Kirche Flötenmusik zum Umzug

Fühlen sich in Gailenkirchen schon richtig wohl: Sophie und Daniel Abendschein vor dem Turm der Marienkirche.
Fühlen sich in Gailenkirchen schon richtig wohl: Sophie und Daniel Abendschein vor dem Turm der Marienkirche. © Foto: Bettina Lober
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 15.09.2018

Hier und dort steht ein Umzugskarton, an den Wänden ist noch viel Platz, doch Stühle, Kommode und Schaukelpferdchen finden ihren Platz: Im Pfarrhaus in Gailenkirchen ist seit Mitte August mit Sophie und Daniel Abendschein und ihrer zehn Monate alten Tochter Ruth wieder Leben eingekehrt. Das Pfarrerehepaar ist seit 1. September für die evangelische Gesamtkirchengemeinde Gailenkirchen-
Gottwollshausen zuständig und arbeitet in Stellenteilung.

Die Abendscheins leben sich also gerade ein – und sie gewöhnen sich im Pfarrhaus an neue Maßstäbe: „Vorher hatten wir in Schrozberg eine kleine Vikarswohnung“, erzählt Daniel Abendschein lächelnd. Dort hat der 34-Jährige sein Vikariat absolviert. Seine Frau hat als Pfarrerin zur Dienstaushilfe bei Dekan Siegfried Jahn im Kirchenbezirk Blaufelden gearbeitet.

Nun beginnt für das Pfarrerehepaar in Gailenkirchen ein neuer Abschnitt, der schon beim Umzug sehr schön begonnen hat: „Nachbarn und Kirchengemeinderat haben uns mit Brot und Salz empfangen, und der Flötenkreis hat gespielt“, erzählt Sophie Abendschein. Man habe die Freude der Gemeinde richtig gespürt. Nun lernen die Abendscheins das Leben und die Aktivitäten in der Kirchengemeinde kennen: „Nach den Sommerferien beginnen wieder die Gruppen und Kreise“, sagt Daniel Abendschein. Das Dorfladenfest in Gottwollshausen hat jedenfalls bereits Eindruck hinterlassen – „toll, was aus bürgerschaftlichem Engagement entstehen kann“.

Viele Taufanfragen

Die Arbeit in der Kirchengemeinde wird sich das Paar aufteilen. Beispielsweise unterrichtet Sophie Abendschein in der Schule, ihr Mann übernimmt den Konfirmandenunterricht, „und bei den Gottesdiensten wechseln wir uns wohl ab“, sagt Daniel Abendschein. Die beiden sind froh und dankbar, dass sie als junge Familie so flexibel sein dürfen. Die Kirchengemeinde, zu der auch das Wohngebiet Breiteich gehört, sei spannend. Es gebe viele Taufanfragen. Vorerst geht es den beiden Theologen vor allem darum, alles kennenzulernen: „Wir kommen hier nicht mit einem fertigen Programm her“, betont Daniel Abendschein. Das müsse wachsen.

So ist wohl auch bei seiner Frau der Wunsch, Pfarrerin zu werden, erst gewachsen. Als Jugendliche habe sie nie daran gedacht, „obwohl einer meiner Großväter Pfarrer war“. Für Theologie habe sie sich eigentlich entschieden, weil sie dort viele ihrer Interessen in einem Fach unterbringen konnte: Sprachen, Geschichte, Arbeit mit Texten, die Beschäftigung mit existenziellen Fragen. Pfarrerin sein? „Konnte ich mir nicht vorstellen – vielleicht auch, weil mir die Vorbilder fehlten, also weibliche Pfarrer.“ Im Lauf des Studium sei sie dann doch neugierig geworden, und während ihres Vikariats in Schorndorf reifte die Erkenntnis: „Das ist es, das fühlt sich richtig an, ein wundervoller Beruf.“ An dem schätzt die 32-Jährige, dass sie Menschen in allen Phasen des Lebens begleiten darf – von der Taufe bis zur Beerdigung, „das ist auch etwas Berührendes“. Außerdem mag sie es, im Rhythmus des Kirchenjahrs zu leben. Und sie geht gerne theologischen Fragen auf den Grund.

Sprache für den Glauben finden

Daniel Abendschein, der aus dem Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen stammt, hat sich beizeiten in der Kirche engagiert. Naheliegend: Der Vater war Jugendreferent. „Pfarrer zu werden, war für mich schon früh eine Option“, sagt er. Ausschlaggebend sei aber wohl seine Zeit als Austauschschüler in den USA gewesen. Dort sei er bei einer „durchaus fundamentalistischen“ Familie zu Gast gewesen und bemerkte: „Um meinen eigenen Standpunkt zu formulieren, fehlte mir etwas.“ Das Bedürfnis, Argumente für Freiheit, Offenheit und Gerechtigkeit zu formulieren, „dafür sprachfähig zu werden“, das habe ihn in seiner Wahl endgültig bestärkt.

Daniel Abendschein war auch ein Jahr beim ökumenischen Jugendrat in Brüssel tätig und hat zuletzt eine Doktorarbeit vorgelegt. Nun freut er sich, nach dem Vikariat in Schrozberg, gemeinsam mit seiner Frau, die Arbeit mit einer Kirchengemeinde anzupacken.

Info Das Pfarrerehepaar Abendschein wird morgen, Sonntag, im Gottesdienst in Gailenkirchen offiziell begrüßt.
Beginn ist um 10.30 Uhr.

Aus Hohenlohe und dem Bergischen Land

Sophie Abendschein wird 1985 in Schwäbisch Hall geboren. Sie wächst in Oberhöfen im Steinbacher Tal und in Michelbach am Wald auf. Sie studiert Theologie in Tübingen, Straßburg und an der Universität in Heidelberg, wo sie in der evangelischen Studentengemeinde auch Daniel Abendschein kennenlernt. Ihr Examen legt sie in Tübingen ab. Ihr Vikariat absolviert sie in Schorndorf. Zuletzt ist die 32-Jährige Pfarrerin zur Dienstaushilfe bei Dekan Siegfried Jahn im evangelischen Kirchenbezirk Blaufelden. In ihrer Freizeit geht die Mutter einer zehnmonatigen Tochter gerne spazieren, liest Romane und Gedichte.

Daniel Abendschein wird 1983 geboren und wächst in Gummersbach im Bergischen Land auf. Früh engagiert er sich in der Kirchengemeinde. Er studiert Theologie in Wuppertal und Göttingen, arbeitet beim ökumenischen Jugendrat in Europa in Brüssel und schreibt an der Universität Heidelberg seine Doktorarbeit über den Basler Reformator Simon Sulzer (1508 – 1585). Sein Vikariat absolviert er in Schrozberg. In seiner Freizeit geht der 35-jährige Vater gerne schwimmen, liest und fotografiert. blo

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