Haalgeist Frank Benkowitz hat Haalgeist-Maskottchen gezeichnet

Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 24.06.2013
Ein gelbes Wesen mit langer Nase und Zottelfell macht von sich reden. Man sieht es auf Shirts, Taschen und als Plastikfigur. Seit einem Jahr beschäftigt Halls neues Maskottchen den Cartoonisten Frank Benkowitz.

Die Idee war geboren. Ute Christine Berger, Halls Kulturbeauftragte, wollte ein Maskottchen für die Stadt. Wer könnte aus dem Haalgeist, den man als krummbucklige, eher unfreundliche Erscheinung kennen, nun ein kinderfreundliches Wesen machen? Es gab da einen, der hat einmal ein Comicbuch gemacht. "Bretzman - im Zeichen der Laugenbretzel" hieß es.

Dieser jemand, der damals noch in Waiblingen lebte, wurde im Jahr 2010 zu einem Haller. Er gibt Zeichenkurse an verschiedenen Volkshochschulen, auch in Hall, und so wurde man auf ihn aufmerksam. Mit einer Mappe voller Scrabbles, Entwürfen für den Haalgeist, erschien er Anfang 2012 bei Ute Christine Berger im Kulturbüro. "Ohne übermäßig von meinen Entwürfen angetan gewesen zu sein, wusste ich, dass es mit dem Auftrag klappen würde", sagte Frank Benkowitz über seine Intuition.

Vielleicht war es auch Intuition, dass der gebürtige Esslinger nach Hall zog. Obwohl er das so nicht nennen würde. Er kam ohne große Pläne, hatte hier ein paar Freunde und eine Tante, die eine Verbindung zu Hall schufen. "Ich weiß nicht, ob ich bleiben will. Aber irgendwie lässt die Stadt mich nicht gehen."

Liebe für guten Kaffee

Innerlich noch nicht ganz angekommen, wohnt er doch sehr gemütlich in seiner Dachwohnung auf der Tullauer Höhe - mit dem typischen Künstlerschreibtisch unter dem Dach. Clicheegemäß ist auch seine Liebe für guten Kaffee. Er geht gerne in Cafés und beobachtet dabei die Welt um ihn herum. "Das ist auch irgendwie mein Job. Beobachten ist meine Nahrung." Immer dabei ist sein Rucksack. "Der ist fast schon mit mir verwachsen." Darin befindet sich selbstverständlich ein Skizzenbuch. Er nennt es auch Tagebuch oder Rucksackbuch, und sein Zeichnen empfindet er mitunter "therapeutisch".

Er holt sein Rucksackbüchle hervor und blättert. Gleich zu Anfang ist eine Zeichnung zu sehen, ein Selbstportrait von ihm, wie er im Café sitzt, hinter ihm lugt der Haalgeist hervor. "Mein Leben mit Otto" steht darunter. Es war die Zeit, in der er sich sehr intensiv mit der Gestaltung des Maskottchens beschäftigt hat. Seit dem ersten Gespräch mit Ute Christine Berger sei bei ihm ein Suchprogramm gestartet. "Auch wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, arbeite ich, das sieht nur keiner. Ich denke permanent nach. Ideen können beim Essen kommen oder in schlafarmen Nächten."

Wenn er nicht am "Projekt Otto" arbeitet - so der Arbeitstitel des Haalgeist-Buches, das er illustriert -, gibt er Nachhilfe in Französisch, hilft Gemüse-Abokisten zu packen und unterrichtet an Volkshochschulen.

Er hat immer schon gekritzelt

Dass er einmal zeichnen wird, hat er schon früh gewusst. Seine Oma habe gesagte, als er noch ein kleiner Junge war. "Dr Frank will amole môôle." Von dieser Aussage gäbe es sogar eine Aufnahme. Er hätte immer schon gekritzelt. "Ich habe alle meine kleinen Autos abgezeichnet." Am Ende seines Studiums zum Landschaftsarchitekten hat er ein Heft für seine Kommilitonen gestaltet: mit Karikaturen einzelner Professoren.

Seine Eltern, die heute getrennt leben, befürworten sein zeichnerisches Tun, dass er seit 2002 hauptberuflich betreibt. Sie sind stolz, auch wenn sie seinen Humor nicht immer verstehen. "Meine Mutter schickt mir stapelweise Illustrationen, die sie irgendwo ausgeschnitten hat", erzählt er.

Viele beneiden ihn um seinen angeblichen Traumjob. "Du machst das, was dir Spaß macht, und bekommst auch noch Geld dafür", sagen sie ihm. Frank Benkowitz sieht das etwas anders. Nicht immer mache es Spaß und das Zeichnen ist eine anstrengende Sache. Der Haalgeist zum Beispiel, hätte seinen eigenen Kopf. Wenn er ihm einen gewissen Gesichtsausdruck verleihen möchte, so scheint er doch immer stur etwas anderes zu wollen.

Der 50-Jährige hat einen Traum. In einem ansehnlichen Blätterstapel brodelt es: Seine eigene gezeichnete Geschichte. Er möchte seine Biographie und seine Beobachtungen erzählen und die Menschen nicht nur zum Schmunzeln bringen, sondern auch bewegen.

Maskottchen und Buch
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel