Schwäbisch Hall Eltern sollten cool bleiben

Um einen Vater-Sohn-Konflikt geht es im Film "Das Haus am Meer" aus dem Jahr 2002. Der Modellbauer George Monroe und sein Sohn Sam nehmen gemeinsam ein Bauprojekt in Angriff und söhnen sich dabei aus.
Um einen Vater-Sohn-Konflikt geht es im Film "Das Haus am Meer" aus dem Jahr 2002. Der Modellbauer George Monroe und sein Sohn Sam nehmen gemeinsam ein Bauprojekt in Angriff und söhnen sich dabei aus. © Foto: dpa
Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ 26.11.2014
Zwischen Junge und Mann - wer bin ich und wer will ich sein? Wer ist mein Vorbild? Wohin mit meiner plötzlichen Kraft? Eltern sind peinlich. Reden fällt schwer. Eine schwierige Zeit - für Söhne und Eltern.

Über den Sinn und Unsinn von Seminaren lässt sich einiges zusammentragen. Hat es was gebracht? Nur hohle Theorie am Flipchart festgehalten? Anzunehmen, dass auch nach dem Seminar von Tilman Gerstner, organisiert von der Evangelischen Familienbildung und der VHS, die Teilnehmer nicht als Supermuttis rausgehen und eine Lösung haben, wie sie mit ihren pubertierenden Jungs umgehen. Aber eines ist sicher: Es tut gut. Es tut gut, weg von Zuhause einmal über Zuhause nachzudenken. Von anderen zu hören, dass es in deren Zuhause genauso zugeht.

Kleine Erkenntnisse, vielleicht nur eine, die aber eine große Wirkung haben kann. Zum Beispiel die, ein Vorbild zu sein. "Ich motze ja selber immer rum", bekennt eine Teilnehmerin am Ende. "Jetzt muss ich schon wieder Weihnachtsgeschenke kaufen, klingt ja vielleicht auch nicht so toll für meine Söhne. Da bin ich auch kein gutes Vorbild. Eigentlich fühle ich ganz anders."

Genau das ist es, was uns zu guten Eltern macht: authentisch sein. Sag, was du brauchst! Aber sag es nicht auf solchen Umwegen.

Tilman Gerstner verteilt eine Liste: 81 Erziehungstipps für Jungen vor und in der Pubertät. Die wichtigsten, die an diesem Abend besprochen werden, kommen aus den Bedürfnissen der drei Frauen und einem Mann, die zum Seminar im Brenzhaus erschienen sind. Wie gehe ich mit dem Mediengebrauch meines Sohnes um? Wie schaffe ich es, dass er auf mich hört? Zum Beispiel um sein Zimmer aufzuräumen. Ich wünsche mir, dass er meinen neuen Freund akzeptiert.

Die Formel lautet: Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit verbinden. Den Sohn und seine Bedürfnisse respektieren, daher kommt die Leichtigkeit. Aber als Mutter bzw. Vater hat man auch seine Bedürfnisse, diese bringen die Ernsthaftigkeit.

Ein weit verbreitetes Problem unserer Gesellschaft ist der übermäßige Medienkonsum. Wie viel Zeit darf das Kind im Internet verbringen? Muss ich die Kommunikation kontrollieren? Wie viel Privatsphäre muss ich meinem Pubertierenden zugestehen? Gerstner rät, Verträge zu machen. "Solange du noch keine 18 bist, gehört das Handy mir und du mietest es", könnte dieser lauten. Mündlich oder schriftlich wird zum Beispiel vereinbart, dass die Eltern einmal wöchentlich hineinschauen dürfen.

Tilman Gerstner ruft zu mehr Lässigkeit auf. Es sei nicht erwiesen, dass der Medienkonsum schadet, solange es dafür ausgleichende Beschäftigungen gibt. Wer viel Sport treibt, könne auch lange Nächte vor dem Computer aushalten.

Wichtig im Umgang mit Pubertierenden ist, Verantwortung zu übertragen. Gerstner erinnert sich selber an seine Rolle als Jungscharführer. "Ich hatte sogar einen Schlüssel zum Gebäude", und er erinnert sich, wie stolz er damals war. Im häuslichen Bereich ist es schwieriger, verantwortungsvolle Aufgaben zu verteilen. Dem Kind selbstständig die Rasenpflege zu überlassen zum Beispiel gehe gut. Aber nicht kontrollierend und besserwisserisch und auch nicht zu sehr lobend. Authentisch eben.

Die Frauen und der Mann gehen gut gelaunt nach Hause. Gut vorstellbar, dass sie in den nächsten Tagen etwas milder mit Konflikten umgehen. Und letztlich gibt es einen Trost: Pubertät ist nur eine Phase. Irgendwann lösen sich die Probleme von selbst.

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