Ausstellung Farbe auf Farbe prangen die Lettern

Schwäbisch Hall / Maya Peters 10.05.2017

Die einfarbigen Buchstaben auf andersfarbiger monochromer Fläche gehören zur Marcus-Neufanger-Ausstellung im Dieter-Franck-Haus. Der Titel der Ausstellung: „These books are made for you and me, portraits and vanity paintings“. Zu deutsch: „Diese Bücher sind für dich und mich gemacht, Portraits und Vanitas-Malerei.“

Die Buchstaben auf den Leinwänden bilden Künstlernamen wie Sol LeWitt, Ben oder Prince. Die sogenannten Vanity Paintings sind in Acryl gemalt, Silber auf Schwarz, Blau auf Blau oder Gelb auf Grün. Wer die Persönlichkeiten kennt, nickt wissend.

„Wer war denn Buthe?“, rätselt eine Besucherin. „Man kann die alle googeln“, antwortet Marcus Neufanger lächelnd und erzählt vom Maler, Bildhauer und Schriftsteller Michael Buthe (1944 bis 1994). Man spürt: Er kennt und schätzt die einzelnen Künstler und ihre Arbeiten, die wiederum im Mittelpunkt seiner Kunst stehen.

Hinter den Menschen

Der gebürtige Nürnberger und Wahl-Haller Marcus Neufanger hat ein großes Publikum angezogen, das buchstäblich den Kopf einziehen muss bei den niedrigen Türrahmen im historischen Gebäude. Dr. Peter Franck, Vorsitzender des Vereins Dieter- Franck-Haus, und der Kulturbeauftragte Santiago Gomez begrüßen zur Ausstellungseröffnung am Sonntag. Es ist so voll, dass die Werke hinter den Menschen verschwinden. „Wenn es um die Kunst geht, gibt es zwei Figuren in der Stadt, an denen man nicht vorbeikommt“, so Gomez. Gemeint sind die Kuratorin Felicitas Franck und Marcus Neufanger. Christian Gögger vom Esslinger Kunstverein, bis 2015 in Schloss Untergröningen als Kurator tätig, führt kunsthistorisch in dessen Werk ein.

So zieht Gögger Verbindungen vom Ready-Made-Künstler Marcel Duchamp zu Neufanger. Dieser nehme Künstler und deren Bücher als Ausgangpunkt seiner Arbeiten. Auch der Freiburger Peter Zimmermann, der in den 1980er-Jahren „book cover paintings“ machte, also gemalte Buchtitel, sei ein Vorbild.

„Sein Werdegang ist einzigartig“, urteilt Gögger über den 1964 geborenen Neufanger. Dieser habe in Köln einst im Antiquariat der Buchhandlung Walther König gearbeitet. Dort werden viele Künstlerbücher gehandelt, und in der Region sind viele zeitgenössische Künstler verwurzelt. Es sei vermutlich schmerzhaft für Neufanger gewesen, zu erkennen, dass quasi alles bereits gemacht und erfunden sei, so Gögger.

Durch persönliche Texte ergänzt

Seit den 1990er-Jahren arbeitet Neufanger als Künstler. Die Künstlerbücher selbst wurden zum Sujet seiner Kunst, erläutert Gögger zwei Werke. Ausgestellt sind „Why I want to fuck Ronald Reagan“ des Schriftstellers J.G. Ballard, gemalt 2015 auf einer 200 mal 160 Zentimeter großen Leinwand, und „Works“ nach dem Konzeptkünstler Lawrence Weiner (2013). „Seine Vorbilder kommen als Haltung, Buch, Farbe oder Typographie auf seine Leinwand“, so Gögger.

Insgesamt drei Räume füllen Neufangers Werke im Dieter-Franck-Haus. Durchkomponiert in Hängung und Stellung, sind im Erdgeschoss gemalte Großformate sowie die deutlich kleineren Vanity Paintings zu sehen. Oben gibt es mehrere Portraits zeitgenössischer Künstler. Die Kunstwerke basieren auf bereits vorhandenen Portraits der Maler, Konzept-, Installations- oder Happening-Künstler. In Großbuchstaben hat Neufanger sie mit persönlichen Texten ergänzt.

Info Die Ausstellung im Dieter-Franck-Haus, Oberlimpurg 1, ist bis 23. Juli sonntags von 13 bis 18 Uhr sowie nach Absprache unter Telefon 0791/ 3190 geöffnet. Es gibt einen Katalog.