Wir haben auch mit einem Solarunternehmer gesprochen. Der sucht händeringend nach gut ausgebildeten Fachleuten, nach Handwerkern wie beispielsweise Elektrikern. Die können in Namibia rund 4000 Euro im Monat verdienen“, nennt SPD-Gemeinderat Rüdiger Schorpp eine Erkenntnis, die ihn überrascht hat.

Der zweite ehrenamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters war kürzlich gemeinsam mit dem ersten ehrenamtlichen OB-Stellvertreter Hartmut Baumann und mit OB Hermann-Josef Pelgrim einige Tage in Windhuk und Umgebung unterwegs. Sie haben unter anderem mit Politikern aus dem Bildungsministerium, mit Vertretern der kooperierenden Berufsbildungsbehörde, mit Schülern und Unternehmern gesprochen. Eine Erkenntnis: Es gibt eine große Nachfrage nach gut ausgebildeten Handwerkern. Die projektbezogene Partnerschaft der Stadt Hall mit der Waldorfschule in Windhuk hat den Schwerpunkt berufliche Bildung und kann helfen, diese Lücke zu schließen.

Die Waldorfschule arbeitet dabei mit der Berufsbildungsorganisation National Training Authority zusammen. Die zuständige Staatsbehörde will am neu entstehenden Berufsschulzentrum der Waldorfschule Lehrer ausbilden. Dort werden fast 300 Schüler aus allen Bevölkerungsschichten ausgebildet – unter anderem zu Elektrikern. Neben der Schulausbildung geht es vor allem darum, handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln. Werkstätten sind entstanden für Schreinerei/Holzverarbeitung, Landwirtschaft und Elek­trik/Sonnenenergie.

„Die neue Schule steht. Die Werkstätten sind in Betrieb. Derzeit wird die Ausstattung ergänzt und im Außenbereich gibt es noch Arbeiten zu erledigen“, macht Pelgrim den aktuellen Stand der Entwicklung deutlich. Gesamtkosten für den Neubau: rund 330.000 Euro.

Finanzielle Mittel fließen

Neben dem Neubau hat die Waldorfschule auch Geld für technische Ausstattung erhalten, beispielsweise für den Kauf von Werkzeug und Maschinen. Insgesamt flossen bislang 82.500 Euro für Neubau und Ausstattung von der Kocherstadt nach Windhuk. Ein Prozent der Gewinne der städtischen Töchter wird für Projekte in Namibia bereitgestellt. Als nächster Entwicklungsschritt soll nun die Begegnung der Menschen intensiviert werden, so der OB.

„Es müsste gelingen, gerade in der beruflichen Schulung potente Lehrkräfte zu gewinnen, die bereit wären, nach Ende ihrer beruflichen Tätigkeit für ein paar Monate nach Namibia zu gehen“, nennt Hartmut Baumann eine weitere praktische Vorstellung. Ein erfahrener pensionierter Berufsschullehrer oder Handwerksmeister im Ruhestand soll am Berufsschulzentrum mit seinem Wissen nicht nur die Schüler ausbilden, sondern vor allem die Berufsschullehrer in Windhuk fortbilden, um höhere Qualitätsstandards reinzubringen.

Ideen zur Weiterentwicklung

Schorpp nennt als mögliche Finanzierung das Senior-Expert-Programm der Bundesregierung und einen Anteil vom Prozent der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Haller Beteiligungsgesellschaft. Neben dem Programm der Bundesregierung soll in den Berufsschulzentren und bei Unternehmen im Landkreis Hall nachgefragt werden, um erfahrene Fachkräfte zu finden.

Es gibt weitere Vorstellungen zur Entwicklung der Partnerschaft: Absolventen mit guten Deutschkenntnissen der Waldorfschule Windhuk werden in städtischen Betrieben in Hall ausgebildet, beispielsweise als Elektriker und gehen dann nach Namibia zurück, wo diese ausgebildeten Handwerker gebraucht werden. Pelgrim nennt zudem im Sommer Sprachstipendien für Schüler aus Namibia am Haller Goethe-Institut, Schüleraustausch mit der Waldorfschule und den beruflichen Schulen in Hall, gemeinsame Aktionen beim Jugendtheater-Festival, freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr in Namibia.

Der nächste konkrete Termin ist im Januar geplant. Dann kommt der Leiter der Waldorfschule Windhuk eventuell nach Schwäbisch Hall oder Künzelsau, um über die aktuelle Entwicklung und den Haushalt der Schule zu berichten.

Windhuk und Hall: Blick auf weitere Projekte


Namibia gilt als eines der Länder mit der höchsten Sonneneinstrahlung. Deshalb hat auch die Stadtwerke- Tochter Solar Invest Interesse an einer Investition in den Bau von Solarparks in Namibia. Dort werde dazu aber derzeit eine neue gesetzliche Entwicklung diskutiert, die abgewartet werden soll, so OB Pelgrim. Zunächst entsteht eine Kleinanlage mit 40 bis 80 Solarmodulen an der Waldorfschule in Windhuk. Damit können Schüler das Thema Solarstrom kennenlernen. Es gibt noch eine weitere Entwicklung, die sowohl mit der Waldorfschule in Windhuk als auch mit dem Landkreis Schwäbisch Hall verbunden ist. Auf der Farm Krumhuk südlich von Namibia soll eine kleine Wurstmanufaktur entstehen. Das Projekt wird von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall unterstützt, informiert Pelgrim. „Es gibt eine Marktlücke im Bereich Konserven in Namibia“, nennt SPD-Gemeinderat Rüdiger Schorpp den Hintergrund. Probleme mit Fleisch- und Wurstwaren entstehen bei großer Hitze. Ein Gegenmittel: mehr Wurst und Fleisch in Dosen länger haltbar machen. Ziel: Am Ende des Jahres soll die Fabrik stehen.