Das hat einen großen Wow-Effekt. In sieben Gewächshäusern der Schlossers in Jagstzell-Riegelhof stehen biologisch angebaute Gemüsepflanzen - und im achten wohnt die Familie. "Wir verwirklichen hier einen Traum", sagen Silvana und Johannes Schlosser, Tochter Josefin (1) lächelt überzeugend mit. "Das Klima ist ideal, und wir haben draußen jede Menge zusätzliche Wohnfläche."

700.000 Euro für das Traumhaus

Bis es soweit kam, war allerdings einiges an Ideen, Überzeugungsarbeit und Nerven notwendig. Ursprünglich wollten die Schlossers ihr neues Domizil auf der anderen Straßenseite erstellen. Doch eine Kostenschätzung des Architekten ergab 700.000 Euro - obwohl das Grundstück bereits im Familienbesitz ist. Grund sind vor allem die aufwendigen Hangsicherungsarbeiten. Gleichzeitig hatte Johannes Schlosser die Idee, in einem Gewächshaus ein Wohnhaus zu integrieren. Relativ bald wurde klar, dass eines der Glashäuser in der vorderen Reihe am besten geeignet ist. Dieses hat eine Firsthöhe von 4,50 Metern, die Seitenwände sowie die Dachflächen lassen sich zur Lüftung komplett hochklappen. Das Haus ist 12,50 Meter breit, 40 Meter lang und wurde 1982 gebaut. Den Tomatenpflanzen jeden falls gefiel das Klima in diesem Glashaus gut. Sie brachten im Vorjahr noch reiche Ernte.

Aufgrund der Firsthöhe konnte nur eingeschossig gebaut werden, dafür ist der Baukörper 22 Meter lang und 8,50 Meter breit (ergibt eine reine Wohnfläche von rund 160 Quadratmetern). Vorteil: Alles spielt sich auf einer Ebene ab, inklusive Terrasse und rund 300 Quadratmeter großem subtropischen Garten. Um sich vor Unwettern und dem damit eventuell verbundenen Hagelschlag zu schützen, ist das Dach aus einer Sandwich-Bauweise inklusive Metalldeckung gebaut. Die Wände bestehen aus einer Massivholzmauer: sieben Lagen Holz, die miteinander vernagelt sind, ergeben 24 Zentimeter plus einer acht Zentimeter starken Holzwoll-Dämmung an der Außenseite.

Wer auf der großen Terrasse steht und Richtung Himmel blickt, erlebt besondere Momente. Wenn Regen auf das Dach prasselt, sieht man die Tropfen von unten - ohne nass zu werden. Eine dünne Schneedecke bringt ein faszinierendes Licht ins Gewächshaus. Und die Kraft der Märzsonne reicht aus, dass Schlossers im T-Shirt vor dem Haus zu Mittag essen können.

Hitzeprobleme hatte die Kleinfamilie bisher keine. Der Hausherr erwartet sie auch nicht: "Dann klappen wir die Gewächshausscheiben hoch und lassen die Rollläden runter." Feuchtigkeitsprobleme gibt es konstruktionsbedingt in Gewächshäusern eh nicht, da das Schwitzwasser mittels kleiner Leitungen automatisch nach draußen geleitet wird.

Neues Lebensgefühl

Derzeit plant der Gärtnermeister gemeinsam mit seiner Frau die Bepflanzung. Zitronen, Orangen, Kräuter, Maracuja, Oliven und Kiwis sollen es sein - eben all die Pflanzen, die sich in einem subtropischen Mittelmeer-Klima wohlfühlen. Die Außenhülle wird nur dann geheizt, sobald die Gewächshaustemperatur unter null Grad zu fallen droht. Die Wärme dazu liefert das betriebseigene Heizkraftwerk. Die Schlossers sind nach wenigen Wochen in ihrem Traumhaus sicher: "Wir haben ein ganz neues Lebensgefühl bekommen."