AWO Schwäbisch Hall Erfahrungsaustausch in drei Sprachen

Die Awo-Projektleiterin Karin Kücük (am Tischende) begrüßt die Frauen im Café Kibit. Neben ihr sitzt Dorothea Klingner. 
Die Awo-Projektleiterin Karin Kücük (am Tischende) begrüßt die Frauen im Café Kibit. Neben ihr sitzt Dorothea Klingner.  © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 02.11.2018
Die Haller Arbeiterwohlfahrt bietet Eltern mit Migrationshintergrund Informationen in lockerer Atmosphäre. Alle Wortbeiträge werden von Ehrenamtlichen übersetzt.

Frauen mit Kindern betreten das Schulgebäude. Die Kinder biegen gleich gut gelaunt ab in den Raum, in dem sie anderthalb Stunden spielend verbringen werden, betreut von zwei Erzieherinnen. Sie lesen heute die Geschichte von der Maus Frederic und gestalten bunte Herbstbilder.

Die Mamas gehen in einen anderen Raum, in dem der Tisch schon gedeckt ist mit Teetassen und Keksen. Die Stimmung ist gelöst, einige kennen sich schon, andere nicht. Sie sprechen mitei­nander – in verschiedenen Sprachen. Ein harter Kern von rund fünf Frauen ist dabei, weitere kommen und gehen an den Donnerstagen, wenn das Café Kibit abwechselnd in die Rollhofschule und in die Hessentaler Grundschule einlädt.

Karin Kücük, die Awo-Projektleiterin, begrüßt die Frauen. Sie kündigt die nächsten Termine und Themen an. Bei fast jedem Treffen gibt es einen kleinen Vortrag. Heute ist Dorothea Klingner von der Erziehungsberatungsstelle da. Sie spricht darüber, was Kinder in Deutschland lernen müssen. Von sich selbst erzählt sie, dass sie ihre ersten sechs Lebensjahre in Südafrika verbracht hat und danach mit dem Leben in Deutschland zuerst gar nicht zurechtkam.

Mütter kommentieren lebhaft

Kheira, die ehrenamtliche Assistentin, übersetzt ins Arabische, während Yasmin ihrer Sitznachbarin Shami auf Kurdisch übersetzt. Klingner nennt die vielen Unterschiede zu Deutschland und spricht an, was die Migrantinnen wohl auch so oder ähnlich empfunden haben. Tatsächlich folgen ihren Äußerungen lebhafte Kommentare der Mütter. Kheira übersetzt. Sie tauschen sich auf diese Art darüber aus, wie man mit Kindern spricht (nicht zu viel und nicht zu wenig), dass man ihnen Grenzen setzen sollte (zum Beispiel bei der Handynutzung oder den Schlafenszeiten), da­rüber, dass wir in Deutschland Kinder nicht schlagen und Kinder dazu erziehen, eine eigene Meinung zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen (allerdings nicht vor dem meterlangen Joghurtregal).

Jede Frau hat etwas zu sagen. Es bleibt ein ruhiges, sortiertes Gespräch trotz der Übersetzerpausen. Dorothea Klingner spricht langsam und in einfacher Sprache. Dazu bekommt sie zuvor von Karin Kücük Hinweise. Manche Frauen sprechen ein paar Worte Deutsch und wenden sie hier an. Der Kuchen, den Suzana gebacken hat, bleibt zunächst unberührt.

Ein paar Kinder, die zu klein sind oder nicht zur Kinderbetreuung wollten, sind mit im Raum. Die Mütter passen gut auf, dass sie nicht zu laut werden. Es herrscht eine respektvolle, freundliche Atmosphäre, jedem wird aufmerksam zugehört.

Die Frauen sollen erzählen, welche Probleme sie hier in Deutschland haben. Die meisten haben die üblichen, die Eltern eben so haben, vor allem mit Kindern im Teenageralter. Selma aus der Türkei, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt, bedauert, dass hier an Schulen der Gruppenzwang so stark sei. Da, wo Menschlichkeit zählen sollte, zählen nur Marken, meint sie.

Yasmin aus Syrien hat eine große Sorge: Sie war Lehrerin, bevor sie nach Deutschland kam. Aber hier kann sie ihren drei Kindern nicht beim Lernen helfen. „Ich kann ihnen nicht sagen, wie das ABC geht, und das, obwohl ich Lehrerin bin.“ „Aber Ihre Kinder werden von Ihnen lernen, wie groß ein Wille sein kann, eine Sprache zu lernen“, bestärkt Dorothea Klingner und lädt sie ein, einmal zu ihr in die Beratung zu kommen.

Die anderthalb Stunden gehen schnell vorbei. Manche Frauen helfen, aufzuräumen, andere sind noch ins Gespräch vertieft. Sie waren einen Nachmittag lang im moderierten Austausch, genossen die Gelegenheit, sich Gedanken zu machen zu Themen, die sie als Eltern angehen, aber selten besprochen werden – und das dreisprachig.

Kinder gut durch die Grundschulzeit begleiten

Das Café Kibit soll insbesondere Eltern mit Migrationshintergrund dabei unterstützen, ihre Kinder gut durch die Grundschulzeit zu begleiten. Bei den Treffen werden die geflüchteten Eltern mit dem deutschen Schulsystem vertraut gemacht.

Die Treffen finden jeden Donnerstag von 14.30 bis 16 Uhr statt, und zwar abwechselnd an den Grundschulen Rollhof und Hessental.

Neben Kaffee, Tee, Süßigkeiten und Obst gibt es Informationen zu schulischen und erzieherischen Themen und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Unter anderem geht es um Kinderbetreuung und die Vermittlung von Sprachen wie Arabisch oder Türkisch durch Elternmentoren der Bildungsregion.

Projektträger ist die Awo Schwäbisch Hall, gefördert wird das Projekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Interessierte können sich an Projektleiterin Karin Kücük wenden: karin.kuecuek@awo-sha.de. Info auch auf www.awo-sha.de

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