Schwäbisch Hall Würth-Airport: Wie sehr stören Nacht-Starts?

Eine Falcon 50EX der Firma Würth auf dem Flugplatz. Im Hintergrund sind zu Wohnungen umgebaute Kasernen zu sehen. 
Eine Falcon 50EX der Firma Würth auf dem Flugplatz. Im Hintergrund sind zu Wohnungen umgebaute Kasernen zu sehen.  © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 11.04.2018
Würth-Airport: Einige Haller stören sich an nächtlichen Motorgengeräuschen. Die Flugplatzleitung hält entgegen: Es handelt sich um extrem wenige Fälle.

Da dürfen die Flugzeuge auch noch deutlich nach Mitternacht anfliegen! Motorendröhnen, das noch minutenlang zu hören ist, bis auch der letzte, bis dato noch schlafende Bürger, senkrecht im Bett steht“, empört sich Susanne Gaulke, die auf dem Katzenkopf wohnt, in einem Leserbrief.

Wie störend sind die Fluggeräusche über der Stadt? Ein anderer Bürger, Kai-Uwe Spitzer, aus dem Schweickerweg in der Kreuzäckersiedlung entgegnet in einem Leserbrief: „Wir freuen uns über jeden Flieger, der an unserer Terrasse vorbeidonnert (leider nur höchstens sechs pro Tag) und ärgern uns über so wichtige Themen wie die oftmals katastrophalen Straßenzustände in gesamt Haller Land.“ Wer hat nun recht? Beim subjektiven Thema Lärmbelästigung ist das nicht zu entscheiden.

Doch es gibt objektive Faktoren: „Die Gesamtzahl der jährlichen Flugbewegungen (Starts, Landungen, Anflüge ohne Aufsetzen) liegt schon seit mehreren Jahren relativ konstant bei zirka 32 000. Schwankungen ergeben sich aus den vorherrschenden Wetterbedingungen, die vor allem das Verhalten der Hobbyflieger stark beeinflussen“, teilt die Leitung des Adolf-Würth-Airports auf Nachfrage mit.

Sinkende Tendenz

Was speziell die Klage über nächtliche Flugbewegungen betrifft, entgegnet der Flugplatzbetreiber: „Laut Planfeststellungsbeschluss dürfen in dem Zeitraum zwischen 22 Uhr und 6 Uhr maximal 3 Starts pro Nacht beziehungsweise 30 Starts pro Woche durchgeführt werden. Die Flugplatz GmbH hat sich aber freiwillig dazu verpflichtet, dies nur in absoluten Ausnahmefällen zu genehmigen.“

Blickt man in die Statistik, erkennt man exakt acht nächtliche Starts – im ganzen vergangenen Jahr. Und das mit sinkender Tendenz. „In zirka 70 bis 80 Prozent der Zeit wird nach Westen hin gestartet“, berichtet der Würth-Konzern auf Nachfrage. Das bedeutet, dass ein Großteil der Starts in Richtung der Bebauung erfolgt. Da gegen den Wind gelandet wird heißt das aber auch: Von den 43 nächtlichen Landungen – pro Jahr – dürften viele Haller wenig mitbekommen.

Es gibt eine positive Nachricht in Sachen Lärm: „Nach der Schließung des Lufttransportgeschwaders in Penzing Ende 2017 gibt es tatsächlich so gut wie keine Nutzung durch die Transall mehr.“

Einige Bewohner in Altenhausen, Tüngental und Weckrieden fühlen sich trotz allem durch die  Motorengeräusche gestört. Besonders in der warmen Jahreszeit steigt die Frequenz: „Im Durchschnitt der letzten drei Jahre liegt in den Sommermonaten die Gesamtzahl der Starts bei zirka 1800, in den Wintermonaten durchschnittlich bei etwa 600 Starts pro Monat.“ Die Graspiste in Weckrieden spielt bei der Zahl der Starts eine untergeordnete Rolle.

Initiative vertritt Leidtragende

„Von den Flugplätzen geht eine hohe Lärmbelästigung aus. Flugschulen sowie die vielen Hobby- und Freizeitpiloten belästigen die Bevölkerung“, schreibt „Airpeace – Initiative gegen Fluglärm und Umweltverschmutzung in Schwäbisch Hall“ in einer Anzeige in der Zeitung.  Ziel sei die Umsetzung der im Stadtleitbild geforderten „Reduzierung des Fluglärms“.

Der Würth-Konzern nimmt für sich in Anspruch am gleichen Strang zu ziehen: „Die Flugplatzleitung nimmt Lärmbeschwerden aus der Bevölkerung sehr ernst. Sofern es einen konkreten Anlass gibt, gehen wir der Sache nach und versuchen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Ursache abzustellen. Eine gewisse Grundbelastung ist natürlich wie an jeder anderen Verkehrsinfrastruktur vorhanden.“

25 Business-Maschinen sind in Hall beheimatet

Derzeit sind am Adolf-Würth-Airport 25 Geschäftsreiseflugzeuge stationiert. Davon gehören 12 Maschinen zu den Flugbetrieben von Würth, Gemü und Lidl. Die übrigen 13 Flugzeuge verteilen sich auf 9 mittelständische Unternehmen aus der Region. Auch Mitglieder der Bundesregierung – wie Kanzlerin Merkel – landeten schon auf dem Airport. Knapp 20 Prozent der Flugbewegungen seien Geschäftsflüge, teilt Würth mit.