Ausstellung Berliner Künstlerinnen stellen in Hall aus

Schwäbisch Hall / Ursula Richter 20.06.2018
Die Haller Galerie am Markt gibt mit Werken von Angelika Frommherz und Juliane Laitzsch seit Samstag Einblick in das „Goldrausch-Künstlerinnenprojekt Berlin“.

Die Ausstellung des Haller Kunstvereins hat erkennbar eine doppelte Zielrichtung: Sie präsentiert Objekte und Bilder der beiden Berliner Künstlerinnen Angelika Frommherz und Juliane Laitzsch einerseits und das Projekt Goldrausch andererseits. Juliane Laitzsch und Angelika Frommherz waren 1995 Stipendiatinnen von Goldrausch.

Kein Zufall ist es, dass Felicitas Franck ebenfalls zu diesem Kreis gehört. „Ich war darüber sehr glücklich“, erzählt die Haller Künstlerin. Sie hatte sich 1989 für den Pionierkurs beworben und war zusammen mit 14 anderen angenommen worden. „Man lernt, sich als Künstlerin ernst zu nehmen und zu kommunizieren.“ Seither hat sie mehrere Projekte mit Goldrauschkolleginnen durchgeführt. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die Ausstellung zustande kam.

Projektleiterin Hannah Kruse würdigt in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung von Goldrausch. Das Künstlerinnennetzwerk sei 1989 in einer Situation gegründet worden, in der es kaum Galerien gab, die Kunst von Frauen ausstellten. „Das Ziel ist die solidarische, selbstbestimmte, wirtschaftliche Unabhängigkeit von Künstlerinnen.“ Es geht um „das Wissen und die Fähigkeiten, die eigene Arbeit an die Öffentlichkeit zu bringen.“ Es werden Zugänge ermöglicht, eine Erfahrungsgemeinschaft bildet sich.

Inzwischen gibt es 417 Absolventinnen. Berlin hat heute die meisten Künstler pro Einwohner nach New York, aber die Stadt „wirkt nach außen und nur im Austausch mit Orten wie Schwäbisch Hall“. Auch der Haller Kunstvereinsvorsitzende Wolfgang Schwarzkopf weist in seiner Begrüßung auf diese Verbindung hin und betont, wie viele von Goldrausch geförderte Künstlerinnen schon in Hall ausgestellt haben.

Die Arbeiten von Juliane Laitzsch stammen aus dem Werkkomplex „Unendlichkeit in kleinen Fetzen“ von 2013/14. Sie bevorzugt das Arbeiten mit Stiften. Die Möglichkeit, sehr feine Linien zu erzeugen, beeindruckt vor allem bei den Bleistiftzeichnungen. Graue Muster sind aus filigranen Linienkomplexen gebildet, die sich immer neu formieren. Die textile, aber auch organische und florale Anmutung lässt eine Form der Aneignung zu, die auch bei der Produktion eine Rolle spielt. „Die Zeichnung dient mir als ein Medium der Annäherung und der Verlangsamung“, erläutert Laitzsch. „Meine künstlerische Arbeit ist motiviert von der Neugierde, Dinge in ihrem Werden und Vergehen zu verstehen.“

Angelika Frommherz präsentiert im Erdgeschoss ihren „Jardin 1“. In den insgesamt 111 auf Nadeln vor der Wand schwebend befestigten, im Jahr 2010 entstandenen Blättern (42 mal 40 Zentimeter) geht sie vom Kreis aus. Schwarzes, festes Garn durchwirkt stabiles weißes Papier. „Wie bei einer Tätowierung“, sagt sie. „Die Linie muss körperlich werden.“ Gezeigt werden die Rückseiten der aufgestickten Zeichnungen, die mit ihren Lücken und Verknüpfungen Lebendigkeit erzeugen. Ausgangspunkt ist die Botanik, der Garten, „le jardin“. Eine gemeinsame Schau beider Künstlerinnen in Berlin 2017 trug den Titel „Lustwandeln“. Das ist nun auch in der Galerie am Markt möglich.

Info Künstlerinnengespräch zur Finissage am Sonntag, 2.September, um 15 Uhr.

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