Landwirtschaft Facebook gegen Tierschützer im Stall

Von links: Carolin Schieber, Vorsitzende des Verbands Landwirtschaftlicher Fachbildung Schwäbisch Hall, Referentin Kathrin Seeger, Moderatorin Birgit Förster vom Landwirtschaftsamt Schwäbisch Hall und Referentin Beate Leidig.
Von links: Carolin Schieber, Vorsitzende des Verbands Landwirtschaftlicher Fachbildung Schwäbisch Hall, Referentin Kathrin Seeger, Moderatorin Birgit Förster vom Landwirtschaftsamt Schwäbisch Hall und Referentin Beate Leidig. © Foto: Margitta Schmidt
Wolpertshausen / Margitta Schmidt 13.02.2018

Ich habe weder Facebook noch Whatsapp. Ich habe nicht einmal ein Smart­phone“, berichtet Gyöngyvér Beck aus Satteldorf fast verlegen. Dabei verzichtet die Bäuerin ganz bewusst darauf, vor allem der drei Kinder wegen. Fest steht: Unter den 80 Besucherinnen der 22. Fachtagung „Frau – Familie – Haushalt – Betrieb“ in Wolpertshausen ist das Interesse am Thema soziale Medien groß.

Gespannt ist Gyöngyvér Beck, wie andere das Thema angehen, und ob der Vortrag von Kathrin Seeger sie umstimmen kann. Die engagierte Bäuerin aus Otzberg im Odenwald betreibt eine Facebook-Seite (Hof Seeger), ist Administratorin verschiedener ­Face­book-Gruppen, sie ist bei Twitter und Instagram aktiv. Der Auslöser für ihre Öffentlichkeitsarbeit war 2003. Da brachen Tierschützer in ihre Ställe ein und verbreiteten wohl gefälschte Fotos über die vermeintlich tierquälerischen Zustände auf dem Hof. Obwohl die zuständigen Behörden keine Missstände entdeckten, wurde das Thema durch Presse und Fernsehen getrieben.

„Die Medien verwenden Begriffe wie Tierquäler und Brunnenvergifter, wenn sie über Tierhalter und Landwirte reden“, beklagt sie den Wertewandel. Statt Türen zuzuschlagen, befürwortet sie den Gang in die Öffentlichkeit. Seither berichtet sie in den Foren regelmäßig über landwirtschaftliche Themen. Über 3000 Abonnenten folgen ihr und „erfahren so alles über unseren Hof aus erster Hand und unverfälscht. Wir entscheiden mit, welche Fotos und Geschichten über uns im Netz erscheinen.“

Für die eigene Arbeit einstehen

Nach einem ausführlichen Bericht über moderne Landwirtschaft und den eigenen Hof ermuntert sie die Zuhörerinnen: „Traut euch in die sozialen Medien. Ihr könnt das. Das muss nicht hochliterarisch sein. Wenn ihr erst die Tierschützer im Stall habt, ist es fast zu spät.“ Seeger gibt zu, dass dieses Engagement zeitaufwendig ist und dem Betrieb keinen monetären Erfolg bringt, aber „wir produzieren gute Produkte, auf die wir stolz sein können. Wir sollten für unsere Arbeit einstehen und zeigen, was wir wie und warum machen.“

„Der Vortrag war zwar hochinteressant, aber wenig hilfreich für meine Entscheidungsfindung“, fasst Gyöngyvér Beck anschließend zusammen. „Ich hätte mir etwas mehr Praxis und Know-how gewünscht, also, wie fange ich an, worauf sollte ich achten.“

Sabine Stier aus Sulzbach-Laufen stimmt der Referentin zu. Die Bäuerin ist im Agrarsozialen Arbeitskreis des Landfrauen-Landesverbands in Stuttgart aktiv. Mit ihren Kolleginnen betreibt sie die Facebook-Seite „Frauen auf dem Hof – ebbes isch emmer los“. „Wir möchten die normalen Abläufe der normalen Landwirtschaft nach außen tragen. Das ist eigentlich recht unspektakulär – bis jemand etwas zu beanstanden hat. In den sozialen Medien wird leider wenig hinterfragt. Es ist oft erschreckend, wie polemisiert wird.“

Nach der Mittagspause stellt Beate Leidig, systemischer Coach und Naturschutzberaterin für den ländlichen Raum, die vier Grundregeln der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg vor. „In der Kommunikation geht es nicht um Richtig oder Falsch, sondern um die Qualität unserer Gespräche.“

Unterschiedliche Wahrnehmung

Worte können mächtig sein, sie können verletzen, blamieren, trösten oder auch stärken. Gleiche Situationen werden unterschiedlich wahrgenommen. Grund dafür sind unterschiedliche Bedürfnisse. Wichtig ist daher das Innehalten, um Auslöser und Ursache der Unstimmigkeit zu überdenken: Worum geht es denn wirklich? Wer seine Bedürfnisse erkennt, kann um deren Erfüllung bitten. Die Referentin rät: „Geben sie dem anderen eine Chance. Wir sind selbst verantwortlich für das, was wir hören und sagen.“

Info Initiatoren der Fachtagung sind unter anderem das Landwirtschaftsamt Hall, der Verband Landwirtschaftlicher Fachbildung Blaufelden, Crailsheim und Hall, die Kreislandfrauen Crailsheim und Hall, die Maschinenringe Blaufelden, Crailsheim und Hall mit Unterstützung des Regierungspräsidiums.

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