Schwäbisch Hall Exhibitionist: Schneller Rückfall an Bushaltestelle

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 04.10.2018
Das Haller Amtsgericht verurteilt einen 28-jährigen Familienvater zu neun Monaten Haft mit Bewährung. Sein Geständnis wirkt strafmildernd. Er muss aber mehrere Auflagen erfüllen.

Eine 32–jährige Arbeiterin wartet am 24. April dieses Jahres, 22.30 Uhr, an der Haller Haltestelle Gaildorfer Straße/Sudetenweg auf ihren Bus. Sie kommt wie immer von der Spätschicht. Ein fremder Mann ist in der Nähe. Er steht im Dunklen hinter einem Gebüsch. Sie hört, wie der Mann auffällig stöhnt. Offensichtlich befriedigt er sich sexuell.

Als sie am nächsten Abend wieder auf ihren Bus wartet, taucht derselbe Mann aus Richtung der nahen Tankstelle auf. Er trägt einen Kapuzenpullover. Sein Gesicht kann sie unter der tief hereingezogenen Kapuze nicht erkennen. Er bleibt ein Stück entfernt stehen und sieht in ihre Richtung. Dabei entblößt er sein erregtes Glied, um zu onanieren.

Die erschrockene Frau geht tags darauf zur Polizei und schildert die Vorfälle. Am zwei Abenden überwachen Haller Kriminalbeamte die Bushaltestelle. Der gesuchte Sexualtäter aber zeigt sich nicht. Die Beamten erinnern sich: Erst im Januar hat ein Mann an einer anderen Haller Bushaltestelle sich im Dunklen mehrfach einer Frau gegenüber entblößt. Dieser Exhibitionist ist Mitte März vom Haller Amtsgericht zu sechs Monaten Haft mit Bewährung verurteilt worden.

Beamte vermuten richtig

Die Beamten sehen die Parallelen mit den Vorfällen vom Januar und tippen auf denselben Mann.  Als sie den Wiederholungstäter, einen 28-jährigen Familienvater aus dem Kreisgebiet mit den Vorwürfen konfrontieren, legt er ein Geständnis ab.

Fünf Monate später ist er jetzt vor dem Haller Amtsgericht angeklagt. „Stimmt so,“ sagt der schmal gebaute Mann, als Staatsanwalt Sven Güttner die Anklage verlesen hat. Sie lautet auf „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ (Stöhnen) und „Vornahme einer exhibitionistischen Handlung“ (Entblößen des Gliedes). Der Angeklagte erklärt, er sei jetzt in psychotherapeutischer Behandlung. Seither könne er besser verstehen, was Frauen empfinden, wenn sie exhibitionistischen Handlungen ausgesetzt seien. Er sehe sich jetzt in der Freizeit auch keine Erotik-Videos mehr an.

Das Opfer hat unter dem Geschehen gelitten. „Ich war nicht beim Arzt, habe aber immer Angst gehabt“, sagt die 32-jährige verheiratete Frau. Nach den Vorfällen hat sie ihre Arbeitsstelle gewechselt. Mit der Haltestelle war zu viel Angst verbunden. Bei ihrem neuen Arbeitgeber bekommt sie ähnlichen Lohn, hat aber eine weitere Anfahrt.

Die Bewährungshelferin (34) des vorbestraften Mannes legt in der Verhandlung ein gutes Wort für ihn ein. Er komme immer pünktlich zu Terminen. Er selbst entschuldigt sich in der Sitzung bei dem Opfer. Die Frau hört die Entschuldigung kommentarlos an. Verteidiger Michael Donath verweist auf die begonnene Therapie und auf den sicheren Arbeitsplatz des Angeklagten: „Wenn man ihn wegsperren würde, würde seine Familie damit bestraft.“

 Staatsanwalt Güttner sieht zwar eine „phänomenal schnelle Rückfallgeschwindigkeit“, will dem Angeklagten aber „letztmalig“ eine Chance geben. Er fordert eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die erneut zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Richter Jens Brunkhorst entscheidet auf eine Freiheitsstrafe von neun Monaten mit Bewährung. Er verweist auf das strafmildernde Geständnis: Nur dadurch konnte die Polizei ihn sicher als Täter benennen.

Der Angeklagte muss mehrere Bewährungsauflagen erfüllen. Insbesondere soll er die Psychotherapie weiterführen und dem Gericht gegenüber nachweisen. Zum anderen soll er auch Geldbeträge zahlen: 1300 Euro an den „Weißen Ring“ und 1300 Euro als Wiedergutmachung an das Opfer.  Ohne zu zögern nimmt der 28-Jährige zusammen mit seinem Verteidiger das Urteil an.

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