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Matthias Berg aus Esslingen ist ehemaliger Leistungssportler, Jurist und Hornist. Und er ist contergan-behindert. Am Dienstagabend hält er die Festrede zur Verleihung des Inklusionspreises im Haller Sonnenhof.

Matthias Berg war von 1980 bis 1994 Mitglied der Nationalmannschaften in der Leichtathletik, als Sprinter und Springer sowie im alpinen Skilauf. In dieser Zeit war er bei allen Paralympics und Weltmeisterschaften am Start und ist mit insgesamt 27 Medaillen einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt.

Heute vertritt er den Behindertensport sowohl in nationalen wie internationalen Gremien, bis hinauf ins IOC. Seit den Paralympics in Sydney im Jahr 2000 ist er regelmäßig der "ZDF-Experte" und Co-Moderator der Fernsehübertragungen von den Paralympics. Bei der Wahl des SWR "Unsere größten Sportler" im Dezember 2008 hat er den 8. Platz belegt, noch vor Jogi Löw, Jürgen Klinsmann, Dieter Thoma oder auch Martin Schmitt.

Studiert hat Matthias Berg Musik und parallel dazu Jura. Bereits mit sieben Jahren hat er angefangen Horn zu spielen, wurde vielfach dekoriert bei nationalen und internationalen Wettbewerben.

Als Jurist hat er verschiedene Stellen in der Landesverwaltung Baden-Württemberg durchlaufen. Von September 2003 bis März 2015 war er Stellvertreter des Landrats und Erster Landesbeamter im Landkreis Esslingen. Aus gesundheitlichen Gründen räumte er zum 1. April dieses Jahres seinen Schreibtisch. Nicht die körperliche Belastung, die seine Contergan-Schädigung zwangsläufig mit sich bringe, sei der Grund für sein Ausscheiden. "Es sind die Augen, die nicht mehr wollen", sagte Berg im Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Die Beschwerden, unter denen der 53-Jährige zunehmend gelitten hat, sind die Folgen einer Netzhautablösung. Die neu gewonnene Zeit möchte Matthias Berg seiner Familie widmen: er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Ein bis in die Vorstandsetagen gefragter Redner

Seit mehr als 25 Jahren geht er regelmäßig in Schulklassen, um mit Schülern über Sport und Musik zu sprechen und darüber, wie es sich mit einer Behinderung lebt, wie man eigene Grenzen und Barrieren überwindet, was Fairness im täglichen Umgang miteinander bedeutet und wie man seinen Platz im Leben findet. Matthias Berg hat dieses Talent perfektioniert und ist ein bis in die Vorstandsetagen gefragter Redner.

Er ist ein Fachmann in Sachen Inklusion, schreibt der Haller Sonnenhof. Deshalb hat sich die Einrichtung für geistig und mehrfach behinderte Menschen dazu entschieden, Berg als Festredner für die Verleihung des vierten Inklusionspreises einzuladen.

18 Projekte aus allen gesellschaftlichen Bereichen zum Thema Inklusion haben sich um den von der Stiftung Sonnenhof ausgeschriebenen Inklusionspreis im Landkreis Hall beworben. "Wir freuen uns, dass es in unserem Umfeld engagierte Menschen gibt, die sich für das Gemeinwohl beziehungsweise für inklusive Gemeinschaften in unserer Gesellschaft einsetzen", so die beiden Stiftungsvorstände Heinz Schüle und Pfarrer Michael Werner.

Info Der Festakt zur Verleihung des Inklusionspreises beginnt heute, Dienstag, 19 Uhr, in der Arche auf dem Sonnenhof. Der Eintritt ist frei.

Die bisherigen Träger des Inklusionspreises der Stiftung Sonnenhof im Landkreis Hall aus den Jahren 2014, 2013 und 2012

2014

1. Preis Crailsheimer Albert-Schweitzer-Gymnasium: mehrtägiges Turnier für Schüler mit und ohne Behinderung

2. Preis Lebenshilfe Schwäbisch Hall e.V.: die etwas andere Frühstückspause, junge Frauen mit Behinderung sorgen fürs Catering 3. Preis Volkshochschule Hall: wöchentliches Kunstforum für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf

2013

1. Preis Crailsheimer Bürgerwache: seit vielen Jahren Menschen mit Behinderung aktiv eingebunden

2. Preis Crailsheimer Jugendbüro und Offene Hilfen: zweiwöchige Ferienfreizeit für Kinder mit und ohne Unterstützungsbedarf

3. Preis Maria Leib: organisiert mehrmals in der Woche an der Steinbacher Grundschule Mittagessen für Schüler mit und ohne Behinderung

2012

1. Preis Evangelische Familienbildung Hall: Gymnastikgruppe XXL Molly, inklusive Kurse für Menschen in sozialen Notlagen und Menschen mit Behinderung

2. Preis Haller Vereine Teilauto und Barrierefrei: stellen seit Mai 2011 gemeinsam ein für Rollstuhlfahrer geeignetes Auto bereit

3. Preis: Kurt Möller von der TSG Schwäbisch Hall: bietet Menschen mit und ohne Behinderung einmal im Monat ein gemeinsames Fußballtraining an.

Sonderpreis Crailsheimer Liederbarde und Mundartdichter Werner Pikulski: organisiert einmal pro Jahr einen Busausflug für Menschen mit Behinderung

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