Murrhardter Malerin Flora Europas botanisch exakt gestaltet

Die 81-jährige Künstlerin vor einem ihrer Werke. Annemarie Meindl ist heute auch als Naturschutzwartin aktiv.
Die 81-jährige Künstlerin vor einem ihrer Werke. Annemarie Meindl ist heute auch als Naturschutzwartin aktiv. © Foto: Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 03.09.2018
Seit über 40 Jahren kreiert die Murrhardter Malerin Annemarie Meindl Pflanzen-Aquarelle. Ihr neuer Jahreskalender 2019 zeigt einen Querschnitt ihrer Arbeiten.

Ich habe schon seit meiner Kindheit gerne gemalt“, betont Annemarie Meindl. „Seit meinem ersten Malkurs wusste ich, dass ich Pflanzen botanisch genau malen möchte.“ Heute bringt sie in ihrem eigenen Stil naturgetreue und zugleich künstlerisch gestaltete Pflanzen auf Papier.

Dies verdanke die Murrhardter Künstlerin dem versierten Maler Johann Holub, der ab 1976 in Kursen an der Murrhardter Volkshochschule ihr und anderen Freizeitkünstlern wertvolle Basisfertigkeiten vermittelte. „Er brachte mir bei, wie man Farben richtig mischt.“ Daraus entwickelte sie ihre eigene Maltechnik in der Tradition von Albrecht Dürer und Maria Sibylla Merian. Sie malt mit Aquarellfarben, aber nicht in der Nass-in-Nass-Technik, sondern nur mit wenig Wasser, und setzt die Pinsel eher wie Zeichenstifte ein. Ganz bewusst „gestalte ich keine Impressionen, denn dafür sind die Pflanzen viel zu kostbar.“

Bedrohte Arten im Blick

Ihre Wertschätzung für diese Wunderwerke der Natur spiegelt sich wider in ihrem überaus sensiblen, sorgfältigen und detailgenauen Malstil. Der Naturschutzgedanke hat sie dazu motiviert, vorwiegend seltene und bedrohte Arten zu malen. „Der Reichtum der Flora ist in vielen Gebieten, beispielsweise im Voralpenland und in den Gebirgsregionen der Alpen, durch vielfältige Umwelteinflüsse bedroht. Darum ist es wichtig, dass wir Menschen und besonders die Touristen sensibel mit diesen kostbaren Geschenken der Natur umgehen, um diese zu erhalten.“

1979 zeigte Meindl erstmals einige ihrer Werke in einer Hobbymaler-Ausstellung in der Murrhardter Stadthalle. „Schon Anfang der 1980er Jahre begann ich im Urlaub in Tirol, Pflanzen zu malen und Blumenspaziergänge zu leiten.“ So dokumentierte sie die bedrohte Alpenflora. Seit Mitte der 1980er Jahre hat Meindl ihre künstlerische Arbeit intensiviert. Sie schuf eine Fülle von Bildern unter dem Motto „Zeitdokumente europäischer Flora“.

Ihre Motive findet Annemarie Meindl direkt vor der Haustür im eigenen Garten und auf vielen Spaziergängen in der Region, aber auch auf Reisen durch Deutschland und Europa. „Ich kann nicht zu Hause nach Fotografien malen, nur direkt vor Ort nach den lebenden Originalen“, betont Meindl. „Botaniker untersuchen die Pflanzen, die auf einem Quadratmeter wachsen, ich suche mir für ein Bild die Pflanzen aus, von denen ich denke, dass sie beim Betrachter ankommen.“

Botanische Studienwoche

Um alle Pflanzen botanisch korrekt darstellen zu können, schulte sie ihr Auge zunächst mithilfe naturkundlicher Bestimmungsbücher und Verbreitungskarten sowie Biotopatlanten und Dokumentationen über Biotope und Naturdenkmale. Zudem „ging ich Anfang der 1990er Jahre nach Inzigkofen ins Heim des VHS-Landesverbands Baden-Württemberg“. Im ehemaligen Kloster machte sie mit bei drei botanischen Studienwochen, die der ehemalige Direktor des Naturkundemuseums Stuttgart, Dr. Oskar Sebald, leitete. Anschließend habe sie autodidaktisch weitergearbeitet. Seit den 1990er Jahren gestaltet sie auch florale Motive in Seidenmalerei.

„Mein größtes Lob verdanke ich dem berühmten Botaniker und Pflanzensoziologen Professor Theo Müller, Autor und Herausgeber verschiedener Bestimmungsbücher. ‚Stimmt alles’, sagte er, nachdem er einige meiner Bilder genau betrachtet hatte“, erzählt die 81-Jährige. Sie malt nach wie vor, indes nicht mehr so intensiv, und ist als Naturschutzwartin aktiv: seit 2006 im Rems-Murr-Kreis und seit 2014 im Schwäbischen Albverein. Ihre Bilder vermarktet sie als Blumenkarten und Kunstdrucke.

Nun kommt der 2019-Jahreskalender „Die Flora in Baden-Württemberg“ hinzu. Die Idee zu dessen Gestaltung hatte der Schwäbisch Gmünder Grafiker und Designer Nils Hoffmann. Er lernte Annemarie Meindl und ihre Arbeit kennen, als er die Kirchenkirnberger Autorin Sylvia Bäßler bei der grafischen Gestaltung ihres Romans „Welschensommer“ unterstützte, wofür er auch einige Blumenaquarelle der Murrhardter Künstlerin verwendete.

Die Monatsblätter zeigen einen Querschnitt aus etwa 30 Jahren künstlerischen Schaffens. Abgebildet sind Blütenpflanzen und Früchte, die in unserer Heimat wachsen, sowohl in Gärten und am Wegesrand als auch in Naturschutzgebieten und Biotopen.

Kalender in mehreren Formaten

Annemarie Meindl wurde am 27. Juni 1937 in Backnang geboren. Sie wuchs in Murrhardt auf, wo sie auch zur Schule ging. 1951 bis 1953 machte sie eine Ausbildung zur Herrenschneiderin an der Gewerbeschule Gaildorf, danach besuchte sie die Handelsschule in Stuttgart. Anschließend war sie in verschiedenen Unternehmen als Sekretärin tätig, ab 1972 auch für die Volkshochschule Murrhardt, in deren Geschäftsstelle sie von 1976 bis 1985 arbeitete.

Der Kalender der Künstlerin „Die Flora in Baden-Württemberg“ für das Jahr 2019 vom Calvendo Verlag ist in vier verschiedenen Formaten im Buchhandel erhältlich: DIN A 5 als Tischkalender sowie Wandkalender zum Aufhängen in DIN A 4, A 3 und A 2. Infos: www.calvendo.de/galerie/die-flora-in-baden-wuerttemberg.

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