Baustellen Erst der Kreisverkehr, nun die B 14

Am neuen Kreisverkehr wird am gestrigen Freitag die neue Asphaltschicht aufgetragen. Die Bauarbeiten dauerten acht Wochen, womit der Zeitplan eingehalten wurde. Rechts im Bild ist der Modepark Röther zu sehen, links die Sparkassen-Filiale.
Am neuen Kreisverkehr wird am gestrigen Freitag die neue Asphaltschicht aufgetragen. Die Bauarbeiten dauerten acht Wochen, womit der Zeitplan eingehalten wurde. Rechts im Bild ist der Modepark Röther zu sehen, links die Sparkassen-Filiale. © Foto: Ufuk Arslan
Michelfeld / Gottfried Mahling 08.09.2018
Mit der Fertigstellung des neuen Kreisels in der Kerz ist der erste Teil der Bauarbeiten zwischen Hall und Michelfeld abgeschlossen. Ab Montag wird die Bundesstraße für sechs Wochen saniert.

Nach acht Wochen sind die Bauarbeiten am neuen Kreisverkehr am Modepark Röther so gut wie abgeschlossen. Nach dem Einbau der Asphaltdeckschicht am gestrigen Freitag sollen am heutigen Samstag die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht werden, bevor der Kreisel am Sonntag freigegeben wird.

Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Am Montag, 10. September, beginnen die Bauarbeiten an der B 14 zwischen der Einmündung der Bürkhofstraße in Michelfeld bis kurz vor die Kreuzung Rinnener Sträßle in Hall. Auf dem gut einen Kilometer langen Abschnitt lässt der Bund die Fahrbahndecke für 650 000 Euro erneuern.

Während der etwa sechswöchigen Bauzeit wird der Verkehr von Hall Richtung Michelfeld auf jeweils einer Fahrspur an der Baustelle vorbeigeführt. In der Gegenrichtung von Michelfeld nach Hall wird zu Beginn der Bauarbeiten für etwa zweieinhalb Wochen ab der Michelfelder Ortsmitte über Bibersfeld umgeleitet.

In den letzten dreieinhalb Wochen gibt es für Pkw-Fahrer die Option, über den fertig gestellten ersten Teil der späteren Umgehungsstraße und den neuen Kreisverkehr beim Modepark Röther in den Gewerbepark und von dort aus wieder zurück zur B 14 oder zur B 19 zu gelangen (siehe Grafik). „Es ist damit zu rechnen, dass es auf den Hauptverbindungsstraßen im Gewerbepark in den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen kommt“, heißt es aus der Haller Stadtverwaltung. Deshalb müssen Lkw auch in der letzten Bauphase den Umweg über Bibersfeld nehmen.

In der ersten Bauphase vom 10. bis 18. September wird die nördliche Fahrbahn der B 14 auf der gesamten Ausbaulänge saniert. Bauphase zwei vom 19. bis 25. September beinhaltet die Sanierung der südlichen Fahrbahn von Michelfeld bis zur neuen Einmündung in das Kerz am Modepark Röther. Von diesem Abzweig bis zur Einmündung nach Rinnen wird die südliche Fahrbahn in der dritten Bauphase vom 26. September bis 19. Oktober saniert.

Die Polizei werde regelmäßig überwachen, dass Lkw-Fahrer den Gewerbepark tatsächlich meiden und die Umleitung über Bibersfeld nehmen, sagte Bürgermeister Wolfgang Binnig bei einem Vor-Ort-Termin am Freitag. Laut Bauleiter Thomas Kistinger können sich einzelne Bauabschnitte tageweise verschieben, falls es in den kommenden Wochen viel regnen sollte.

Die Gesamtkosten für die Erschließungsarbeiten in Kerz und Stadtheide inklusive B-14-Sanierung liegen Kistinger zufolge bei fast 10 Millionen Euro. Beteiligt sind sechs Bauträger: Der Bund (B 14), die Stadt Hall (Planstraße 2), die Gemeinde Michelfeld (Neuer Kreisverkehr im Kerz), die HGE (Planstraßen 4 und 5) sowie der Haller Eigenbetrieb Abwasser und die Stadtwerke.

