Schwäbisch Hall Erst Berlin, dann Zürich

BETTINA LOBER 06.08.2015
Sie sind Highlights in der Johanniterkirche und der Kunsthalle Würth: Schutzmantelmadonna und Erbschenkenbecher. Aber bald sind sie weg: Weil sie für die Würth-Schau "Von Hockney bis Holbein" nach Berlin reisen.

Mariä Himmelfahrt am 15. August - der Name des katholischen Feiertags, der an jenem Datum gefeiert wird, ist in der Johanniterkirche in diesem Jahr fast wörtlich zu verstehen: Die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein der Jüngere, die seit 22. Januar 2012 in Hall gezeigt wird, verreist danach nach Berlin. Noch bis einschließlich Sonntag, 16. August, ist das bedeutende Gemälde aus dem 16. Jahrhundert in der Johanniterkirche zu sehen.

Für den 14. August hat sich noch Besuch aus Darmstadt angekündigt: darunter einige Madonnenkinder. Das Holbein-Werk war jahrzehntelang im Darmstädter Schlossmuseum zu sehen. Als die Arbeit in den 1950er-Jahren nach Basel ausgeliehen war, durften im Gegenzug jährlich im Sommer 20 Kinder zur Erholung nach Davos reisen - die Madonnenkinder. So werden die damaligen Teilnehmer heute noch genannt.

Nach dem 16. August verabschiedet sich die Holbein-Madonna für 15 Monate aus Hall: Zunächst wird das Gemälde Höhepunkt der großen Sammlungs-Schau "Von Hockney bis Holbein. Die Sammlung Würth in Berlin" sein. Vom 11. September bis 10. Januar 2016 werde im Martin-Gropius-Bau in Berlin "eine Auswahl von 400 Arbeiten internationalen Ranges" zu sehen sein, teilt das Unternehmen Würth mit. Danach sei die Schutzmantelmadonna Ausgangspunkt einer Kabinett-Ausstellung im Bode-Museum. Dort war die Sammlung Würth bereits mit einer ständigen Kunstkammer vertreten. Ab August 2016 soll die Holbein-Madonna die zentrale Leihgabe in einer Ausstellung zur Kultur der Renaissance im Landesmuseum Zürich sein. Pünktlich zum Advent, ab 2. Dezember 2016, soll die Schutzmantelmadonna dann wieder in der Haller Johanniterkirche zurück sein, sagt Kunsthallendirektorin Sylvia Weber.

Unterdessen leisten Leihgaben aus dem schweizerischen Nationalmuseum Zürich den Alten Meistern der Sammlung Würth in der Johanniterkirche Gesellschaft: zwei Flügel eines spätgotischen Johannesaltars aus Freiburg im Üechtland von Hans Fries, der Altar von Unterschächen (um 1521) von Augustin Heckel, der eine Heilige Sippe darstellt, sowie vier fein gearbeitete Evangelistenbüsten. Zudem sollen Leihgaben aus der Staatsgalerie und dem Landesmuseum Württemberg in Stuttgart sowie private Leihgaben die Schau ergänzen.

Nicht nur die Madonna reist von Hall nach Berlin zur Ausstellung "Von Hockney zu Holbein". Auch der Erbschenkenpokal des Grafen von Limpurg, der seit Mitte Mai - und noch bis einschließlich 16. August - in der Ausstellung "Silberhirsch und Wunderprunk" in der Kunsthalle Würth zu sehen ist, verlässt die Kocherstadt. Die Arbeit gilt als ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst der deutschen Hochrenaissance. Der Prunkpokal ist im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts gelistet. Die Ausstellung im Gropius-Bau endet am 10. Januar. Danach werde der Pokal in der Kunstkammer Würth im Bode-Museum gezeigt, sagt Sylvia Weber.

Und noch ein Exponat aus der Kunsthalle Würth reist quasi als Botschafter der Sammlung Würth in die Bundeshauptstadt: "Drei Grazien" aus Elfenbein von Leonhard Kern, der 1588 in Forchtenberg geboren wurde und 1662 in Hall starb.

Info Die Abreise der Schutzmantelmadonna ist mit Umbauarbeiten in der Johanniterkirche verbunden, teilt das Unternehmen Würth mit. Daher bleibt das Museum am Dienstag und Mittwoch, 18. und 19. August geschlossen. Ab Donnerstag, 20. August, gelten die üblichen Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.