

Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim gab den Mitgliedern einen Einblick in den aktuellen Stand der Planungen zum Globe-Nachfolgebau und beschwor sie, die Aufbruchstimmung zu teilen: „Wir können jetzt Volldampf voraus“, um die 1925 gegründeten Freilichtspiele Hall für ihren 100. Geburtstag „in die nächste Liga“ hineinzuführen.

Auch der neue Intendant Christian Doll ließ keinen Zweifel daran, dass er sich darauf freue den „multifunktionalen Raum“ des neuen Theaters inhaltlich zu füllen. Zum Start in der Saison 2018 schwebe ihm beispielsweise ein Stück vor, in das 2000 Jahre Theatergeschichte gepackt werden könnten.