Kita in Mainhardt Neuer Ansatz: Erzieherinnen werden Lernpartner

Der Mainhardter Kindergarten Schultheiß-Huzele heißt Besucher mit einem Schild willkommen. Der Kindergarten wurde bereits vor 41 Jahren gebaut.
Der Mainhardter Kindergarten Schultheiß-Huzele heißt Besucher mit einem Schild willkommen. Der Kindergarten wurde bereits vor 41 Jahren gebaut. © Foto: Maya Peters
Mainhardt / Maya Peters 08.08.2018
Der Mainhardter Gemeinderat als Träger der Kindertagesstätten befürwortet die Entwicklung eines neuen pädagogischen Ansatzes.

„Wie lernen Kinder?“, fragt Marvin Göbel in die Runde der Gemeinderäte. Diese sind in der letzten Sitzung vor der Sommerpause als Arbeitgeber gefragt. Ihnen erläutert der Leiter der sechs gemeindeeigenen Kindergärten den „offenen Ansatz“. Dieser sei auch nach den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung förderlich für die frühkindliche Entwicklung und Potenzialentfaltung.

Man traue dem Kind zu, selbsttätig, selbstständig und selbstwirksam seine Lernprozesse mitzugestalten, erklärt Göbel. Damit müssten nicht alle zum gleichen Zeitpunkt dasselbe können und dürften flexibel und bedürfnis­orientiert spielen und lernen. Göbel zeigt versinnbildlichend eine Karikatur mit unterschiedlichen Tieren, von denen ein Pädagoge verlangt, sie sollten alle einen Baum hochklettern – egal ob Elefant, Robbe, Hund oder Vogel.

„Jeder wird weiter gemäß dem Orientierungsplan Baden-Württemberg gefördert“, setzt Göbel erklärend hinzu. Er hat seit März 2017 die Strukturen und Schwerpunkte der Kindertagesstätten analysiert und wirbt vor dem Gremium für die offene Arbeit, die er auch aus seinem Berufsleben gut kenne. Bislang gebe es für keinen der sechs Kindergärten ein verschriftlichtes Konzept. Das wolle man nun gemeinsam mit den Fachkräften, externen Beratern und auch Eltern erarbeiten. Für Letztere werde ein Fragebogen entwickelt.

Leitbild in Arbeit

Ab September soll für die Kindertagesstätten auch ein Leitbild formuliert werden. Zusätzlich gebe es mehrere Seminare für die Fachkräfte, die das offene Konzept mit Stammgruppen gemeinsam ausarbeiten. Dafür würden nach etwa einem Jahr auch die Räume umgestaltet – fortan werde es nicht in jeder Gruppe eine Bau- oder eine Malecke geben, sondern jeweils größere Bereiche für die Einrichtung.

Im gesamten Innen- wie Außenbereich, auch unabhängig von ihren Stammgruppen, sollen Kinder dann die offenen Spiel- und Bildungsangebote nutzen können. „Für die Fachkräfte stehen die Bedürfnisse und die Entwicklung der Kinder weiter im Vordergrund. Sie begleiten sie in einer kindgemäßen Umgebung, geben Impulse und werden Lernpartner“, sagt Göbel. Feste Strukturen in Form von Regeln oder Ritualen würden gewahrt, dennoch sei man flexibler. „Die Qualität der Pädagogik verbessert sich.“

„Wir wollen niemandem etwas überstülpen“, betont Göbel. Der Wunsch nach einer modernen sozialen Arbeit sei mit aus den Reihen der 35 Erzieherinnen gekommen. „Wir bewegen uns weg vom starren Gruppensystem hin zu engen Teamabsprachen“, verdeutlicht er. Alles, was bisher gut gelaufen sei, werde weitergeführt. Zusätzlich wolle man individuelle Schwerpunkte für jeden Kindergarten benennen – angepasst an dessen Räumlichkeiten, Personal und Umgebung. „Zu Hütten würde Wald und Wiese passen“, meint er beispielhaft.

„Transparenz ist uns von Anfang an wichtig“, unterstreicht Göbel. Deshalb habe man alle Erzieher und Elternvertreter zu Infoveranstaltungen eingeladen und zudem einen Elternbrief versendet. „Es war eine gute Atmosphäre und ein offener Austausch“, lobt er die Treffen im Nachklang. Viele Eltern wollten beispielsweise noch am gemeinsamen Vesper festhalten. „Das haben wir so aufgenommen“, lächelt Göbel.

Die Konzeptionsentwicklung sei auf 1,5 Jahre angelegt und werde Schritt für Schritt erarbeitet und umgesetzt. „Es ist eine Chance, die Pädagogik gemeinsam gestalten zu dürfen“, meint Göbel. Das habe es bisher so noch nicht in Mainhardt gegeben.

Die Abstimmung im Gemeinderat ist eindeutig: Ohne Gegenstimme wird die Neuausrichtung der Kindergärten beschlossen. „Wir geben als Arbeitgeber nur die Rahmenbedingungen vor“, betont Bürgermeister Damian Komor. Das sei der Auftakt der Entwicklung, die Göbel nun mit den Erziehern ausarbeite.

Gemeinderat zufrieden

„Ich kann das nur begrüßen“, meint Rat Rüdiger Honold. „Für die Kinder ist das auf jeden Fall eine Bereicherung“. Katja Kopf hebt die Öffnung aller Bereiche positiv hervor: „Das gibt den Kindern Sicherheit und mehr Entfaltungsmöglichkeiten, wenn sie jederzeit ins Atelier oder in die Werkstatt können.“ Die Wertevermittlung an die Kinder dürfe nicht außer Acht gelassen werden, wünscht sich Rainer Vogelmann.

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