„Die häusliche Gewalt steigt ganz klar an“, berichtet Lisa Mayer vom Frauen- und Kinderschutzhaus Schwäbisch Hall. Das sei keine Vermutung, sondern eine Tatsache, argumentiert die Mitarbeiterin des Diakonieverbands  Schwäbisch Hall auf Nachfrage. „Wir verzeichnen in Schwäbisch Hall eine Zunahme an Anfragen.“

In Zeiten der Corona-Pandemie setzten die Mitarbeiterinnen vermehrt auf Telefonkontakte. „Nicht jede Frau muss ins Frauen- und Kinderschutzhaus“, meint Lisa Mayer. Einiges könnte auch am Telefon geklärt und vermittelt werden. Dieser Beratungsbedarf steige aber ganz offensichtlich an.

Keine Ausweichmöglichkeit

„Die Gewalt nimmt zu, da die Menschen ständig zusammen zu Hause sind“, erklärt Lisa Mayer. „Man bleibt länger im Konflikt drin.“ In normalen Zeiten würden die gemeinsamen Stunden in den eigenen vier Wänden unterbrochen werden, beispielsweise durch den Arbeitstag außerhalb.

Homeoffice, Läden zu, Freizeitangebote dicht: Der verringerte Aktionsradius habe Einfluss auf häusliche Konflikte, die sich dort nun oft zuspitzen. „Depressionen und Angstzustände werden durch diese unnatürliche Lebensweise verstärkt“, meint Mayer. In China wie in Italien hätten sich die Anzeigen bei der Polizei aufgrund häuslicher Gewalt verdreifacht. Die Mitarbeiterinnen des Frauen- und Kinderschutzhauses müssten sich den Vorgaben anpassen. Daher gebe es keine Hausbesuche mehr. Die persönliche Beratung erfolge per Telefon, Skype, E-Mail oder Whatsapp. Im Notfall sei eine Aufnahme im Frauenhaus weiterhin möglich.

Info Das Frauen- und Kinderschutzhaus Schwäbisch Hall ist während der Bürozeiten zu erreichen unter Telefon 07 91 / 9 46 44 64. Die Hilfehotline für Gewalt gegen Frauen ist Tag und Nacht zu erreichen unter Telefon 08 00 / 11 60 16. Bei konkreter Gefahr und im Falle von Straftaten ist die Polizei zuständig, teilt Lisa Mayer vom Frauen- und Kinderschutzhaus mit.