Parlament Evelyne Gebhardt (SPD) zur Vize-Präsidentin gewählt

Evelyne Gebhardt inmitten ihrer Fraktion. Das Foto zeigt die Parlamentarier unmittelbar nach der Abstimmung, aber noch vor Bekanntgabe der Ergebnisse im ersten Wahlgang. Im Vordergrund steht der ehemalige Parlamentspräsident  Martin Schulz im Gespräch mit dem sozialistischen Fraktionsvorsitzenden Gianni Pittella. Evelyne Gebhardt, mit Blick nach links, steht kurz dahinter.
Evelyne Gebhardt inmitten ihrer Fraktion. Das Foto zeigt die Parlamentarier unmittelbar nach der Abstimmung, aber noch vor Bekanntgabe der Ergebnisse im ersten Wahlgang. Im Vordergrund steht der ehemalige Parlamentspräsident  Martin Schulz im Gespräch mit dem sozialistischen Fraktionsvorsitzenden Gianni Pittella. Evelyne Gebhardt, mit Blick nach links, steht kurz dahinter. © Foto: European Parliament
Landkreis / Jochen Korte 19.01.2017
Die Schwäbisch Hallerin setzt sich am Mittwoch  im ersten Wahlgang durch. „Ich empfinde es als Auszeichnung, von nun an dem Präsidium der Vertreter der europäischen Völker anzugehören“, sagt Gebhardt.

Jetzt kann Evelyne Gebhardt mit Fug und Recht als ranghöchste Vertreterin aus Hohenlohe in Europa bezeichnet werden: Das Europäische Parlament hat sie am Mittwoch im ersten Wahlgang zu seiner Vizepräsidentin gewählt. Damit dürften auch der Einsatz und ihr Eintreten für ein geeintes Europa gewürdigt worden sein.

„Ich freue mich sehr über die Wahl zur Vizepräsidentin und bedanke mich bei allen Kollegen und Kolleginnen, die mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben“, erklärt Evelyne Gebhardt.

Wie es zu der Kandidatur gekommen war, beschreibt Gebhardt so: „Ich habe mich um das Amt beworben, meine Fraktion hat mir ihr Vertrauen ausgesprochen und die Abgeordneten des Parlamentes haben mich im ersten Wahlgang mit absoluter  Mehrheit gewählt.“

Nach dem Duell um den Posten des Präsidenten des Europäischen Parlaments zwischen ihrer Fraktion und der Europäischen Volkspartei am Dienstag hatte sie nicht damit gerechnet, es bereits im ersten Wahlgang zu schaffen, bekennt sie. „Umso mehr freue ich mich, dass ich mit 315 Stimmen das Quorum von 310 Stimmen erreicht habe.“

Gebhardt ist in den europäischen Institutionen als beherzte Verbraucherschützerin bekannt, heißt es in einer Pressemitteilung aus ihrem Büro. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet die 63-jährige Deutsch-Französin im Europäischen Parlament und lenkt seit 2004 als Fraktionssprecherin im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz die dortigen Gesetzesvorhaben.

„Der Verbraucherschutz ist mir eine Herzensangelegenheit. Deshalb werde ich mich auch weiterhin dafür in den zuständigen Ausschüssen engagieren. Allerdings werde ich neue Arbeitsschwerpunkte hinzufügen. Mir liegt viel daran, das Europäische Parlament sichtbarer und wahrnehmbarer für die Bürger und Bürgerinnen zu machen. Außerdem will ich dafür Sorge tragen, dass die Zusammenarbeit mit den nationalen Parlamenten verbessert wird“, schreibt Gebhardt im Interview mit unserer Zeitung.

In dieser Wahlperiode will Gebhardt den Schwerpunkt auch auf das Leben in der digitalen Welt legen, die die Lebens- und Arbeitsqualität der Bürger tatsächlich verbessern und nicht verringern soll.

„Ich will unsere Arbeit als Europaabgeordnete sichtbarer und hörbarer machen, so dass wir in einer sich ständig verändernden Medienlandschaft verstärkt wahrgenommen werden“, hat sich Evelyne Gebhardt auf die Fahnen geschrieben. „Damit in Sachen Europa zukünftig nicht mehr nur Politiker aus den Nationalstaaten zu Wort kommen, sondern auch die Europaabgeordneten selbst.“ Die 14 Vizepräsidenten und -präsidentinnen des Parlaments repräsentieren laut Gebhardt eine gesunde Mischung von erfahrenen und neu gewählten Mitgliedern aus allen demokratischen Fraktionen und unterschiedlichen Mitgliedstaaten. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass es mehr als nur fünf Frauen ins Präsidium geschafft hätten“, so die Politikerin.

Evelyne Gebhardt konnte bei der Wahl auch Stimmen aus dem konservativen Lager erringen. So hat Gebhardt  die Stimme  der CDU-Europaabgeordneten Inge Gräßle aus Heidenheim erhalten. Auch Gräßle freut sich über Gebhardts Erfolg.

„Herzliche Gratulation an Frau Gebhardt. Sie wurde auf Anhieb mit einem prima Ergebnis gewählt. Sie genießt in ihrer Fraktion und darüber hinaus Ansehen. Eine solche Kollegin habe ich gerne mitgewählt“, beantwortet Gräßle unsere Bitte um eine kurze Stellungnahme. „Jetzt hat Baden-Württemberg mit ihr und Rainer Wieland zwei Parlamentsvizes. Die Aufgabe ist sicher spannend neben der Leitung der Ple­narsitzungen und der Abstimmungen gilt es, das Haus Europäisches Parlament zu führen, über den Haushalt und seine Ausführung zu wachen und den Präsidenten europaweit zu vertreten“, heißt es weiter.  Repräsentative Aufgaben kämen auch dazu. „Und das tun, was Frau Gebhardt immer schon getan hat: für Europa werben und es bekannt machen“, schreibt Inge Gräßle.

Zehn Abgeordnete direkt gewählt

Bei der gestrigen Wahl der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments wurden im ersten Wahlgang direkt gewählt:

Mairead McGuinness: 466 Stimmen
Bogusław Liberadziki: 378
David-Maria Sassoli: 377
Rainer Wieland: 336
Sylvie Guillaume: 335
Ryszard Czarnecki: 328
Ramón Luis Valcarcel Siso: 323
Evelyne Gebhardt: 315
Pavel Telicka: 313
Ildikó Gall-Pelcz: 310

Vier Kandidaten mussten in einen zweiten Wahlgang.

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