Schwäbisch Hall Haller Solbad wurde vor 50 Jahren abgerissen

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 13.02.2018
Die Idee, aus Hall eine Kurstadt zu machen, scheiterte vor einem halben Jahrhundert. Das neue Solebad soll 2019 saniert werden.

„Es gab bei uns bis Anfang der 1950er-Jahre kein Badezimmer im Haus. Wir sind ab und zu ins Solbad gegangen. Dort gab es Wannenbäder, um sich zu säubern“, erinnert sich Sigrid Müller (91) aus Schwäbisch Hall an die Zeit von einst.

Doch vor 50 Jahren endete diese Tradition in Hall: Das Solbad auf dem Unterwöhrd wurde abgerissen. Wer sich heute die größere der beiden Kocherinseln anschaut, kann sich das Ausmaß der Gebäudeflügel kaum ausmalen. Fast die ganze nördliche Inselspitze war überbaut – einzig der Bereich, in dem im Sommer die Biergartentische stehen, blieb frei. Das Solbad erfüllte viele Zwecke: Badeanstalt, Hotel, Gaststätte, Tanzsaal, Postkartenmotiv und zentraler Treffpunkt in der Innenstadt.

Dem Erfolg ging eine Krise voraus. Wegen der Steinsalzbergwerke wurde die Soleverarbeitung in Hall unrentabel. So steht es im Artikel von Jakob Jung im Buch des Haller Stadtarchivs „Auf Leben und Tod“. Die Sole sprudelte seitdem nutzlos aus der Erde. Oberamtsarzt Dr. Ernst Gottlob Dürr schlug dem Rat vor,  ein Heilbad einzurichten. Im Alten Schießhaus wurden sechs Badezimmer abgetrennt. Jährlich liefen 3000 bis 4000 Wannen voll. Im Jahr 1838 logierten 138 fremde Kurgäste in der Stadt. Mit dem Anschluss an die Bahn im Jahr 1862 schienen sich viele Hoffnungen zu erfüllen. 1880 wurde der Solbadneubau eingeweiht. 1907 wurden 20.000 Eintrittskarten verkauft. „Das in gutem Geschmack erbaute Solbad“, wie es Schriftstellerin Ricarda Huch formulierte, bot neben Badewannen auch Duschen sowie ein römisch-irisches und ein russisch-türkisches Bad an. Stolz gab sich die Stadt den Beinamen „Luftkurort“ und „Solbad“. Nach dem Umbau im Jahr 1928 verlor das Bad seine Fachwerkaußenfassade. Der markante Turm sah seitdem schmucklos aus.

Über viele Jahre war das Solbad ein Zuschussbetrieb – zuletzt mit 75.000 Mark jährlich. Aus dem Traum, eine Kurstadt zu werden, wurde nichts. Die Konkurrenz ist groß. Kurgäste sind anspruchsvoll. „Das Solbad genügt in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen“, steht im Februar 1968 im Haller Tagblatt. Im Artikel über den Abriss kommt auch das Ehepaar Burkhardt zu Wort, das 34 Jahre lang das Hotel betrieben hat. Ohne kritischen Hinweis auf die Naziverbrechen wird im Artikel der prominenteste Besucher genannt: Heinrich Himmler, der später im NS-Staat für die Konzentrationslager zuständig war, badete vor dem Reichsparteitag in Nürnberg im Jahr 1936 in Hall.

Idee für einen Neubau

Eine Firma – ausgerechnet aus der Kurstadt Bad Mergentheim – setzt dem Aushängeschild des Haller Kurbetriebs ein Ende. Die Arbeiter tragen mit Spitzhacken bewaffnet in wenigen Wochen das Gebäude ab. Haller Bürger äußern ihren Missmut: „Es ist ein Jammer, dass sich Hall stets auf das Salz beruft, während die Sole den Bach hinuntergeht.“ Hotelier Theo Dürr forcierte die Idee, im Zuge der Erweiterung des Hotels Hohenlohe, ein Bad zu bauen. Die Stadtverwaltung will sich an dem Projekt beteiligen. Im Jahr 1982 wird das Solbad eröffnet.

Salz greift Lüftung an

Das Gebäude des Solbads auf der Weilerwiese gehört den Stadtwerken Schwäbisch Hall. Für die Betreibergesellschaft sind hingegen sowohl Stadtwerke als auch Hotelleitung verantwortlich. Hotelier Volker Dürr sagt: „Das alte Bad ist 35 Jahre alt und wurde nur zum Teil erneuert.“ Daher sei im Jahr 2018 eine Investition in die Lüftung nötig. Die sei von der salzhaltigen Luft in Mitleidenschaft gezogen worden. Aus den Becken im alten Teil des Bades sickere Wasser in die Kellerräume. „Da haben sich Salzstalaktiten gebildet“, sagt Dürr. Derzeit werde untersucht, wie schwer der Schaden sei. Was genau im Jahr 2019 renoviert wird, werde derzeit geklärt. Damit Kunden auch Vorteile sehen, soll der Sauna-Außenbereich verbessert werden. tob