Schwäbisch Hall Erster Jahrgang auf Zielgeraden

Qendrim Turkaj (links) berichtet seinen Mitstudenten von seiner Betriebswirtschafts-Prüfung: "Es hat gut angefangen, wurde aber mit jeder Aufgabe schwieriger. Unterm Strich aber machbar." Besart Nikqi, Djilali Bilel Bouidia, Dardan Plana (von links) hören aufmerksam zu. Die vier Freunde haben noch viele Prüfungen vor sich, sie sind im ersten Semester. Foto: Würth
Qendrim Turkaj (links) berichtet seinen Mitstudenten von seiner Betriebswirtschafts-Prüfung: "Es hat gut angefangen, wurde aber mit jeder Aufgabe schwieriger. Unterm Strich aber machbar." Besart Nikqi, Djilali Bilel Bouidia, Dardan Plana (von links) hören aufmerksam zu. Die vier Freunde haben noch viele Prüfungen vor sich, sie sind im ersten Semester. Foto: Würth
TOBIAS WÜRTH 01.02.2013
Noch zwei Wochen, dann haben die Studenten ihre Prüfungen beendet. Der erste Jahrgang verlässt die neue Hochschule in Hall. Dekan Ulrich Brecht ist gespannt, welche Jobs die Absolventen finden.

Jetzt ist Prüfungszeit - und zwar für alle Studenten am Campus Hall. Die Klausuren starteten am Montag und dauern noch zwei Wochen an. Bei dem Bachelor-Abschluss gibt es keine große Endprüfung. Vielmehr absolvieren Studenten in jedem Semester Klausuren, sammeln Punkte und Noten fürs Endzeugnis.

"Es ist noch keiner fertig", sagt Professor Dr. Ulrich Brecht. Das weiß der Dekan, denn er muss als Vorsitzender der Prüfungskommission seine Unterschrift auf die Bachelor-Urkunden setzen. Vom Ende des 6. Semesters bis zum 8. Semester haben Studenten Zeit, den Sack zuzumachen - derzeit befindet sich der erste Jahrgang am Campus Hall im 7. Semester.

Eine Bachelor-Arbeit gehört zum Pflichtprogramm. Die umfasst 60 bis 80 Seiten. Einige wurden schon abgegeben und korrigiert. Jeder Student muss eine gedruckte Version abgeben und dazu noch einen Datenträger, auf der die Arbeit als Datei gespeichert ist. Die elektronischen Daten werden von den Korrektoren in ein spezielles Softwareprogramm eingelesen. Das stellt automatisch fest, ob in der Arbeit von anderen abgeschrieben wurde, ohne das korrekt zu kennzeichnen. Dieses Verfahren werde auch bei Seminararbeiten während des Studiums angewendet, sagt Brecht. Und tatsächlich: In Einzelfällen gab es keine Punkte für die Arbeit, weil ein Plagiat vorlag. Seit dem Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg sei bei den Studenten die Sensibilität für korrektes Arbeiten gestiegen, hat Brecht festgestellt.

"Es wird noch einen Monat dauern, bis das erste Zeugnis ausgestellt ist", schätzt Brecht. Das letzte Zeugnis des ersten Jahrgangs an der Hochschule in Hall wird wohl Ende des Jahres verschickt werden. Dann werden rund 110 der 152 im Jahr 2009 gestarteten Studenten ihren Abschluss in der Tasche haben.

Sind das nun viele oder wenige, die durchkommen? "Das wird politisch diskutiert. Manche Hochschulen rühmen sich mit einer hohen Abbrecherquote", erläutert Brecht. So wollten sie beweisen, dass sie besonders elitär sind. In Hall werden am Ende rund ein Drittel der Studenten abgesprungen sein. Das beunruhigt Brecht nicht. "Einige sind zu mir gekommen und haben sich verabschiedet." Oft hätten sie sich umorientiert oder aus familiären Gründen hingeschmissen. Aber es gibt auch Studenten, die an den Leistungsvorgaben gescheitert sind. Den ausgeschiedenen steht eine handvoll Studenten gegenüber, die im Hauptstudium von einer anderen Hochschule nach Hall gewechselt sind.

Im Sommer wird eine Bachelor-Feier veranstaltet - auch wenn die ersten Studenten dann wohl schon eine Stelle haben und die letzten noch über ihrer wissenschaftlichen Arbeit sitzen. Brecht: "Ich bin gespannt, welche Jobs die Absolventen finden." Er ist ein wenig stolz darauf, das Ergebnis der intensiven Aufbauphase des Campus zu sehen. Die Hochschule laufe gut, Brecht fand endlich Zeit, sich etwas "Fachliches zu gönnen". Er hat zwei Lehrbücher, die er geschrieben hat, für eine zweite Auflage überarbeitet.