Street Art Fassaden-Kunst: Das Gesicht im Tiermaul

Der Künstler steht im Kapuzenpulli auf der Hebebühne. Mit der linken Hand hält er den langen Stab, an dem der Pinsel fixiert ist. Es sind bereits Umrisse des Werks zu erkennen.
Der Künstler steht im Kapuzenpulli auf der Hebebühne. Mit der linken Hand hält er den langen Stab, an dem der Pinsel fixiert ist. Es sind bereits Umrisse des Werks zu erkennen. © Foto: Thumilan Selvakumaran
Schwäbisch Hall / Thumilan Selvakumaran 06.07.2018
Koz Doz gestaltet bei der zweiten Auflage des Metropolink-Festivals eine Fassade im Karl-Kurz-Areal. 50 Gäste kommen am Donnerstagabend zur Eröffnung nach Hessental.

Die Schuhe hat er sich mit durchsichtiger Folie und Kreppband abgeklebt. Graue Farbspritzer sind darauf verschmiert, genauso wie auf der schwarzen kurzen Hose und dem schwarzen Kapuzenpulli. Koz Dos, so nennt sich der 1986 im venezolanischen Caracas geborene Street-Art-Künstler, ist zur Zeit in Hessental aktiv.

Bei öffentlichen Auftritten verdeckt er eigentlich gerne sein Gesicht. Er will nicht fotografiert werden. An diesem Donnerstagabend allerdings zeigt sich Koz Dos in der alten Industriehalle offen den rund 50 Gästen bei der Eröffnung der zweiten Auflage des Metropolink-Festivals in Hessental. Dazu lässt der Haller Radiomacher Miro Ruff die Plattenteller kreisen.

Kurz zuvor hat Koz Dos noch draußen von der Hebebühne aus Konturen an der hohen Fassade vorgezeichnet. Ein Kopf ist zu erkennen, der in einem Tiermaul steckt. Darüber ein Vogel, der den Nachwuchs über Kopf zu füttern scheint.Wie das Motiv, das derzeit auf dem Karl-Kurz-Areal entsteht, letztlich aussehen wird, dass wissen weder die städtische Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft als Eigentümerin noch Ute Christine Berger vom Haller Kulturbüro und Pascal Baumgärtner, Kurator und Leiter des Heidelberger Festivals, an dem sich die Stadt Hall beteiligt.

Entwurf verloren

Das ist das Geheimnis von Koz Dos. Aber auch er muss improvisieren. Hintergrund: Seinen Entwurf für die Hessentaler Fassade hatte er zwar längst auf Papier gebracht. Dieses ist aber samt Koffer auf der Reise von Los Angeles nach Hall verloren gegangen. Die Idee stecke aber noch in seinem Kopf, sagt Koz Dos, der nun im Zeitplan etwas hinterherhinkt.

Noch ein paar Tage müssen sich die Haller also gedulden. Erwartet wird ein fotorealistisches Motiv, das Menschen mit Tieren kombiniert, das vielleicht auch die Konfrontation und den Überlebenskampf beziehungsweise die friedliche Koexistenz darstellt, heißt es in der Festival-Zeitung.

„Alle fragen nach dem Entwurf“, sagt Baumgärtner. „Wir wollen aber eine möglichst große künstlerische Freiheit ermöglichen.“ Vorgaben gibt es nicht. Das Werk werde aber sicher einen Kontrast zum eher schwarz-weiß gehaltenen Motiv des Künstlers Sam3 vom letztjährigen Metropolink-Festival in Sichtweite bieten, so der Heidelberger.

„Das hier wird ganz anders, mit viel Farbe. Ich bin beeindruckt von der Dimension“, schwärmt Ute Christine Berger. Schade sei, dass durch den Kofferverlust zur Eröffnung am Donnerstag noch nicht viel zu erkennen ist. „Aber wir haben zehn Tage eingeplant. Da ist genug Puffer. Nun können die Besucher den Entstehungsprozess besser verfolgen.“

Weitere Projekte geplant

Oberbürgermeister Herrmann-Josef Pelgrim freut sich, dass die Kooperation, für die 10 000 Euro investiert werden, auch im zweiten Jahr geklappt hat. Die Stadt verändere sich zu einem Ort, wo auch die urbane Kunst eine bedeutendere Rolle spielt. So seien beispielsweise die Unterführungen am Friedhofsdreieck und an der Gottwollshäuser Steige – neben weiteren – für Graffiti freigegeben worden. Bei zwei Diversity-Jams, organisiert durch den Haller Frieder Simpfendörfer, wurden diese Flächen bereits kreativ gestaltet.

Auch das Karl-Kurz-Areal, so Pelgrim weiter, wo mehr als 30 Millionen Euro in die Entwicklung gesteckt werden, gewinne durch die Kunst enorm an Qualität. Pascal Baumgärtner denkt bereits weiter. „In fünf Jahren haben wir bereits sieben Kunstwerke in Hall.“ Wo genau, dafür hat Pelgrim erste Ideen. Etwa an der Rückseite der Hagenbachhalle Richtung Stadion. „Dort haben wir eine Riesenfläche. Die schreit gerade danach, künstlerisch aufgewertet zu werden.“ Auch Stadtrat und Landwirt Michael Reber (CDU) hat sich Gedanken gemacht. Er würde gerne die Fassade seiner Biogas-Anlage in Gailenkirchen gestalten lassen. „Jetzt sind es nur triste Betonwände.“

Mit illegalen Graffiti angefangen

Koz Dos wurde 1986 in Caracas in Venezuela geboren, lebt heute aber in Italien. Bekannt ist er für seine fotorealistischen Werke, die in Städten wie Berlin, Paris, Madrid, Barcelona und Tel Aviv zu finden sind. In diesem Jahr sind bereits sechs seiner großformatigen Bilder in fünf Ländern entstanden. Angefangen hat er mit kleinen Graffiti – zunächst illegal. Später studierte er Malerei und plastische Kunst an der Kunsthochschule in Caracs. Koz Dos entwickelte seinen eigenen Street-Art-Stil, in dem er realistische menschliche Porträts mit Tieren kombiniert. Mehr im Internet: www.instagram.com/kozdos.

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