ASYL Frage der Unterbringung gelöst, Jobsuche aber nicht

Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 26.11.2016

Der Landrat hätte dabei sein können,  die Dezernatsleiterin, die neue Fachbereichsleiterin Integration oder ihr Mitarbeiter, der zunächst zugesagt hatte.  Doch von der Behörde, die viel mit Flüchtlingen zu tun, ist niemand am Donnerstagabend im Haus der Bildung.

„Ein Stuhl bleibt heute leer. Leider hat der Landkreis seine langfristige Zusage zurückgezogen“, erläutert Volkshochschulleiter Thomas Gerstenberg am Anfang des VHS-Gesprächs. Viele der 100 Zuhörer klatschen, als ein Bürger das Fehlen kritisiert. Dabei geht es VHS-Fachbereichsleiter Marcel Miara gar nicht um Schuldfragen. Vielmehr gehe es um Lösungen. Alles soll auf den Tisch, ohne dass jemand „in die braune Ecke“ gedrängt wird. „Sparen Sie nicht mit Kritik“, fordert HT-Redakteurin Verena Bufler als Moderatorin die Zuschauer auf, nachdem sechs Verantwortliche vom Jobcenter aus einem Kindergarten, von der Stadt Hall, aus Schulen und von Sprachkursen Statements abgegeben haben. Ein Beispiel für ein ungelöstes Problem: Frauen mit Kleinkindern können nicht an Integrationskursen teilnehmen. Die Stadt Hall stellt zwar gesetzeskonform allen Eltern genügend Kindergartenplätze zur Verfügung, erläutert Astrid Winter vom Fachbereich Jugend, Schule und Soziales. Aber: Nicht immer ist der wohnortnah. Das ist schon für einige Haller ein Problem. Für Flüchtlinge ohne Auto umso mehr. Der Mann besucht einen Deutsch-Kurs, die Frau bleibe ungebildet bei den Kindern. Miara sieht darin ein Problem für die Emanzipation.

Bürger lösen Probleme schneller

„Wir unterrichten Frauen mit kleinen Kindern schon seit elf Monaten“, wirft ein Helfer aus Obersontheim lapidar ein. Probleme, die monatelang von Ämtern bearbeitet werden, lösen Bürger vor Ort mit einfachen Mitteln und viel Engagement. Die Flüchtlingswelle ist auch ein Stresstest für Behörden. Ein Jahr danach – das Fazit fällt unterschiedlich aus. Während Fragen der Versorgung, Unterbringung, der Sprache sowie des Zusammenlebens mit Einheimischen lösbar erscheinen, tauchen neue Fragen auf. Bisher wurden nur an 30 Flüchtlinge im Kreis ein Job vermittelt.

Erfolge und für Probleme werden genannt

Negativ: Es ertrinken Tausende im Mittelmeer, Fluchtursachen bestehen weiter, Angehörige von Flüchtlingen in Hall sind in Syrien in Gefahr, dürfen aber nicht nachziehen. 

Der Übergang von Deutsch-Kursen in Praktika klappe kaum. Experten sagen, dass wohl nur 20 Prozent der Flüchtlinge einen Job finden werden. Es gibt Flüchtlinge mit „null Schulbildung“.

Eine Schwangere in Gaildorf wohnt mit mehreren Personen in einem Zimmer.
Flüchtlingsfamilien sind im Kreis teilweise auf verschiedene Wohnorte aufgeteilt. Unterkünften fehlt oft ein Aufenthaltsraum.

Positiv: Kinder lernen die deutsche Sprache rasant schnell. Flüchtlinge weisen eine hohe Motivation auf, Deutsch zu lernen und selbstständig zu werden.

Einzelnen Flüchtlingen ist für nächstes Jahr eine Lehrstelle zugesagt worden. Einige Betriebe bieten Jobs an.  

Flüchtlingskinder tragen in kleinen Kindergärten, die vor dem Aus stehen, dazu bei, dass Angebote erhalten bleiben.

Die Zusammenarbeit des Freundeskreises Asyl mit Sozialbetreuern der Unterkünfte laufe sehr gut. tob