Das Thema ist in aller Munde: „Gegenwärtig vergeht kein Tag, an dem nicht in irgendeiner Form auf Veränderungen durch Digitalisierung aufmerksam gemacht wird“, sagte Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF), beim Strategietreffen der Weltmarktführer in Mulfingen-Heimhausen. Für die 17. Auflage im Landgasthof Jagstmühle hatten Wirtschaftsregion und Mitveranstalter German Graduate School of Management & Law (GGS) das Thema „Geschäftsführung 4.0 als Erfolgsfaktor – neue Ansätze in einer digitalisierten Unternehmenswelt“ ausgewählt.

Dabei bleibe die Frage nach einer zukunftsträchtigen Führung aber oft außer Betracht, meinte Schumm. Daher fragte Moderator Gerd Hahn, Professor für Operations Management und Prozess­innovation an der GGS: „Brauchen wir eine Führung 4.0 und – wenn ja – wie soll sie aussehen?“

Kultur der Veränderung

Für Referent Oliver Riedel, Mitglied im Direktorium des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Leiter des Instituts für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) an der Uni Stuttgart, ist die Antwort klar: Durch die digitale Transformation und ihre Wechselwirkung mit demografischem Wandel und „Glokalisierung“  – dem Nebeneinander von Globalisierung und Lokalisierung – verändere sich die Arbeitswelt rasant. Um zu profitieren, müssten die Führungskräfte die richtigen Voraussetzungen schaffen: Wichtig seien zunächst eine digitale Strategie sowie eine Kultur der Veränderung und des Erfindens.

Dann müsse klar sein, dass es nicht mehr ausreiche, seine Produkte in kleinen Schritten zu erneuern: Viele Start-ups, aber auch immer mehr klassische Unternehmen, hätten Erfolg mit disruptiven Innovationen, bei denen eine bestehende Technologie oft völlig verdrängt werde. Dabei müssten die Unternehmen immer das große Ganze im Blick behalten und entscheiden, an welcher Stelle etwa der Einsatz neuer Technologien sinnvoll sei.

Scheitern erlaubt

Nicht zuletzt müssten die Führungskräfte eine „Start-up-Kultur“ schaffen, in der das Scheitern von Ideen ganz normal sei. Zentral sei es, disruptive Innovationsmöglichkeiten stärker zu fördern. Dazu müssten die Führungskräfte unkonventionelle Ideen zulassen und fördern, ihre Kunden einbeziehen und begeistern sowie sich Partner suchen, um ein Netzwerk aufzubauen.

Gleichzeitig müssten sie  auch neue Methoden finden, um die innerbetrieblichen Veränderungen handzuhaben: Junge Fachkräfte legten oft größeren Wert auf eine interessante Arbeit als auf Karriere – sie benötigten eine nicht-autoritäre, vertrauensvolle Führung. Und durch die zunehmende Flexibilisierung von Arbeit, was Arbeitszeiten und -ort angehe, sei ein neues Verhältnis von Distanz und Nähe nötig. „Arbeit 4.0 bedeutet technologische, vor allem aber prozessuale, organisatorische und kulturelle Innovationen“, fasste Riedel zusammen.

Doch wie gut sind die Unternehmer aus der Region auf den Wandel in der Führungskultur vorbereitet? „Wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns erfolgreich gemacht hat, ist es nur eine konsequente Weiterentwicklung unserer Kompetenzen und Werte und keine Revolution“, sagte Oliver Kössel, Leiter des Human Resource Managements bei Wittenstein, bei der anschließenden, von Gerd Hahn moderierten Podiumsdiskussion. „Es muss eine fundamentale Veränderung geben“, meinte dagegen der geschäftsführende Gesellschafter von Lauda Dr. R. Wobser, Gunther Wobser – weg von hierarchischen Entscheidungsstrukturen, hin zu mehr Teamarbeit.

Trotzdem müsse gelten: „Digitale Strategie ist Chefsache“, sagte Oliver Riedel. Bei der Umsetzung sollte sich die Unternehmensführung aber auf einen starken internen Teamleader verlassen, statt einen externen Chief Digital Officer einzustellen. Wobser stimmte zu: „Die Digitalisierung muss beim CEO sein. Es gibt nur einen König, aber mehrere Fürsten.“

Einen Vorschlag machte Riedel zum Thema Fachkräfte: Wenn sich jeweils drei Firmen zusammenfänden, die ihre Auszubildenden im Jahresrhythmus durchwechseln würden, stünden am Ende „top ausgebildete Leute“.

Großer Preis des Mittelstands


Diese Betriebe aus Heilbronn-Franken haben beim Wettbewerb um den „Großen Preis des Mittelstandes“ die Jurystufe erreicht und wurden am Rand der Veranstaltung geehrt: Sparkasse Tauberfranken, Volksbank Main-Tauber (beide Tauberbischofsheim), Fessler Mühle (Sersheim), Fertighaus Weiss (Oberrot), KW Automotive (Fichtenberg), Bera (Schwäbisch Hall), Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall (Schwäbisch Hall), Profipresent.com (Künzelsau), Börsig Electronic-Distributor (Neckarsulm), Franz Binder Elektrische Bauelemente (Neckarsulm), Volksbank Möckmühl-Neuenstadt (Möckmühl).

Die Preisverleihung für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen findet am Samstag, 30. September, in Würzburg statt.