Fasching Fasching in Bühlerzell mit Wikinger und einem Elf-Meter-Elvis

Die Wagenbauer "Stammtisch Rudel" bauen für den Bühlerzeller Umzug einen Wagen: (von links) Michi Stegmaier (21) und Benjamin Berrot (34), auf der Leiter Bernd Stegmaier (19), am Boden Steffen Wiegandt (42).
Die Wagenbauer "Stammtisch Rudel" bauen für den Bühlerzeller Umzug einen Wagen: (von links) Michi Stegmaier (21) und Benjamin Berrot (34), auf der Leiter Bernd Stegmaier (19), am Boden Steffen Wiegandt (42). © Foto: Michaela Christ
MICHAELA CHRIST 11.02.2015
"Stammtisch Rudel" steht für eine Jugendclique, die sich elf Monate im Jahr fast nicht mehr sieht. Im zwölften Monat - dank Fasching - aber fast täglich. Dann scheint es so, als sei sie nie auseinandergegangen.

Der fahrende Boxring 1996 war der erste Faschingswagen der Männer, die heute als "Stammtisch Rudel" beim großen Faschingsumzug in Bühlerzell mitmachen. Damals waren die Männer Jugendfußballer in Bühlerzell. Da nicht alle im Folgejahr als Erwachsene bei den Sportfreunden weiterkickten, sich aber trotzdem einmal die Woche treffen wollten, wurde am Montagabend ein Stammtisch bei Rudolf Engel, kurz Rudel genannt, im Grünen Baum in Schönbronn einberufen. Nach Engels Tod löste sich der Stammtisch auf, nicht aber der Faschingswagen.

"Obwohl wir unterm Jahr nichts mehr gemeinsam machen, fühlt es sich auf Anhieb wieder richtig gut an", freut sich Uwe Wallisch (36) aus Senzenberg jedes Jahr auf seine alte Clique. Er hat den Stammtisch quasi nach Hause bekommen, seit die Wagenbauer 2009 wegen den Umbauarbeiten in Gebhard Lechners Küferei das Wagenbauen von dort nach Senzenberg verlegt haben. Die Location ist perfekt: Im Schuppen bauen die Männer am Wagen, in der Werkstatt malen die Frauen um ihren jungen Malerstar Lena Stöcker (18) aus Rosenberg an den Accessoires, im Hof zwischen Schuppen und Werkstatt spielen die mittlerweile 16 Kinder der Clique im Schnee, und in der ehemaligen Schnapse wird gefeiert. An einem rechteckigen Holztisch wie einst im Grünen Baum.

Mitglieder der alten Clique haben bereits 16 Kinder

Da der Wirt fehlt, bringen die Gäste mit, was Leib und Seele gelüstet: Kuchen, Pizza, hart gekochte Faschingseier, Kaffee, Tee, Bier und Likör. "Vor allem aber gute Laune, Geschichten aus dem vergangenen Jahr und Erinnerungen aus den letzten zwanzig", zählt Bernd Schneider (35) aus Bühlerzell auf, was wirklich zählt - vorneweg der Zusammenhalt der Gruppe und die Freude am gemeinsamen Schaffen. "Wir sind ein richtig genialer Haufen. Bei uns gibt's keinen Kopf und keinen Arsch, alle sind gleichberechtigt", rückt er das Miteinander der Clique in den Vordergrund und erntet für sein Statement ein kräftiges "Bühlerzell awa". Der Stolz auf ihre Faschingswagen gehöre auch dazu, meint Dirk Vetter (35) aus Adelmannsfelden. Und wieder ertönt ein "Bühlerzell awa" aus der Runde in der Schnapse, die mittlerweile auf rund 40 Männer und Frauen angewachsen ist.

Unvergessen bleibt zum Beispiel ihr Auftritt als Wikinger 1998 mit zwei Traktoren. Der erste Wagen war ein Dorf, auf dessen Dorfplatz die Einheimischen ein echtes Spanferkel grillten. Um den zweiten Wagen herum bauten sie ein Wikingerschiff mit einem Körnergebläse im Inneren, das die Segel flattern ließ.

Mit Gebrüll legte das Schiff während des Umzugs immer wieder am Dorf an, und die Wikinger zogen aus zum Kampf um das Spanferkel. "Action auf dem Wagen war uns schon immer wichtig", verrät Joachim Bareiß (35) aus Geifertshofen und lässt die Bilder vom Rodeo-Ritt auf dem Stier im Jahr darauf in Erinnerung noch einmal aufleben.

"Laute Musik ist auch typisch für uns", ergänzt sein Bruder Armin Bareiß (37) und singt "Highway to Zell" an. Das war drei Jahre später, als die Clique zum ersten Mal in der Bühlerzeller Umzugsgeschichte auf AC/DC-Musik mit einem Sattelschlepper durchfuhr. "Unsere Wagen sind entweder richtig hoch oder verdammt lang", so Benjamin Berrot (34) aus Geifertshofen. Stimmt! Der Elvis Presley aus Pappmaché 2006 war exakt 11,20 Meter hoch. Der Schwabenexpress im Jahr darauf 48 Meter lang.

"Man sieht unseren Wagen eben die Handwerker an", bringt es Steffen Wiegandt (42) auf einen gemeinsamen Nenner. Wiegandt überlegt und fängt an aufzuzählen: "B wie Berroth Daniel, Kaminfeger aus Bühlertann, D wie Daniel Stöcker, Bäcker in Rosenberg, Z wie Zeller Markus, Ingenieur aus Bühlerzell." Der Stammtisch prustet und prostet und nimmt das Versprechen ab, nicht zu verraten, wie gut ihr Jubiläumswagen dieses Jahr aussehen werde. Davon sollen sich die Narren am Samstag selber ein Bild machen.

Der große Umzug

Zeiten Großer Faschingsumzug in Bühlerzell am Samstag, 14. Februar, Beginn 13.30 Uhr, nach dem Umzug Riesen-Partymeile auf Bühlerzells Straßen mit Gugga-Monsterkonzert. In der Rudolf-Mühleck-Halle legt DJ Fun X-Press auf bis spät in die Nacht.

MIA