Bühne Fest macht Lust auf die Saison

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 14.06.2017
Das Ensemble der Freilichtspiele Hall stellte sich am Sonntag in und rund um das Theaterzelt auf dem Teurershof mit Musik, Songs, Szenen und Spielen dem Publikum vor.

„Große Gefühle“ steht auf dem Freilichtspiele-T-Shirts, das Ekki Busch trägt. Auf anderen Rücken von Ensemble-Mitgliedern ist „Große Leidenschaft“, „Großes Abenteuer“, „Große Überzeugung“ oder „Große Familie“ zu lesen – die Schlagworte der Saison. Die erste Spielzeit in der neuen Intendanz von Christian Doll wird also groß. Und nicht nur wegen der zuweilen schweißtreibenden Sommertemperaturen kommen die Mitglieder des Freilichtspiele-Teams am Sonntag beim großen Theaterfest zur Saison-Eröffnung ins Schwitzen.

Unmittelbar bevor die Saison mit drei Premieren innerhalb von fünf Tagen richtig loslegt, wird im Theaterzelt auf dem Teurershof am vergangenen Sonntag ein Theaterfest voll guter Laune gefeiert. Strahlend blauer Himmel spannt sich über die weiß-roten Planen des Circus-Compostelli-Zelts. Es dient den Freilichtspielen heuer als zweite Spielstätte und verwandelt sich in ein Theaterzelt.

Die Big Band Schwäbisch Hall unter der Leitung von Tobias Scheibeck besorgt gemeinsam mit Solisten aus dem Freilichtspiele-Ensemble den beschwingten Festauftakt. Junge Artisten des Circus Compostelli versetzen das Publikum unter anderem mit ihren Kunststücken auf Einrädern in Staunen.

Den ganzen Tag über gibt es Kostproben dessen, was in den nächsten Wochen auf der Großen Treppe und im Theaterzelt geboten sein wird. „Auf zum Strand“, singt das Ensemble des Musicals „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ aus voller Kehle. Unterstützt wird es vom 13-köpfigen Freilichtspiele-Orchester unter der Leitung von Heiko Lippmann. Die Musiker sind erst wenige Tage zuvor in Hall angekommen und stecken jetzt mitten in der Probenarbeit.

In roten Zirkus-Jacken und ausgestattet mit allerlei Instrumenten kommt das „Pinocchio“-Team auf die Bühne und zeigt, wie die Holzpuppe in der Geschichte „geboren“ wird. Daraufhin haben viele große wie kleine Besucher Lust, das ganze Stück zu sehen. „Das hat mir gefallen“, meint jedenfalls die siebenjährige Theresa aus Wolpertshausen. Und der Haller Psychologe Gunther König ist ganz sicher, dass er das komplette Stück im Theaterzelt anschauen wird.

Auch Silvia Mörsel und Ulli Eder aus Backnang haben sich fest vorgenommen, Aufführungen in Hall zu besuchen. Auf der Stück-Wunschliste von Silvia Mörsel landen „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“, „Pinocchio“, „Blue Moon“ und „Die Wahlverwandtschaften“. Beim Theaterfest stimmen sich die beiden ehemaligen Haller auf die Saison ein.

Ein Highlight des Festes: das Fußballmatch zwischen „Freilichtspielern“, die sich kurzerhand „Treppentreter“ nennen, und „Hallern“ – unter anderem mit Stadtrat Nikolaos Sakellariou im Team. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim tritt kurzerhand in beiden Mannschaften an. Und Schauspieler Carl-Ludwig kommentiert das Spiel gekonnt – sehr zum Vergnügen der Zuschauer und der Spieler: „Wir haben wohl mehr dem witzigen Kommentator zugehör, als richtig gekickt“, ist von einem „Treppentreter“ zu erfahren. Schließlich verlieren die „Freilichtspieler“ mit 0:3. Aber in Sachen Spaß sind alle auf der Gewinnerseite.

Am 14. Juni Premiere im Haller Theaterzelt: „Die Wahlverwandtschaften“

Der Premierenreigen der Freilichtspiele Hall beginnt an diesem Mittwoch, 14. Juni, im Theaterzelt auf dem Teurershof: Johann Wolfgang von Goe­thes „Die Wahlverwandtschaften“ kommt in einer Fassung von Gunter Heun auf die Bühne. Beginn ist um 20 Uhr. „Die Ausweglosigkeit der Liebe“ interessiert Regisseurin Caroline Stolz besonders an Goethes Spätwerk, in dem der Autor seine vier Protagonisten sich über Kreuz ineinander verlieben lässt und das menschliche Seelenleben und die explosive Kraft der Liebe seziert. In „Die Wahlverwandtschaften“ beschließt das Ehepaar Charlotte und Eduard, zwei Freunde auf ihr Landgut einzuladen: Doch nach einem harmonischen Beginn verwandelt sich das gemeinschaftliche Zusammenleben in einen ausweglosen Liebesthriller. ,„Am Ende des Stücks stehen vier zerstörte Leben und die Frage: Hätte man anders handeln können?“, erklärt Dramaturgin Eva Veiders. Das Bühnenbild von Ausstatter Martin Dolnik verwandelt das Theaterzelt in eine Arena der Leidenschaften. Gemeinsam mit Regisseurin Stolz hat er einen „Goethomaten“ entwickelt: eine überdimensionierte Spieluhr, auf der die Darsteller wie Puppen zum Leben erweckt werden.