Niederstetten Erlebnis mit und ohne Sternchen

FELIX RÖTTGER 24.07.2014
Mitten ins pralle Großstadtleben gegriffen hat das Ensemble des Freilichttheaters im Tempele in Niederstetten. Bis 3. August steht "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" auf dem Programm.

Im Tempele ein Broadway-Musical? Ja, es funktioniert - auch ohne Millionen-Etat und Dutzende Tänzer. Das Amateur-Ensemble hat dank seines Regisseurs Ulrich Schulz viel Erfahrung mit Musiktheater sammeln können. "Im Weißen Rössl" (2010) und "Cabaret" (2012) sind noch in bester Erinnerung.

Nun wird dem Publikum wieder ein Theater- und Musikerlebnis "mit und ohne Sternchen" geboten. Zu den ganz kräftig leuchtenden Sternen zählt die Liveband aus neun Berufsmusikern unter der Leitung von Musikdirektor Hermann-Josef Beyer. Mit ihrer lateinamerikanischen Musik bestimmt sie den Rhythmus dieser amüsant-hektischen Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie. Es geht zurück in das Madrid der 80er-Jahre. Fast unglaublich, was dazu an Requisiten auf der Freilichtbühne zusammengetragen wurde. Alles dreht sich um einen Würfel, der sich Szene für Szene dreht und den Blick auf ein Tonstudio, Pepas Appartement, die Pförtnerloge, ein Haarstudio oder eine Dachterrasse freigibt. Weitere Höhepunkte sind Tanzszenen mit Hippiemädchen und sexy Krankenschwestern, einige wohlklingende Gesangsduette und die Spritztouren und Taxifahrten mit Maximilian Klein.

Weitere witzige Nebenfiguren sind ein Terrorist in Unterhose, bigotte Marienverehrerinnen oder Motorrad-Freaks in den Startlöchern. "Sternchen" verdienen noch die Massenszenen mit rund 30 Mitwirkenden (Choreografie: Isabella Alt). Den bis ins Detail passenden Kostümen (Leiterin Isolde Menkheim) gebührt ein Sonderlob.

Die Handlung: Iván (Michael Weber-Schwarz) will sich von Pepa (Sabine Ries) trennen. Als Pepa beginnt, ihm nachzuspionieren, stellt sie fest, dass er seit Jahren ein Doppelleben geführt hat. Auch wenn sich scheinbar alles um Iván dreht, haben in dieser Inszenierung die Frauen in den reiferen Jahren das Sagen. Ein frech-frivoles, trotz viel nackter Haut nie vulgär inszeniertes Musical. Frauenversteher Iván, den Michael Weber-Schwarz stimmlich und schauspielerisch ohne Wackler aufs Parkett legt, muss letztlich seine Waffen strecken.

Sabine Ries spielt die leidenschaftliche Pepa, die selbst dann noch gute Ratschläge geben kann, wenn das Chaos über sie selbst hereingebrochen ist. Viel Beifall gibt es für Elly Ehrmann, die gesanglich und darstellerisch anrührend in Tragik schwelgt. Trockenen Humor steuert Ringo Wunderlich als Iváns Sohn Carlos bei.

Aus der großen Zahl der Mitwirkenden stechen gesanglich noch Janina Beyer, Mareike Kuppler und Nadja Trotzer heraus.

Info Weitere Aufführungen sind von 25. bis 27. und am 30. Juli sowie von 1. bis 3. August ab 20.30 Uhr. Kartentelefon: (07932) 6053238.