Genau 2,8 Millionen Euro Fördergelder aus dem EU-Fördertopf Leader gibt es für Projekte aus 18 Kommunen des Ostalbkreises und neun des Kreises Hall von 2014 bis Ende 2020. Auch Unternehmen, Vereine oder Privatpersonen können Anträge stellen. Es geht darum, die Region sozial, kulturell und wirtschaftlich zu stärken und weiterzuentwickeln.

Für Vellberg und seinen Weltsensationsfund der Urschildkröte kam das Förderprogramm gerade rechtzeitig. Der Themenweg, der dadurch realisiert werden konnte und vom Städtle in die Nähe des Steinbruchs, des Fundorts des Fossils, führt, ist der Besuchermagnet des Tages. „Da wollen wir unbedingt mitlaufen“, haben sich Irene und Joachim ­Ciupke aus Vellberg vorgenommen. Matthias Güttler, der den Weg konzipiert hat, begleitet die Besuchergruppe bis zur Erlebnis­station, wo fossilienreiches Gestein darauf wartet, mit dem Hammer zertrümmert und untersucht zu werden. Sogar Rainer Schoch, der Paläontologe, der die Urschildkröte ausgegraben hat, hat sich für einen Vortrag im Rathaus angekündigt.

Veranstaltung Tag der Leader-Jagstregion in Vellberg

Eine weitere Ferienwohnung

Die Familie Zipperer, die in ihrer Pension auf der Tannenburg Urlaubsgäste und außerhalb der Ferien Schulklassen willkommen heißt, hat dank Leader eine weitere Ferienwohnung ausbauen können. „Die Sanierung war sehr aufwendig, aber jetzt haben wir eine Wohnung mit zwei schönen Doppelzimmern, zwei Bädern und einer Wohnküche. Wir können dadurch bis zu 30 Gäste aufnehmen. Das ist eine gute Zahl für Familientreffen. Dafür haben wir nämlich oft Buchungen“, erklärt Ernst Zipperer. Außerdem sei der Betrieb mit vier, fünf Gästen mehr wirtschaftlicher.

In Mittelfischach haben sich Simone Egelhof, deren Familie schon seit fünf Generationen das Brennrecht besitzt, und ihr Mann Christian ein zweites Standbein mithilfe von Leader aufgebaut: Die Ökonomin und der Ingenieur, der sich zum Brenner hat ausbilden lassen, haben in einer früheren Scheune ihres landwirtschaftlichen Betriebs eine Brennerei mit Hofladen eingerichtet. „Wir können hier kleine Gruppen in die Kunst des Schnapsbrennens einführen, Edelbrände herstellen und sie mit den Gästen verkosten – zum Beispiel im Rahmen einer Geburtstags- oder Weihnachtsfeier“, schildert Christian Egelhof. Das Besondere an ihren Destillaten sei die Sortenreinheit. Das Obst ernten sie von 200 eigenen Streuobstbäumen. „Da hilft die ganze Familie mit“, berichtet Simone Egelhof.

Die Stadt Crailsheim ist mit ihren Teilorten Mitglied der Leader-Jagstregion. „Unsere Teilorte sind alle ziemlich selbständig und aktiv und haben sehr engagierte Bürger“, meint Kai Hinderberger von der Stadt Crailsheim. Zu Beginn der Förderperiode habe die Stadt deshalb die Ortsvorsteher zu einer Infoveranstaltung über Leader eingeladen. „Daraus sind zwei Projekte entstanden“, sagt er. In Westgartshausen wollen die Bürger schon lange ein kleines Gebäude, wo Vereine für Veranstaltungen auf dem Dorfplatz Tische und Bänke lagern und kleine Versammlungen abhalten können. Eine kleine, einfache Küche, von der aus nach draußen bewirtet werden kann, war ein anderer Wunsch.

Oberrot

Es besteht Sanierungsbedarf

Am Degenbachsee, einem beliebten Badesee, ist die Infrastruktur dringend sanierungsbedürftig. Zusätzlich zu den neuen Gebäuden ist ein Naturerlebnispfad geplant. Für Kindergärten und Schulen wird ein See-Klassenzimmer eingerichtet, damit die Kinder vor Ort die heimische Tier- und Pflanzenwelt erleben können. „Bei beiden Projekten übernehmen die Bürger viel in Eigenleistung. Gefördert wird nur das Material“, so Hinderberger.

Die Familie Rieg aus Bühlerzell hält im Nebenerwerb rund 70 Burenziegen. Über den Sommer weiden sie auf Steillagen, Biotopflächen und Streuobstwiesen im oberen Bühlertal. Sie sorgen also dafür, dass diese für den Naturschutz wichtige Kulturlandschaft nicht verbuscht und genutzt wird. Sie haben über das Leader-Programm eine Schutzhütte als Unterstellmöglichkeit bekommen.

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Gaildorf

Wichtig ist die Bürgerbeteiligung


Derzeit läuft die letzte Antragsperiode für das Leader-Programm 2014. „Wir können noch bis Ende 2020 Projekte beschließen. Die Antragsfrist endet aber schon am 27. Mai 2019“, so die Geschäftsführerin der Leader-Jagstregion, Simone Oesterle. Dafür stünden noch 533 000 Euro aus der EU und – für bestimmte Projekte – auch Landesfördermittel zur Verfügung.

Ein wichtiges Kriterium für die Bewilligung ist eine Bürgerbeteiligung. Das Spektrum möglicher Projekte ist sehr breit: Sie sollten in die Bereiche Gemeinschaft und Leben, Bildung und Arbeit, ländlicher Raum und nachhaltige Entwicklung oder Freizeit und Kultur passen. siba