Wir wollen das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Notarztes verkürzen“, erklärt Karl-Eugen Altdörfer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der die Helfer-vor-Ort-
(HvO)-Gruppe 2016 ins Leben gerufen hat. Wenn in Michelbach ein Notarzt gebraucht wird, alarmiert die Leitstelle in Hall automatisch auch die neun Mitglieder der Michelbacher HvO-Gruppe. Das sei 2017 gut 50-mal der Fall gewesen, in knapp 40 Fällen seien sie als Ersthelfer vor Ort gewesen, berichtet Altdörfer.

Das Einsatzfahrzeug, ausgerüstet mit Funk und Notfallgeräten, steht meist bei ihm. „Über unsere Whatsapp-Gruppe informiere ich mit einem kurzem ‚Bin da’, dass ich bereit bin, und bekomme Rückmeldung von den Helfern, die kommen. Sie fahren entweder mit dem eigenen Fahrzeug zum Einsatzort oder ich hole sie ab“, schildert Altdörfer, der Mitglied im ASB-Bundesvorstand ist. Informationen zum Notfall gibt es über Funk: den Grund des Notrufs, die genaue Adresse mit Stockwerk, ob das Einsatzauto mit oder ohne Blaulicht und Alarm fährt, besondere Umstände wie ein Hund in der Wohnung, eine gesperrte Straße oder ein Feldweg zum Einsatzort. „Deshalb ist es wichtig, dass die Gemeinden die Leitstelle über Sperrungen informieren“, so Altdörfer. Auch der Notarzt bekommt von den HvO über Funk die Nachricht: „auf Anfahrt“ oder „angekommen“.

Unterstützung für den Notarzt

„Wir bestimmen bei der verletzten Person den Blutdruck, die Sauerstoffsättigung des Blutes und den Blutzucker. „Diese Werte übergeben wir später dem Notarzt. Außerdem können wir auch ein EKG schreiben und haben einen Defibrillator dabei. Meistens bereiten wir auch eine Infusion vor, damit der Notarzt sie sofort legen kann. Das spart wertvolle Zeit“, beschreibt Altdörfer die Aufgaben des Teams. Auch die Betreuung der Angehörigen gehört dazu. Je nach Fall unterstützen die HvO den Notarzt und den Rettungsdienst, bis der Patient im Rettungswagen ist. „Danach fahren wir zurück und füllen das verbrauchte Material auf, damit wir sofort wieder einsatzbereit sind“, berichtet der ASB-Mann.

Es sind lebensbedrohliche Situationen, zu denen die Ehrenamtlichen gerufen werden. „Unser erster Einsatz war in einem Betrieb, wo ein Mann von einem Radlader gestürzt ist und dann unter dem Fahrzeug lag. Wir mussten ihn erst bergen, bevor wir ihn untersuchen konnten“, schildert Altdörfer. In einem anderen Fall sind sie zu einer Person gerufen worden, die eine Treppe herabgestürzt ist. „Es stellte sich heraus, dass sie einen Schlaganfall hatte und deshalb gefallen ist. Da muss man schnell und flexibel reagieren“, meint der Erste-Hilfe-Experte.

Die Helfer üben regelmäßig

Ohne eine gute Ausbildung geht das nicht. Die neun Mitglieder der HvO-Gruppe sind unterschiedlich qualifiziert, haben aber mindestens einen Sanitätsdienstlehrgang und vorher einen Erste-Hilfe-Aufbau- und einen Sanitätshelferlehrgang besucht. „Wir haben Leute, die schon im Ruhestand sind oder im Schichtdienst arbeiten und deshalb auch tagsüber erreichbar sind, Lehrer, die teilweise nachmittags Zeit für Einsätze haben“, berichtet Altdörfer. Alle 14 Tage gibt es Übungsabende. Neben der Praxis geht es dort darum, ein EKG grob zu beurteilen oder gefährliche Blutzuckerwerte zu erkennen. „An einem Phantom üben wir, einen Tubus einzuführen und Infusionen zu legen. Neuerdings trainieren wir zu zweit mit einer Puppe, die Krankheitsbilder zeigt. Das ist eine fast realistische Situation. Eine Kamera nimmt alles auf und anschließend besprechen wir es“, schildert Altdörfer.

Verstärkung ist willkommen


Vier Mitglieder der Michelbacher Helfer-vor-Ort-Gruppe haben die Ausbildung bis zum Sanitätsdienstlehrgang absolviert, je zwei haben zusätzlich noch den Rettungshelferlehrgang gemacht. Am besten ausgebildet sind die beiden Rettungssanitäter und der Rettungsassistent.

Alle arbeiten ehrenamtlich. Der ASB übernimmt die Kosten bis einschließlich zum Rettungssanitäter und freut sich über Interessenten jeden Alters. Mehr Informationen auf www.asb-region-schwaebisch-hall.de