Lesung Erinnerungen an Hall in ein Buch gegossen

Schwäbisch Hall / Monika Everling 04.09.2018
Sibylle Luithlen unterhält im Haller Alten Schlachthaus knapp 50 Besucher mit Auszügen aus ihrem Selbstfindungs-Roman „Wir müssen reden“.

Die Protagonistin kommt in einer kleinen süddeutschen Stadt an, zieht ihren Koffer vom Bahnhof einen steilen Berg hinunter, wirft einen „Blick auf ein sonderbares rundes Bauwerk“ und wird von ihrem Gastgeber, einem Mann mit kleinen Locken, empfangen. Die knapp 50 Zuhörer im Haller Alten Schlachthaus bekommen gleich am Anfang der Lesung von Sibylle Luith­len etwas zu lachen: Das runde Gebäude ist das Haller Globe-­Theater und der lockige Gastgeber heißt im Roman zwar Rainer, aber er sitzt als Markus Stettner-Ruff in natura vor ihnen.

Auch die anderen Szenen aus dem Roman „Wir müssen reden“, die Sibylle Luithlen zu leise und zu schnell vorliest, hat sie offenbar ziemlich genau so erlebt, wie sie sie aufgeschrieben hat. An einer Stelle bemerkt sie fast stolz: „Der Schuppen hinter der Kuhwiese ist frei erfunden.“ Das meiste ist also ein Tagebuch – oder heutzutage ein Blog – in Buchform. Einige Sätze erinnern an Ergebnisse eines Kurses für kreatives Schreiben: Da betrachtet die Hauptperson „die golden schimmernden Wölkchen“, da gibt es „tanzende Mücken und hin und wieder ein Lächeln“. Das kann man als poetisch empfinden – oder als platt. Aber vielleicht ist das ein vorschnelles Urteil. Halls Kulturbeauftragte Ute-Christine Berger hat den Roman in Gänze gelesen und verspricht eine komplexe Konstruktion mit vielen raffiniert ineinander verwobenen Erzählsträngen –  von denen Luith­len in Hall halt nur den vorstellt, der dort spielt, in jenem Sommer 2009, als die Brüsseler Autorin für ein paar Wochen am Haller Goethe-Institut lehrte und sich am Kocherufer in einen unkonventionellen Mann verliebte.

„Die wunderschöne Umgebung in Hall“ habe ihr in einer anstrengenden Lebensphase nach der Trennung von ihrem Mann Leichtigkeit gegeben, sagt Luithlen im Gespräch mit Stettner-Ruff, und fügt an: „Es war eine magische Zeit.“

Info Ein Mitschnitt der Lesung wird übermorgen, Donnerstag, ab 15 Uhr auf „Radio StHörfunk“ ausgestrahlt.

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