Wir haben eine Umfrage unter den Elternbeiräten der einzelnen Tagesstätten gestartet“, berichtet Silvia Wagner, Vorsitzende des Gesamt­elternbeirats. Noch sei das Ergebnis nicht da. „Es gibt einzelne Einrichtungen, in denen sich Eltern über die Erhöhung beschweren.“

Sie will mit ihren Kolleginnen die Ergebnisse zusammentragen und noch vor der nächsten Gemeinderatssitzung am 14. November präsentieren. Die Elternvertreter hatten vor drei Jahren das neue Gebührensystem befürwortet, da es Familien mit mehreren Kindern entlaste. Nach ihrer persönlichen Meinung gefragt, sagt Wagner: „Ich finde, die Erhöhung erfolgt jetzt zu schnell.“

Ab 1. Januar 2019 sollen die Kindergartengebühren in städtischen Einrichtungen zwischen 6,3 und 6,7 Prozent angehoben werden. In den Jahren zuvor ging es ebenfalls nach oben. Damit sind sie doppelt so hoch wie in Crailsheim (siehe Info).

Ganz gegen Kindergartengebühren ist Uta Rabe (CDU): „Ich bin seit 25 Jahren im Rat. Ich war immer schon für die gänzliche Abschaffung der Kita-Gebühren. Die Stadt hat viel Geld für andere, zum Teil unsinnige Dinge ausgegeben.“

Das Thema kam am Montag erneut auf die Tagesordnung des Verwaltungs- und Finanzausschusses. Neu: Die SPD-Fraktion hat nach internen Beratungen nun die Entscheidung getroffen, gegen die Erhöhung zu stimmen. „Wir wollen in Richtung Beitragsfreiheit gehen“, gibt Fraktionssprecher  Helmut Kaiser die Richtung vor.

Helmut Kaiser und Rüdiger Schorpp eröffnen den Kampf um die Kommunalwahl im Mai 2019: Das Land habe 5,5 Milliarden Euro vom Bund für die Kitas erhalten. Es sei eine Entscheidung der Grün-Schwarzen-Regierung, das Geld nicht weiterzureichen, meint Schorpp (SPD). „Und für den Grünen-Kollegen im Gemeinderat ist das kein Anlass, in Stuttgart Dampf zu machen“, ruft Kaiser aus und wendet sich an Joachim Härtig. Kaiser setzt seine Abrechnung fort: „Widersprüchliches Verhalten hat bei den Grünen Methode.“ Bei jedem Bauprojekt seien die Grünen dagegen. Kaiser: „Aber selbst sitzt man im Eigenheim.“

Joachim Härtig (Grüne) verweist auf Erfolge der Landesregierung: „Es gibt auch eine ganze Menge Geld für die Verbesserung der Qualität in den Kindergärten.“ Er grenzt sich von den Landes-Grünen ab. „Irgendwo müssen wir hier ja auch mal für was stehen.“ Er wundert sich über die Kritik aus der SPD, mit der er aber leben könne: „Quo vadis, SPD? Macht was ihr wollt!“

Thomas Preisendanz (FDP) betont: „Ich bin für eine Gebührenabschaffung. Sie muss aber vom Land kommen.“ Friedrich Waller (FWV) hält die Verwaltungsvorlage für eine „runde Sache“. Er sagt: „Natürlich sind wir für eine Gebührenfreiheit.“ Aber die Stellschraube sei anderswo, nämlich bei der Landesregierung.

Knappe Mehrheiten

Falls im Gemeinderat am 14. November Grüne, SPD, die Fraktionslose Damiana Koch und Uta Rabe (CDU) gegen die Erhöhung votieren, fehlt ihnen allerdings noch eine Stimme zur Mehrheit (falls alle Räte zur Sitzung erscheinen).

OB Hermann-Josef Pelgrim betont erneut, dass die geplante Erhöhung moderat sei und noch unter dem im Gemeinderats-Grundsatzbeschluss befürworteten Satz liege. 54 Prozent der Kinder profitieren von einem Geschwisterbonus (halber Preis) und weniger einkommensstarke  Familien würden sowieso vom Landkreis Geld für die Kita erhalten. Wer auf  geplante Einnahmen verzichte, müsse an einer anderen Stelle sparen.

Eine eigene Sichtweise eröffnet Friedrich Bay (FWV): „Die Eltern aus den unteren Schichten können mit ihren Kindern nicht einmal 300 Meter zum Kindergarten gehen. Sie fahren mit dem Auto. Geld spielt dabei keine Rolle.“

Kosten pro Monat für Betreuung im Kindergarten


Michelfeld 99 Euro (Nettoeinkommen unter 1500 Euro im Monat), 160 Euro (Nettoeinkommen mehr als  3000 Euro) – 9- Stunden-Betreuung pro Tag.

Rosengarten 86 Euro (bis 1000 Euro Nettoeinkommen), 198 Euro (ab 3500 Euro Nettoeinkommen) – für jeweils 10-Stunden-Betreuung des Kindes pro Tag.

Crailsheim 111 Euro (9 Stunden). 150 Euro (10 Stunden).

Öhringen 264 Euro
(10 Stunden).

Künzelsau 212 Euro
(10 Stunden).

Hall Für 9 Stunden: 221 Euro (alt), 235 (neu). Für 10 Stunden:  247 (alt), 263 Euro (neu).