Mit einem kurzen Zweizeiler haben die Stadtwerke Hall am späten Dienstagnachmittag kurzfristig die krankheitsbedingte Schließung des Riedener Freibads am Donnerstag und Freitag angekündigt. Im Bad selbst hat man entsprechende Hinweise ausgehängt. „Als ich das gesehen habe, habe ich mir sofort ein Blatt Papier geschnappt und angefangen, Unterschriften zu sammeln, um zu protestieren“, sagt Anita Noller aus Westheim. 67 Unterschriften seien schnell zusammengekommen. „Wir haben einfach genug davon, dass Rieden wie ein Bad zweiter Klasse behandelt wird.“ Noller hatte schon vor drei Jahren eine ähnliche Aktion initiiert, um längere Öffnungszeiten für das Bad durchzusetzen. Damals hat sie mehr als 200 Unterschriften für besucherfreundliche Öffnungszeiten bis 20 Uhr zusammengebracht.

„Ich finde, es ist eine Dreistigkeit, das Bad so kurzfristig zu schließen“, sagt Noller. Und dabei seien Donnerstag und Freitag die wahrscheinlich heißesten Tage des Jahres. Außerdem regt sie auf, dass man von den Stadtwerken Schwäbisch Hall, die das Freibad betreiben, aufgefordert wird, die Saisonkarten doch für einen Besuch im Haller Schenkensee-Freibad zu nutzen. „Wir haben unser kleines und gemütliches Bad und wir wollen nicht den Massenbetrieb in Hall. Wieso sollen wir dann 20 Kilometer fahren und das Klima zusätzlich belasten?“, fragt Noller. Das sei auch die Meinung vieler weiterer Badbesucher. Das Haller Bad sei mit dem Bus außerdem nur umständlich durch Umsteigen zu erreichen.

„Bei allem Verständnis für Personalengpässe bei den Stadtwerken: Das Bad an den heißesten Tagen des Jahres zu schließen ist problematisch“, sagt auch Rosengartens Nochbürgermeister Jürgen König. Bevor er am 31. Juli zum letzten Mal ins Rathaus in Uttenhofen geht, hat ihn das Tagesgeschäft mit der Schließung des Riedener Bads noch einmal eingeholt. „Ich habe mich bei der Geschäftsführung der Stadtwerke beschwert. Ich gehe davon aus, dass es bei einer Einmaligkeit bleibt“, so König.

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Fachangesteller muss da sein

„Wir haben sehr motiviertes Personal, das möchte ich hier ausdrücklich in Schutz nehmen. Die Mitarbeiter haben unheimlich starke Belastungen bei großen Besucherzahlen“, sagt Gebhard Gentner auf Nachfrage unserer Zeitung. Er ist als Geschäftsführer der Stadtwerke Hall auch für den Bäderbetrieb verantwortlich. Die rechtlichen Voraussetzungen für den Betrieb eines öffentlichen Bads sähen nun einmal die Anwesenheit von einem Fachangestellten für Bäderbetriebe vor. Für jedes Bad der Stadtwerke, Schenkenseebad, Schenkensee-Freibad und Freibad Rieden, habe während der Öffnungszeiten ständig eine Aufsichtskraft mit dieser Qualifikation vor Ort zu sein. Selbst in den Pausen sei hier eine Vertretung zu organisieren.

„Aktuell sind drei dieser Aufsichtskräfte krankheitsbedingt ausgefallen“, erklärt Gentner. „Wir konnten viele Tage auffangen, indem wir die Schichtpläne so umgestellt haben, dass die Mitarbeiter gerade noch innerhalb des Arbeitszeitgesetzes eingesetzt werden konnten.“ Eine Überschreitung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten könne man aber nicht verantworten und verlange dies auch von keinem Mitarbeiter.

Kein Riedener Personal in Hall

Gerüchten, die besagen, dass für die „School’s out Party“ im Schenkenseefreibad am Freitag Personal aus Rieden abgezogen worden sei, erteilt Gentner eine Absage: „Das betrifft das in Rieden eingeplante Personal nicht.“ Zudem kämen bei diesem Event lediglich Rettungsschwimmer und Azubis zum Einsatz. Im Vergleich zu anderen Bädern könnten die Stadtwerke die aktuell sehr langen Öffnungszeiten, auch das parallele Öffnen von drei Bädern im Sommer, gewährleisten. Allerdings nicht, wenn gleich drei Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen.

„Dass man sich in Rosengarten angeblich als Badegast zweiter Klasse behandelt fühlt, können weder unsere Mitarbeiter noch – glaube ich – viele Badegäste nachvollziehen“, sagt Gentner. Die Gruppenleiterin, die die Schichten plane, habe alles in ihrer Macht stehende getan, um den Ausfall so gering wie möglich zu halten: „Der Vorschlag, das Bad Rieden für zwei Tage zu schließen, ist ihr und auch der Badebetriebsleitung nicht leichtgefallen.“

Für alle Mitarbeiter, die sich mit „sehr viel Mühe und Engagement in Rieden einbringen“, seien Aussagen wie die Überschrift auf der Unterschriftenliste „Wir sind in Rieden nicht das Freibad zweiter Klasse“ sehr belastend. Es gebe aber auch genügend positive Rückmeldungen aus Rieden, dass die Badegäste beispielsweise hochzufrieden mit dem Service und dem Personal sind. „Das Freibad Rieden gehört nicht zur zweiten Klasse, das kann ich auch unterschreiben“, so Gentner.

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