Schwäbisch Hall Erst ein Viertel der Ziele erreicht

Eine Schafherde grast eine Wiese bei Langenburg ab. Die Tiere leisten so einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Der Deutsche Landschaftspflegetag hat sich kürzlich zum ersten Mal in Schwäbisch Hall getroffen. Archivfoto: privat
Eine Schafherde grast eine Wiese bei Langenburg ab. Die Tiere leisten so einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Der Deutsche Landschaftspflegetag hat sich kürzlich zum ersten Mal in Schwäbisch Hall getroffen. Archivfoto: privat
SIGRID BAUER 25.07.2014
Erstmals hat der Deutsche Landschaftspflegetag in Schwäbisch Hall diskutiert. Hauptthema war die Umsetzung des Natura-2000-Projekts, das gefährdete Pflanzen und Tiere schützen soll.

"Die Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, über den Tellerrand hinauszuschauen, um auch den eigenen Verband weiterzuentwickeln", meint Judith Heller vom Haller Landschaftspflegeverband.

Geschäftsführerin Beate Leidig hat von vielen Tagungsteilnehmern, unter ihnen Landwirte und Naturschützer, positive Rückmeldungen erhalten, wie sie berichtet. Sie hat sich speziell zum Thema Schafbeweidung informiert. Schafe werden nicht erst seit Natura 2000 als Landschaftspfleger eingesetzt, indem sie der Verbuschung offener Flächen vorbeugen und so den Lebensraum wertvoller Tiere und Pflanzen erhalten. Rund 15 Schäfer mit Herden zwischen 30 und 600 erwachsenen Tieren arbeiten im Landkreis Hall für den Erhalt der Kulturlandschaft. Dafür bezahlt sie der Haller Landschaftspflegeverband.

"Bisher gab es dazu keine Daten zur Wirtschaftlichkeit", verdeutlicht Leidig. Ein Referent habe dazu Berechnungen vorgestellt, die die Qualität und die Menge des Futters auf unterschiedlichen Weideflächen berücksichtigen. "Damit können wir jetzt das Entgelt für die Schäfer je nach Art der Fläche, die die Schafe abgrasen, berechnen", erklärt sie. Welche neuen Ideen die künftige EU-Agrarpolitik für die finanzielle Förderung von Beweidung bringen könnte, war ebenso Thema wie eine Befragung von Schäfern zu ihren beruflichen Problemen. "Es hilft mir im Gespräch mit Schäfern, wenn ich ihre Ängste kenne", hofft Beate Leidig.

Aus dem Bundesumweltministerium, wo die Berichte über Natura 2000 zusammenlaufen und bewertet werden, gab es einen Überblick über erreichte Ziele, aber auch über Probleme bei der Umsetzung von Natura 2000. Ein Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums fasste zusammen, dass bisher nur ein Viertel der Natura-2000-Ziele erreicht worden seien. "Die Quantität stimmt, aber nicht die Qualität", zitiert Leidig den Referenten.

Wenig bewirkt hat das Projekt zum Beispiel im Bereich der Amphibien. "Sie sind weiter stark gefährdet", stellt Leidig fest. Im Naturschutzgebiet Reußenberg nordwestlich von Crailsheim, das eines der Ziele von Exkursionen für die Teilnehmer des Landschaftspflegetags war, soll eine einfache Maßnahme die Lebensbedingungen des seltenen Kammmolchs verbessern. Er kommt dort in Tümpeln, sogenannten Lachen, vor. Damit die Stillgewässer stärker besonnt werden, hat der Förster am Ufer stehende Bäume geringelt, das heißt einen ringförmigen breiten Streifen der Rinde entfernt. Die Bäume sterben dadurch allmählich ab. "So gibt es weniger Schatten und gleichzeitig bietet das Totholz wertvollen Lebensraum für Tiere", erklärt Leidig. "Das setzt der Natur weit weniger zu, als wenn die Bäume mit Motorsägen gefällt würden. Und preiswerter ist es obendrein", ergänzt sie.

Der stärkste Rückgang sei bei den Vögeln des Offenlands zu beklagen. Vor allem die Langstreckenzieher, das sind rund ein Drittel der Brutvogelarten in Deutschland, seien stark dezimiert. "Ich nehme an, dass sie Opfer des Vogelfangs in Südeuropa und Afrika werden", so Leidig. Aber auch hierzulande haben sich ihre Lebensbedingungen durch die intensive Landwirtschaft und den Flächenverbrauch verschlechtert.