Gewerbetreibende sprechen über Lärmbelästigung und Umsatzeinbußen

Stefan Paxian, Chef der McDonald‘s-Filiale, schätzt die Umsatzeinbußen durch die Bauarbeiten am Kreisverkehr auf zwei bis drei Prozent. „Mehr beeinträchtigen wird uns die Sanierung auf der B 14“, schätzt Paxian. Als im Oktober 2015 die Bundesstraße am Media-Markt saniert wurde, hätte das viele Autofahrer abgeschreckt, in das Kerz hineinzufahren. Damals habe McDonald‘s 10 bis 15 Prozent Umsatz eingebüßt. Paxian rechnet zudem damit, dass durch den neuen Rewe-Markt an der Auwiese die große Kaufland-Filiale in der Stadtheide etliche Kunden verlieren könnte. Dies würde sich auch auf McDonald‘s negativ auswirken, da viele Kunden einen Einkauf gern mit einem Besuch im Fastfood-Restaurant verbinden würden.

Textildiscounter Takko war durch die direkte Nachbarschaft zum neuen Kreisverkehr von den Bauarbeiten stark betroffen. „Einige Kunden haben sich lauthals beschwert, weil unser Parkplatz überhaupt nicht mehr erreichbar war“, berichtet Filialleiterin Silke Beer. Viele seien dann auf den Parkplatz des Modeparks Röther ausgewichen. Den Baulärm habe man bei Takko als „extrem belästigend“ empfunden, betont Silke Beer. Diese Woche Dienstag habe es im ganzen Geschäft vibriert und während der Asphaltarbeiten nach Teer gestunken. Den Bau des Kreisverkehrs an sich findet die Takko-Filialleiterin gut: „Er könnte für mehr Sicherheit sorgen.“

Der Modepark Röther begrüßt die neue Verkehrsregelung im Kerz. Der neue Kreisverkehr sorge für klare Vorfahrtverhältnisse, und die geplanten Fußgängerüberwege dürften für mehr Sicherheit sorgen. Allerdings habe man durch die Bauarbeiten einen geringfügigen Kundenrückgang hinnehmen müssen, zudem sei der Baulärm als störend empfunden worden, besonders wenn Rüttelmaschinen am Werk waren. Man rechne damit, dass der alte Eingang zur Tiefgarage nach wie vor genutzt werde und sich die Kunden an die neue Zufahrt an der Südseite des Modepark-Gebäudes erst gewöhnen müssen.

In der Vitawelt-Apotheke habe man den Baulärm als „noch erträglich“ empfunden, berichtet eine Mitarbeiterin. Allerdings hätten sich viele Kunden über das hohe Verkehrsaufkommen in der schmalen Durchfahrt zwischen C&A und Apotheke beschwert, nicht zuletzt Eltern mit kleinen Kindern. Viele Autofahrer seien wegen der Kreisverkehr-Baustelle auf dieses Nadelöhr ausgewichen und teilweise „durchgerast“. An der Tiefgarage der Apotheke sei es zu gefährlichen Situationen gekommen. Während der Bauarbeiten am Kreisverkehr sei kein Umsatzeinbruch zu verzeichnen gewesen. Während der bevorstehenden Bauarbeiten an der B 14 sei allerdings zu befürchten, dass weniger Kunden kommen. Ein Hinweisschild an der Ampel am KFC soll Kunden den Weg zur Apotheke weisen.

Metzger Markus Oswald ist davon überzeugt, dass es für die Gewerbetreibenden besser gewesen wäre, zunächst die Planstraße 2 (Fertigstellung für Herbst 2019 geplant) und erst dann den Kreisverkehr zu bauen und die B 14 zu sanieren. Dann wäre das Kerz trotz Bauarbeiten bequem von Südosten her über B 19, Max-Bühler-Straße und die neue Erschließungsstraße des Gewerbegebiets erreichbar gewesen. Die Gewebetreibenden in der Stichstraße „In der Kerz“ hätten unter den Bauarbeiten am neuen Kreisverkehr am meisten gelitten. „Ich hatte jede Menge Kundenbeschwerden und einen Umsatzeinbruch“, so Oswald. Viele Kunden hätten den improvisierten Schotterweg zu seiner Metzgerei nicht befahren wollen. Auch treue Mittagessen-Gäste benachbarter Firmen seien weggeblieben. Für mehr Sicherheit werde der Kreisverkehr nicht sorgen: „Er wird ein neuer Unfallschwerpunkt“, glaubt Oswald. gm

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