Schwäbisch Hall Kongress: Eiweiß umweltfreundlich produzieren

Die Hauptakteure auf dem Kongress: (von links) der rumänische Staatssekretär Alexandru Potor, der ungarische Minister Dr. Istvan Nagy, der frühere österreichische Minister und EU-Kommissar für Landwirtschaft Dr. Franz Fischler, Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und Matthias Krön, Präsident von Donau Soja.
Die Hauptakteure auf dem Kongress: (von links) der rumänische Staatssekretär Alexandru Potor, der ungarische Minister Dr. Istvan Nagy, der frühere österreichische Minister und EU-Kommissar für Landwirtschaft Dr. Franz Fischler, Rudolf Bühler von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und Matthias Krön, Präsident von Donau Soja. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Sigrid Bauer 21.06.2018
In Europa den Sojaanbau und die Vermarktung zu fördern, ist eines der Ziele des Donau-Soja-Kongresses im Schwäbisch Haller Neubau-Saal. Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft ist Mitveranstalter.

Der Fleischverzehr steigt weltweit immens an. Rund 82 Kilogramm Fleisch und Wurst isst der Deutsche durchschnittlich im Jahr. „Doppelt so viel, wie für uns gesund ist“, stellt Birgit Wilhelm  vom WWF Deutschland beim Donau-Soja-Kongress im Haller Neubau-Saal fest. „Wenn wir in diesem Stil weitermachen, steigt allein durch den Fleischkonsum die Erdtemperatur um zwei Grad“,  warnt der Österreicher Dr. Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar für Landwirtschaft.

Die Savanne wird verdrängt

Rund 80 Prozent seines Sojabedarfs für Futtermittel deckt Deutschland in Südamerika. „Vor allem in Paraguay“, sagt Birgit Wilhelm. 55 Prozent der ehemaligen Savannen in Südamerika seien jetzt von Sojaäckern bedeckt. „Reine Monokulturen ohne Fruchtfolge“, betonte sie in ihrem Vortrag. Nur fünf Prozent des Sojabedarfs deckt Deutschland durch eigenen Anbau. Es sei deshalb wünschenswert, die Sojaerzeugung hier zu steigern, so Ministerialdirektorin Grit Puchan aus dem Landwirtschaftsministerium in Stuttgart. Bayern und Baden-Württemberg sind aktuell die Haupterzeuger. Schon jetzt ist die Bundesrepublik der größte Markt für Soja und für gentechnikfreie Sojaprodukte in Europa.

„Fleisch frisst Land“

Alle Referenten betonen, wie wichtig eine Strategie ist, um den Anbau der Sojapflanze in Europa zu fördern. Selbstverständlich muss die Produktion nachhaltig, verantwortungsvoll und gentechnikfrei erfolgen. Dafür soll auf politischer Ebene in der EU, in den EU-Mitgliedstaaten, auf landwirtschaftlicher und Verbraucher­ebene geworben werden. Dem Konsumenten müsse der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Landverbrauch klar werden. Eine WWF-Studie, die Birgit Wilhelm anspricht, hat dafür einen griffigen Titel: Fleisch frisst Land.

Die Mitglieder der Donau Soja gehen aber einen anderen Weg: Sie bauen nur auf schon bestehenden Äckern Soja an, Land umgebrochen wird dafür nicht. Doch insgesamt werden in Europa nur auf zwei bis drei Prozent der Ackerflächen Leguminosen (Hülsenfrüchte) angebaut, zu denen Soja, aber auch Bohnen, Erbsen und die Lupine gehören. Solange Europa aber noch Soja einführt, müssen auch für die Importe die Standards, allen voran nachhaltiger und ethisch verantwortungsvoller Anbau, eingehalten werden.

Soja tut dem Ackerboden gut

Aus Birgit Wilhelms Sicht kann der Sojaimport drastisch gesenkt werden. „Ein Rind braucht kein Soja. Außerdem gibt es Alternativen. Wir könnten 65 Prozent des Soja durch heimische Leguminosen ersetzen“, ist sie überzeugt. Der Anbau von Leguminosen tut dem Boden gut: Knöllchenbakterien, die an der Wurzel leben, können Stickstoff aus der Luft binden, den die Pflanze aufnimmt. Sie braucht also weniger Stickstoffdünger als andere Ackerpflanzen. Es bleibt nach der Ernte sogar genug Stickstoff in der Erde, dass die nächste Frucht auch noch davon profitiert.

Passende Sorten gesucht

Aber nicht jede Sojasorte fühlt sich bei uns wohl. Grit Puchan wies auf die notwendige Zusammenarbeit Baden-Württembergs mit internationalen Soja-Experten hin. „Um Sorten für unser Klima zu entwickeln, brauchen wir globale Kooperationen“, meint sie. Vor allem von den chinesischen Experten, die mit einer Delegation auf dem Kongress vertreten sind, erhofft sie sich Unterstützung. In China hat Soja eine lange Tradition als Nahrungsmittel. Die Bohne enthält wertvolles pflanzliches Protein. „Die jüngere Generation zeigt uns, wie es geht, und isst weniger tierisches Eiweiß und mehr pflanzliches Eiweiß“, stellt Franz Fischler fest.

Der Anbau und der Import von Sojabohnen in Europa

Donau Soja und Europe Soya: Unter der Marke Donau Soja setzt sich die gleichnamige Organisation mit Sitz in Wien für den Sojaanbau in der Donauregion ein, und unter der Marke Europe Soya will sie den Sojaanbau im gesamten europäischen Raum voranbringen. Sie fördert eine gentechnikfreie, nachhaltige und regionale Eiweißversorgung. Mitglieder der Organisation sind beispielsweise Saatzuchtbetriebe, Agrarhändler, Verarbeiter von Soja, wissenschaftliche Institute und Lebensmitteleinzelhändler.

In der EU wurde für die Jahre 2016 und 2017 ein Import von Bohnen und Sojaschrot von 33 Milllionen Tonnen verzeichnet. In der gleichen Zeit wurden in der EU nur 2,4 Millionen Tonnen Soja produziert, vor allem in Italien und im Donauraum (Österreich, Ungarn, Kroatien, Rumänien). In Deutschland wurden in 2016 und 2017 6,7 Millionen Tonnen Sojabohnen und -schrot importiert. Die Produktion betrug im Jahr 2016 auf 15 000 Hektar Fläche 41 000 Tonnen, im Jahr 2017 waren es auf 19 000 Hektar Fläche  60 000 Tonnen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel