Kann man bei Milch schmecken, wo sie herkommt? Diese Frage stellen sich die Organisationen Slow Food, der Bund der Milchviehhalter und der Verein Geschmackstage. Beim Genussgipfel kann Rohmilch verglichen und verkostet werden - auf dem Völkleswaldhof bei Oberrot.

45 Milchneugierige sind gekommen. Die Autokennzeichen gehen von Ludwigsburg, Stuttgart, München, bis Hamburg. Die Gäste setzen sich an die Tische, vor ihnen ein Stift und ein Blatt für Verkostungsnotizen, Kräcker und Wasser zum Neutralisieren und natürlich ein Glas Milch. Die erste Milch, die an den Mund geführt wird, hat ein Heimspiel. Es ist die Vorzugsmilch vom Oberroter Völkleswaldhof, den Anja und Pius Frey, die Gastgeber des Nachmittags, bewirtschaften.

Sahnig schmeckt die Milch, und aromatisch nach Vanille. Die Fettwerte der Rohmilch variieren je nach Jahreszeit, im Winter sind sie höher als im Sommer. Die Verkostete vom Völkleswaldhof liege bei zirka 3,8 Prozent Fett und sei damit eine recht schlanke Vorzugsmilch. Sie kann bis 4,2 Prozent Fett enthalten.

Vorzugsmilch wird sofort nach dem Melken gefiltert und auf 4 Grad Celsius gekühlt. Alle natürlichen Inhaltstoffe der Milch wie Vitamine, Spurenelemente und Mineralien, bleiben nahezu vorhanden.

Damit man Worte finden kann und eine Hilfestellung zum Hinschmecken, teilt die Moderatorin Kirsten Kohlhaw Aromaräder aus. Bei Eindrücken wie buttrig, nussig, karamellig, gekocht, säuerlich und würzig sollte doch was dabei sein.

Eigentlich reichen drei Vokabeln: cremig, vanillig und lecker. Denn so schmecken eigentlich alle der fünf verkosteten Rohmilch-Sorten. Aber ganz so einfach ist es nicht. Konzentration! Schließlich möchte man ja herausfinden, ob man die Region dahinter schmecken kann. Keine Chance. Wer weiß schon, wie Milch aus dem Schwarzwald, dem Bodensee oder dem Allgäu schmeckt. Selbst die Hohenloher würde man nicht rausschmecken. Wohl lassen sich kleine Unterschiede feststellen. Vor allem im Fettgehalt. Und ganz leicht auch im Aroma. Manche sind süßlicher als andere.

Tapfer trinken die Verkoster fünf Gläser leer und schaffen hinterher noch eine Zugabe, bestehend aus pasteurisierter Demeter-Heumilch, die zwar ein bisschen derber schmeckt, aber auch schön sahnig ist. Letzte Zugabe ist eine H-Milch. "Schmeckt ganz unmöglich", findet eine. "Ja, das ist schon ein gewaltiger Unterschied", meint ihr Begleiter.

Obendrauf erfährt man von Kirsten Kohlhaw Erfreuliches zur Rohmilch. Sie mache nicht dick, da die Fettteilchen, die bei diesem unbehandelten Lebensmittel eben nicht "durch Platten geschossen wird", sondern ganz bleiben, und einige einfach so durchrutschten, ohne sich auf die Hüften zu setzen.