Schwäbisch Hall / Bettina Lober Noch ist das Theater auf dem Unterwöhrd eine Baustelle. Seit gestern proben dort die Schauspieler Shakespeare.

Nicht über einen roten, sondern über einen grauen Teppich führt der Weg ins Neue Globe. Schließlich ist das Theater auf dem Unterwöhrd auch noch eine Baustelle. Draußen wird mit kleinen Baggern der südliche Vorplatz bearbeitet, drinnen sind im Treppenhaus die Elektriker an den Leitungen am Werk.

Am Bauzaun haben sich gestern Vormittag Intendant Christian Doll und sein Ensemble versammelt. Die erste Probe für die Eröffnungsproduktion „Was ihr wollt“ von William Shakespeare steht unmittelbar bevor. Dann geht’s an den Handwerkern vorbei hinein in das neue Theaterrund. Ein feiner Duft von frischer Farbe liegt noch in der Luft. Die Blicke der Schauspieler wandern durch den lichtdurchfluteten Raum. Die Februarsonne scheint durch die Glasfassade hinein auf die Bühne, wo aus Podesten ein großer Tisch aufgebaut ist. Etliche „Ahs“ und „Ohs“ sind zu hören.

Froh und aufgeregt zugleich: „Das ist wirklich ein besonderer Moment“

„Willkommen zur allerersten Probe, das ist wirklich ein besonderer Moment, und es ist toll, dass wie hier gleich richtig anfangen können“, sagt Christian Doll. Er ist froh und aufgeregt zugleich, dass es losgehen kann. Bis Freitag habe noch ein Teil des Bühnenvorbaus gefehlt, „an dieser Stelle hier stand da noch ein Kran, um die Scheinwerfer aufhängen zu können“, erklärt er. Aber nun ist die Bühne mit ihrem dunklen Holzboden komplett. Die meisten der 370 Holzklappsitze sind noch mit einem Plastiküberzug geschützt. „Die Vorhänge zum Verdunkeln werden auch noch kommen“, erklärt Doll und deutet hinauf zur Glasfassade.

Freilichtspiele-Geschäftsführerin Jutta Parpart ist an diesem Montagvormittag schlicht „glücklich“, dass die Künstler nun da sind und mit der Probenarbeit beginnen können. Man habe hart daran gearbeitet, dass die Bedingungen für die Bühnenkünstler nun stimmen, „die alte Mannschaft musste da einiges wegstecken“, blickt sie noch einmal auf die wachsenden Mängel des alten Globes zurück. Ihr Wunsch für das Ensemble im neuen Bau: „Nehmt es in Besitz und gönnt dem Gebäude eure Kunst.

In gut zwei Monaten soll das neue Globe eröffnet werden. Gestern besprechen Theaterleute die Kulisse für das Premierenstück „Was ihr wollt“ von William Shakespeare.

Obligatorisch beim Probenbeginn ist auch die Sicherheitseinweisung des technischen Leiters Christian Gentner. Er bittet um Achtsamkeit, schließlich ist das Gebäude auch noch eine Baustelle, „und es verändert sich täglich“. Beispielsweise eine Wendeltreppe, die hinter der Bühne die Ebenen miteinander verbindet. Regieassistent Philip Dreher hatte bereits unfreiwillig eindrückliche Bekanntschaft mit ihr gemacht und war auf eine frisch gespachtelte Stufe getreten – „ist schon wieder behoben“, winkt er lächelnd ab. „Also, diese Wendeltreppe ist noch nicht begehbar“, warnt Gentner die Ensemblemitglieder. „Finger weg“ heißt es auch, wenn noch an der einen oder anderen Stelle Kabel aus der Wand ragen sollten.

Handwerk in Schwäbisch Hall Altes Holz fürs neue Globe

Hermann Patz arbeitet weltweit für bekannte Theaterhäuser. Die Bühnen im neuen Theater kommen auch aus seiner Werkstatt.

Beim gemeinsamen Rundgang erkunden Doll und sein Team Bühnenebenen, Gänge, die Künstlergarderoben in der obersten Etage und vieles mehr. Auf ein „besonders liebevolles Detail“ macht der Intendant an der Bühnenwand zur Biergartenseite hin aufmerksam: In die großen verschiebbaren Holztore sind hohe, nur wenige Zentimeter breite Holzladen eingearbeitet, die einen klitzekleinen Blick nach draußen gestatten. „Mensch, ist das viel Platz zum Spielen“, staunt Schauspieler Carl-Ludwig Weinknecht, als er auf dem oberen Zuschauerrang steht und in das weite Rund des Theaters blickt.

An der Tür zum Theaterraum hängen „Bitte Ruhe“-Schilder. Die Handwerker beschränken sich nun mit lautem Bohren und Hämmern auf die probenfreien Zeiten. Mit den Schauspielern hält nun auch die Theaterkunst Einzug in das Neue Globe. Aber bis zur Eröffnung Ende März muss noch weitergebaut werden – am Gebäude und an der Kunst.

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Großes Eröffnungswochenende Ende März

Der Countdown zur Eröffnungspremiere am Samstag, 30. März, läuft. Bereits am Freitag, 29. März, wird unter dem Titel „Die ganze Welt ist Bühne“ eine Eröffnungsgala gefeiert – eine geschlossene Veranstaltung mit vielen geladenen Gästen. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann war ein­geladen, musste aber aus Termingründen absagen, „was er sehr bedauert“, sagt Freilichtspiele-­Geschäftsführerin Jutta Parpart. Dafür kommt Staatsministerin Petra Olschowski zur Gala.

Der Shakespeare-­Satz „Die ganze Welt ist Bühne“ ist auch das Motto einer Matinee am 31. März ab 11 Uhr im Globe. Zudem gibt es ab 13 Uhr einen Tag der offenen Tür, bei dem die Besucher einen Blick hinter die Kulissen des neuen Theaters werfen können. Die beiden Globe-­Führungen am 20. Februar und am 6. März sind bereits aus­gebucht. blo