Würth Ergebnis überspringt alte Hürde

Bekannt ist Würth als Schraubenhändler. Doch der Konzern, der von Künzelsau aus geführt wird, fertigt auch Leiterplatten, verkauft Werkzeuge, bietet Finanzdienstleistungen, produziert Befestigungstechnik und vieles mehr.
Bekannt ist Würth als Schraubenhändler. Doch der Konzern, der von Künzelsau aus geführt wird, fertigt auch Leiterplatten, verkauft Werkzeuge, bietet Finanzdienstleistungen, produziert Befestigungstechnik und vieles mehr. © Foto: Jürgen Stegmaier
Künzelsau / Jürgen Stegmaier 09.01.2018
Der Künzelsauer Handelskonzern Würth verzeichnet ein Rekordjahr. 2017 sind Umsatz und Gewinn höher als je zuvor.

Würth investierte in den zurückliegenden Jahren viele Millionen Euro in den Ausbau der Informationstechnologie. IT-Fachkräfte wurden eingestellt und ausgebildet, Außendienstler geschult, eine eigene Datenautobahn gebaut, neue Rechenzentren in Betrieb genommen. 2017 schienen sich diese Anstrengungen bezahlt zu machen: Wie aus den am Montag vorläufig veröffentlichten Zahlen deutlich wird, wächst der Umsatz um rund 7,5 Prozent. Nach 11,8 Milliarden Euro 2016 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe, der mehr als 400 Gesellschaften in etwa 80 Ländern angehören, 2017 insgesamt 12,7 Milliarden Euro. In Lokalwährungen gerechnet beträgt das Wachstum nahezu 8 Prozent.

Plus von 25 Prozent

Der Gewinn (2016 rund 615 Millionen Euro) zieht viel deutlicher an. Noch sind die letzten Zahlen noch nicht zusammengestellt, doch alles deutet darauf hin, dass Würth ein Ergebnis einfährt, das zwischen 760 und 770 Millionen Euro liegen wird. Das würde einen Anstieg von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeuten. 2007 hatte Würth ein Ergebnis von 640 Millionen Euro verzeichnet – ein Rekord von langem Bestand. Diese Zahl wurde in den neun nachfolgenden Jahren nicht wieder erreicht, 2017 aber deutlich übersprungen.

„Es ist nicht nur die gute Konjunktur, die uns ein Rekordjahr beschert“, sagt Robert Friedmann, der Sprecher der Konzernführung, „es ist auch die Strategie, das Unternehmen an die Notwendigkeiten anzupassen.“ Damit dürfte der oberste Konzernlenker in erster Linie den Ausbau des Mehrkanalvertriebs meinen. Kunden kaufen in den Würth-Niederlassungen, sie bestellen bei den Außendienstlern, sie ordern aber mehr und mehr über die Online-Kanäle. Das E-Business wächst zweistellig. Die Online-Umsätze bewegen sich bei rund 2 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftet Würth schon nahezu jeden fünften Euro im Netz. „Diese Zahlen sind Motivation und Bestätigung zugleich, dass wir mit unserer Strategie des Multikanalvertriebs auf dem richtigen Weg sind. Der Bereich E-Business zieht stark an, was bedeutet, dass die Entwicklungen und Serviceleistungen, die wir gezielt auf die Bedarfe unserer Kunden abstimmen, den Nerv der Zeit treffen. Es geht immer mehr um Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit – das ist auch unseren Kunden wichtig“, wird Robert Friedmann in einer Pressemitteilung zitiert.

Stark in Süd- und Osteuropa

Würths Topmanager betont, dass das Wachstum im zurückliegenden Jahr nicht auf wenige Geschäftsfelder oder Regionen zurückzuführen ist. Vielmehr ziehe sich die Erfolgsbilanz quer durch die ganze Gruppe. Auffälligkeiten gibt es dennoch: So verläuft das Wachstum in Süd- und Osteuropa stärker als in vielen anderen Regionen. „Erhebliche Ergebnissprünge machen wir in Frankreich und Italien“, verrät Robert Friedmann. Überdurchschnittliche Zuwächse verzeichnet Würth für seine Geschäftseinheiten Elektronik und Produktion.

 Wird es auch 2018 der Fall sein, dass die Gewinne wesentlich stärker wachsen als der Umsatz? „Das glaube ich nicht. Wir gehen von einem Gewinnwachstum proportional zum Umsatz aus“, antwortet Robert Friedmann. Zwar werde Würth bei Ausgaben und Produktion weiterhin stringent auf die Kosten achten, doch mit einer so großen Differenz sei nicht erneut zu rechnen.

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