Schwäbisch Hall Fein gestaltetes Crossover von Klassik und Folklore

Schwäbisch Hall / Monika Everling 05.12.2018
Das Ensemble Exprompt erhält beim Comburger Hauskonzert und im Haller Diak stehende Ovationen.

Das Ensemble Exprompt hat in Hall ein treues Publikum. Das zeigt sich, als kürzlich der Kaisersaal der Akademie Comburg mit etwa 125 Zuhörern übervoll ist. Tags darauf ist der Kapellensaal im Diakonie-Krankenhaus mit etwa 40 Besuchern ebenfalls gut gefüllt. Die Musiker aus dem russischen Teil Kareliens kommen seit 1995 regelmäßig nach Hall.

Zuerst haben die damaligen Studenten Straßenmusik gemacht, und dabei fiel Konzertveranstaltern ihre Virtuosität und Musikalität auf. So holte der damalige Diak-Kantor Ernst-Günter Hillnhütter sie ins Diak und Hans-Reiner Soppa, Leiter der Akademie Comburg, lud sie in den Kaisersaal ein.

Inzwischen haben die vier in ihrer Heimat und international ihren Weg gemacht: Sie haben als Quartett eine Anstellung in der staatlichen Philharmonie von Karelien und geben etwa 120 Konzerte im Jahr, davon etwa 80 im deutschsprachigen Raum. Und sie waren bei Wettbewerben erfolgreich, zuletzt gewannen sie kürzlich einen mehrstufigen Kammermusikwettbewerb des russischen Fernsehsenders für Kultur.

Wichtiger Preis in Russland

Aufgabe dort war unter anderem, nach nur 20 Minuten Probe gemeinsam mit einem ihnen nicht bekannten Instrumentalisten aufzutreten. Exprompt entschied sich für einen Cellisten, weil das Ensemble da mit dem Crailsheimer Jörg Baier schon gute Erfahrungen gemacht und die entsprechenden Arrangements zur Verfügung hatte. Durch den Gewinn dieses Preises ist Exprompt jetzt in ganz Russland bekannt. Auch in der Haller Comburg können sich die Zuhörer schnell vom hohen Können des Quartetts überzeugen. Vom ersten Titel an ist die Souveränität zu spüren, mit der Olga Kleshchenko (Domra), Aleksei Kleshchenko (Balalaika), Nikolai Istomin (Bajan) und Evgenii Tarasenko (Kontrabass-Balalaika) ihre Instrumente beherrschen. Domra und Balalaika sind Instrumente, deren drei Saiten mit schnellen Flatterbewegungen gezupft werden. Bajan ist ein Knopfakkordeon. Nikolai Istomin beeindruckt darauf mit Geläufigkeit, Klangfarbenvielfalt und wunderbar leisem Spiel. Die Zupfinstrumente sind in den Klangfarben zwar eingeschränkter, aber sie werden so virtuos und in Tempo und Lautstärke variantenreich gespielt, dass es den Zuhörern manchen Laut des Erstaunens entlockt.

Die vier spielen alles auswendig, damit sie besser miteinander kommunizieren können. So ist das Zusammenspiel, die gemeinsame Gestaltung von Verzögerungen und Beschleunigungen (Agogik) nahezu perfekt. So sind die Ausschnitte aus „Pulcinella“ von Strawinsky ebenso ein Genuss wie die russischen Volksmelodien, der „Dezember“ aus den „Jahreszeiten“ von Tschaikowsky, ein Domra-Konzert und Ausschnitte aus der Oper „Nicht nur Liebe“ von Rodion Schtschedrin. Das Publikum spendet stehend Ovationen und erhält zwei Zugaben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel