Zuhause in Syrien haben die Bomben das Haus zerstört. Die Mutter ist tot und auch der große Bruder. Omar Aldwan erzählt stockend, aber in erstaunlich gutem Deutsch. Seit drei Monaten sind er und seine Frau Abthal Gazawe mit ihren Kindern Mohamed und Alin in Ilshofen untergebracht. Wegen des Krieges mussten sie fliehen. Ihr Weg führte durch den Libanon übers Mittelmeer nach Italien. "Nur 20 Meter lang war das Boot und 300 Menschen darauf, 87 davon Kinder", schildert Omar Aldwan die Überfahrt. "Wir hatten große Angst", fügt die junge Frau hinzu. Alin war gerade einmal zwei Monate alt, ihr Bruder zwei Jahre. Auch der Bruder von Abthal Gazawe war mit auf dem Boot. Er lebt jetzt in Stuttgart. Familie Aldwan war zehn Monate in der Nähe von Karlsruhe untergebracht, ehe sie nach Ilshofen kam.

Kaum hatte die syrische Familie die Flucht überstanden, kam die nächste Hiobsbotschaft: Die kleine Alin musste am Herzen operiert werden. Sogar zwei OPs waren nötig, sie wurden in der Uniklinik Heidelberg durchgeführt. Omar hält den medizinischen Abschlussbericht in der Hand, den er im Detail nicht verstehen kann. Aber der behandelnde Arzt habe ihnen versichert, dass alles in Ordnung sei und Alins Genesung zufriedenstellend verlaufe.

Das zweite Papier, das Omar vorweisen kann, ist ein Berechtigungsschreiben des Landratsamts Schwäbisch Hall. Das Schriftstück ist schon arg zerfleddert und wird nur noch durch mehrere Klebestreifen zusammengehalten. Es sei das einzige Ausweispapier, das er habe, sagt der junge Syrer. "Keine Pässe", klagt er. Damit könnte es schwer werden, sich im Asylverfahren überhaupt als Syrer auszuweisen, fürchtet man beim Freundeskreis Asyl, dessen Mitglieder auch in Ilshofen engagiert tätig sind.

Da syrische Staatsangehörige große Chancen haben, in Deutschland bleiben zu dürfen, machen sich das auch Flüchtlinge aus anderen Ländern zunutze und geben an, Syrer zu sein. Solche Fälle muss das Bundesamt dann erst gründlich prüfen. Solange das Kind krank ist und behandelt werden muss, dürfen Eltern und Geschwister aber auf jeden Fall hier bleiben. Das gilt auch für eine weitere syrische Familie in Ilshofen, die ebenfalls ein herzkrankes Baby hat.

Mit im Haus wohnt ein Allgemeinmediziner aus Afghanistan mit seinen beiden Töchtern. Der Mann darf aber noch lange nicht als Arzt praktizieren. Erst wenn Zaidullah Nazari als Asylbewerber anerkannt ist und Bleiberecht erhält, kann er sich daran machen, die nötigen Prüfungen abzulegen. Mit der Anerkennung kann er dann auch Frau und Sohn nach Deutschland holen.

Mehrere Familien teilen sich eine Gemeinschaftsküche

In Ilshofen fühle sie sich sicher, sagt eine junge Mutter aus Syrien. Allerdings sei das Leben in der Unterkunft recht beengt. Jeder Familie steht nur ein Zimmer zum Wohnen und Schlafen zur Verfügung. Gekocht wird in der Gemeinschaftsküche, die auch von anderen Familien benutzt wird. Insgesamt ist die Lage im Wohnblock an der Bahnhofstraße in Ilshofen aber ruhig. "Noch nie ist im Zusammenhang mit dem Asylbewerberheim etwas Schlimmes in Ilshofen passiert", zeigt sich auch Bürgermeister Roland Wurmthaler froh über die Situation. In der Bevölkerung seien die Flüchtlingsfamilien akzeptiert.

Außer dem Mehrfamilienhaus hat der Landkreis in Ilshofen noch zwei Wohnungen angemietet sowie ein älteres Haus mit zwei Wohnungen in Eckartshausen. In einem kleineren Teilort wird gerade ein Einfamilienhaus bezugsfertig gemacht. Auch dort zahlt der Landkreis die Miete.

Ilshofen hat bereits städtische Wohnungen zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingsfamilien zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Wurmthaler rechnet aber damit, dass bald noch viel mehr Wohnraum nötig wird. "Wir brauchen dringend Unterstützung von Privatleuten, die leerstehende Häuser oder Wohnungen haben." Die Flüchtlingssituation in Ilshofen und die Suche nach Wohnungen wird auch Thema in der Gemeinderatssitzung am Freitag sein.