Region Frauenquote teils schon erfüllt Beispiele aus heimischen Unternehmen

Susanne Kessen, hier im Gespräch mit Schwäbisch Hall-Pressesprecher Siegfried Bauer, saß fünf Jahre im Aufsichtsrat der Bausparkasse. Archivfoto: Marc Weigert
Susanne Kessen, hier im Gespräch mit Schwäbisch Hall-Pressesprecher Siegfried Bauer, saß fünf Jahre im Aufsichtsrat der Bausparkasse. Archivfoto: Marc Weigert
JÜRGEN STEGMAIER 20.11.2013
Zwischen 10 und 30 Prozent beträgt die Frauenquote in den Aufsichtsräten ausgesuchter heimischer Unternehmen. Bei Stahl sind es beispielsweise 20, bei Bechtle 25 und bei der Haller Bausparkasse 30 Prozent.

30 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder von börsennotierten Aktiengesellschaften sollen künftig Frauen sein - darauf verabredeten sich CDU/CSU sowie SPD jetzt bei den Koalitionsgesprächen in Berlin.

Teile der Arbeitgeberverbände schütteln den Kopf. Die Frankfurter Allgemeine zitiert Rainer Dulger, Präsident von Gesamtmetall, mit den Worten: "Der Frauenanteil unter den Ingenieurabsolventen aller Fachrichtungen liegt bei rund 20 Prozent, bei den Ausbildungsberufen liegt der erste Metall- und Elektro-Beruf bei Frauen auf Platz 50." Eine verbindliche Quote bei den Aufsichtsräten werde den Betrieben, die mehr Frauen für die technischen Berufe suchen, wenig helfen.

Das sieht Marianne Kugler-Wendt ganz anders. Die Verdi-Sekretärin sitzt im Aufsichtsrat des Energieversorgers ENBW sowie der Haller Bausparkasse. "Es gibt genug qualifizierte Frauen, die ohne die Quote aber nicht an die Machtpositionen kommen", so die Gewerkschafterin. Sie hält Dulger seine Logik vor: Das würde heißen, dass in klinischen Gesellschaften oder in Handelsunternehmen mehr Frauen im Aufsichtsrat sitzen müssten als Männer, weil sie den Großteil der Belegschaft stellen.

Susanne Kessen gehörte fünf Jahre lang dem Aufsichtsrat der Bausparkasse an. Im Mai wurde sie nicht wieder gewählt. Sie musste einem männlichen Kollegen den Vortritt lassen. Aus zwei Gründen findet Susanne Kessen eine Quotenregelung gut: Erstens würde das mehr Frauen animieren, sich zur Verfügung zu stellen; zweitens falle es den Entscheidern leichter, Frauen vorzuschlagen.

Karin Schick ist eine von drei Frauen im zwölfköpfigen Aufsichtsrat der Neckarsulmer Bechtle AG, einem IT-Dienstleister. "Persönlich empfinde ich die Zusammenarbeit in unserem Aufsichtsrat als sehr zielorientiert, effizient und verlässlich - das liegt zum größten Teil an den einzelnen Personen. Es liegt aber, so meine Überzeugung, auch an der gemischten Besetzung aus Frauen und Männern", sagt die Tochter des Unternehmensgründers Gerhard Schick. Die Gaildorferin gilt als Hauptaktionärin.

Reine Männersache ist der Manz-Aufsichtsrat. Das Reutlinger Unternehmen, das in Hessental Maschinen entwickelt, mit denen Dünnschicht-Solarmodule hergestellt werden, ist mit drei Männern besetzt.

20 Prozent beträgt die Frauenquote bei der R. Stahl AG. Im Kontrollgremium des Waldenburger Unternehmens, das sich auf Explosionsschutz-Technologie spezialisiert hat, sitzen zwei Frauen im zehnköpfigen Aufsichtsrat. Stellvertretende Vorsitzende ist Heike Dannenbauer, die Ur-Ur-Urenkelin des Firmengründers Raphael Stahl. Heike Dannenberg ist allerdings nicht bei Stahl beschäftigt. Sie arbeitet als Bühnen-Managerin bei der Apollo-Theater Produktionsgesellschaft in Stuttgart.

Sechs Frauen im Aufsichtsrat der Bausparkasse