Kammermusik Farbenreiche Streichquartette für Bläser

Schwäbisch Hall / Monika Everling 13.06.2018
Das Ebonit-Saxophone-Ensemble überzeugt im Haller Sonnenhof mit Klassik-Adaptionen.

Es schüttet und gießt, Hagel prasselt auf die Straßen und Dächer: Knapp eine halbe Stunde vor Beginn des Sonnenhof-Konzerts entlädt sich ein gewaltiges Unwetter über Hall. Der Saal bleibt bis 18 Uhr fast menschenleer. Aber die Veranstalter warten einfach ein bisschen ab, und eine Viertelstunde später sind dann doch fast 200 Zuhörer da.

Die sind am Schluss sehr froh, dass sie allen Widrigkeiten zum Trotz ins Konzert gekommen sind: Das Ebonit-Saxo­phone-Quartett ruft Begeisterung hervor. Wie fast alle Ensembles, die im Sonnenhof auftreten, sind die Musiker Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs und damit in der „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ (BAKJK). Das ist ein Garant für hohe Qualität, da lohnt es sich auch, ein Konzert in einer Besetzung zu hören, mit der man sonst vielleicht nicht so viel Berührung hat – in diesem Fall vier Saxofone, die man eher mit Jazz in Verbindung bringt als mit Klassik.

Doch tatsächlich hat Adolphe Sax das Instrument für den Gebrauch im Sinfonieorchester konzipiert. Und das Ebonit-Saxo­phone-Quartett hat es zum klassischen Kammermusik-Instrument umfunktioniert. Die Musiker haben eigene Bearbeitungen von Streichquartetten geschaffen. So beginnen sie mit dem „Mailänder Quartett“, das Mozart im Alter von 16 Jahren angeblich aus Langeweile geschrieben hat. Um es deutlich zu sagen: Dieses Jugendwerk ist nicht besonders geeignet dafür, Langeweile zu vertreiben. Aber das Ebonit-Saxo­phone-Quartett spielt es gut.

Heitere Gedenkmusik

Maurice Ravels „Tombeau de Couperin“ in sechs Sätzen ist dagegen harmonisch interessant und gestalterisch vielseitig. In der bewegten Prélude geht die Melodie durch die Stimmen. Die Fugue hat Reibungen, die schon die Neue Musik vorwegnehmen. Die Forlane wirkt verspielt, man könnte Fische im Aquarium assoziieren. Der Rigaudon-Satz ist sehr flott, er lässt an Zirkusmusik denken. Das ist recht erstaunlich, heißt das Stück doch „Tombeau“, also Trauer- oder Gedenkmusik. Aber vielleicht hatte Ravel ja sehr heitere Erinnerungen an Couperin und wollte diese in fröhlicher Musik ausdrücken. Erst das Menuett ist lyrisch, auch ein bisschen dramatisch. Es folgt ein virtuoser Schlusssatz, der allen Quartett-Mitgliedern, besonders aber der Spielerin des tiefsten Instruments (Paulina Marta Kulesza, Baritonsaxofon) erhebliche Geläufigkeit abfordert.

Das „Sonnenquartett“ von Joseph Haydn heiße nur deshalb so, weil der Verleger auf das Deckblatt eine Sonne drucken ließ, berichtet Tenorsaxofonist Johannes Pfeuffer, der durchs Programm führt. Das Ebonit-Saxophone-­Quartett zeigt schöne Klangfarben, gestaltet die Tongebung von weich über melodiös und markant bis hart. Die Fuge am Schluss verweist auf Bach.

Schließlich noch zwei Sätze von Mieczyslaw Weinberg. Das Scherzo aus seinem Streichquartett Nr. 5 hat jazzige Anklänge, zumal die Musiker in Soli hervortreten. Das Haller Publikum ist hingerissen, und es erklatscht sich zwei Zugaben, die beide das enorme Können der Musiker (außer den beiden genannten sind dies Vitaly Vatulya, Sopransaxofon, und Dineke Nauta, Altsaxofon) und ihr ungeheuer präzises Zusammenspiel zeigen.

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