Schon bei seiner Begrüßung nahm Alfred Fetzer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Schwäbisch Hall, kein Blatt vor den Mund. Seine Kritik an den Volksvertretern, die er bereits bei der vergangenen Verbandsversammlung 2015 in der Untermünkheimer Weinbrennerhalle angebracht hat, wiederholte er: Außer dem FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Bullinger und seinem AfD-Kollegen Udo Stein ließen sich auch am Sonntagmorgen in der Mainhardter Waldhalle wiederholt keine Politiker blicken. „Die neue Landtagsabgeordnete Jutta Niemann hat mitgeteilt, dass sie sonntags generell keine Termine wahrnehme. Schade“, so Fetzer. Sie hätte die Gelegenheit nutzen können, sich vorzustellen.

„Ich bin enttäuscht“, erklärte der Vorsitzende. Alle behaupteten, sie schätzten die Feuerwehr. „Das ist natürlich besser in Funk und Fernsehen“, meinte Fetzer. Sich wirklich dazu zu bekennen und zur Kreisverbandsversammlung zu kommen, das fehle ihm. Auch dass „manche Bürgermeister“ immer noch die Feuerwehr mit Vereinen in ihrer Kommune gleichsetzten, ärgere ihn. Gerade nach dem Unwetter sei deutlich zu sehen, dass Investitionen in die Feuerwehr wichtig seien.

Fetzer: Stau bei Investitionen der Wehren abbauen

Kein gutes Haar ließ er dabei auch an der Landesregierung. „Der Investitionsstau bei den Feuerwehren muss abgebaut werden“, forderte der Verbandsvorsitzende. Nur etwa die Hälfte der Zuschussanträge würde derzeit bewilligt. Er hoffe, dass dies dann eben nicht nur dort geschehe, wo es Unglücke gebe. „Von Verantwortung will dann nämlich niemand etwas wissen“, so Fetzer.

Dabei hätten die Mannschaften im Landkreis am 29. Mai erneut gezeigt, dass sie die ersten waren, die sich aufgemacht hätten, um den Menschen zu helfen. „Sie haben sich dabei teilweise selbst in Gefahr gebracht“, berichtete er. Es seien so Leben gerettet worden. Vorbildlich sei die kommunenübergreifende Hilfe gewesen. Es sei nicht nur geredet, sondern angepackt worden – genauso bei anderen Hilfsorganisationen wie Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz.

Auch die Bürgermeister hätten größtes Engagement gezeigt. Besonders erwähnte er das Angebot des befreundeten Kreisfeuerwehrverbands Delitzsch, Helfer zu schicken. „Das alles ist gelebte, nicht nur gepredigte Nächstenliebe“, so Fetzer. Bei der Spendenaktion des Haller Feuerwehrverbands für Unwetteropfer, die in Delitzsch auch von der Leipziger Volkszeitung unterstützt werde, seien bereits rund 7000 Euro zusammengekommen. Die Löschgruppe Bröckingen der Gaildorfer Feuerwehr übergab Fetzer weitere 500 Euro. Der Vorsitzende las einen Brief von Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch vor, in dem sich der Schultes für den Einsatz der Mannschaften bedankte.

In seinem Grußwort lobte Landrat Gerhard Bauer die Zusammenarbeit der Feuerwehren – nicht nur untereinander, sondern auch mit den anderen Hilfsorganisationen. „Sie waren großartig“, meinte er zu der Leistung nach der Umweltkatastrophe. Ottmar Kroll vom Polizeirevier Schwäbisch Hall meinte, er sei beruhigt zu wissen, dass es für Schadensabwehr, Rettung und Hilfe in Not solch fähige Partner gebe.

Ralf Osthoff vom Kreisfeuerwehrverband Delitzsch berichtete, wie es 2002 und 2013 Hilfe aus dem Haller Land bei dem dortigen Hochwasser gegeben habe. Da sei Hilfe aus dem Osten nun selbstverständlich. Landtagsabgeordneter Bullinger nahm seine Politikerkollegen in Schutz: „Sie haben viele Termine.“ Wenn Minister Versprechungen machten, müsse man dabei sein, um diese dann auch einzufordern. Die Feuerwehren im Ländle sollten nicht jammern, weil bereits viel beschafft worden sei. Wegen der demographischen Entwicklung könne auch „nicht mehr in jedem Dorf ein Löschfahrzeug für 300.000 Euro stehen“.
 

Viele helfende Hände im Landkreis Schwäbisch Hall

Statistik Im vergangenen Jahr zählten die Feuerwehren im Haller Land 3002 aktive Mitglieder. „Der Trend geht weiter leicht abwärts“, erklärte Kreisverbandsvorsitzender Alfred Fetzer. Es gibt 77 Einsatzabteilungen. Hinzu kommen 641 Mitglieder in den Altersabteilungen.

Nachwuchs Kreisjugendwart Thomas Haas berichtete von den Mitgliedszahlen in den Nachswuchsabteilungen. „Wir haben erstmals die 700-Mitglieder-Grenze überschritten“, sagte er. Die Zahlen würden konstant steigen. 716 Kinder und Jugendliche wurden gezählt, davon 143 Mädchen. Der weibliche Anteil liege konstant bei rund 20 Prozent. Die wachsende Mitgliederzahl führte Haas auch auf die neuen Kindergruppen zurück. In  sechs Gemeinden gibt es so bereits 113 Mitglieder. „Und erfreulich ist, dass ein Drittel davon Mädchen sind“, fügte er hinzu. Die Kindergruppen innerhalb der Jugendwehr seien wichtig. Drei weitere stünden im Landkreis vor der Gründung.

Musik Kreisstabsführer Friedrich App berichtete von den zwei Feuerwehr-Musikzügen im Landkreis. Insgesamt spielen 75 Aktive in Wallhausen und Ilshofen. „Die Masse ist nicht in den Einsatzabteilungen aktiv“, so App. Es gebe 40 Proben und 25 Auftritte im Jahr. fär