Landkreis Einrichtung stationäres Hospiz: Erfahrungsbericht aus Biberach vor Kreisräten

Eine Kerze beleuchtet einen Sessel im stationären Hospiz in Ulm. Im Landkreis Hall kümmert sich eine Projektgruppe um das Thema stationäres Hospiz. Im Haushaltsplan 2016 sind dafür noch keine finanziellen Mittel vorgesehen.
Eine Kerze beleuchtet einen Sessel im stationären Hospiz in Ulm. Im Landkreis Hall kümmert sich eine Projektgruppe um das Thema stationäres Hospiz. Im Haushaltsplan 2016 sind dafür noch keine finanziellen Mittel vorgesehen. © Foto: Mathias Kessler
Landkreis / MARCUS HAAS 11.12.2015
Knackpunkt Finanzierung: 60.000 von benötigten 100.000 Euro erzielt die St. Elisabeth-Stiftung durch Spenden für ihr stationäres Hospiz in Biberach. Vorstandssprecherin Annemarie Strobl berichtet und macht Mut.

Ambulante Hospizgruppen begleiten todkranke Menschen und deren Angehörige auf ihrem letzten Weg. Das gibt es im Landkreis Schwäbisch Hall, aber noch kein stationäres Hospiz. Das könnte sich ändern: Vor rund einem Jahr wurde von der Kreisverwaltung eine Projektgruppe gegründet, die das Thema weiter voranbringen soll. Vorrangige Aufgabe: Auslastungsgrad und Herkunftsstruktur bei anderen Hospizen erheben.

Vier Grundfragen sind zu klären

Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Projektgruppe von Erfahrungsberichten, um die Machbarkeit im Landkreis besser einschätzen zu können. "Wenn Sie ein stationäres Hospiz einrichten, dann müssen Sie voll und ganz Ja dazu sagen und es zur Sache aller Bürger im Kreis machen, dann wird es ein Erfolg", sagt Annemarie Strobl im Sozialausschuss. Die Vorstandssprecherin liefert einen solchen Erfahrungsbericht aus dem Haus Maria. Das ist ein stationäres Hospiz in der Stadtmitte von Biberach. Die Finanzierung sei dabei die größte Herausforderung. Das Haus Maria hat acht Plätze, das koste rund eine Million Euro im Jahr. Derzeit muss der Träger zehn Prozent selbst aufbringen, also 100.000 Euro, ab 2016 werden es durch ein neues Gesetz noch fünf Prozent sein. "Das Hospiz bekommt viele Spenden. Es ist das Hospiz des Landkreises und die Bürger haben es zu ihrer Sache gemacht", freut sich Strobl.

Die Vorstandssprecherin rät dazu, am Anfang vier Grundfragen zu klären: Ist der Bedarf gegeben? Haben wir ein geeignetes Grundstück/Gebäude? Wer betreibt das Hospiz? Wie erfolgt die Abmangelfinanzierung? Beispiel Bedarf: Um diesen zu ermitteln, wurden statistische Daten erhoben, die medizinische Versorgung überprüft, niedergelassene Ärzte und Pflegedienste befragt. Von der Rechnung 50.000 Einwohner auf einen Hospizplatz hält Annemarie Strobl nichts. Das sei längst veraltet.

"Wir sind noch nicht weit genug. In den Haushalt 2016 können keine finanziellen Mittel eingestellt werden. Einverstanden?", macht Landrat Gerhard Bauer in Richtung SPD deutlich. "Ja", antwortet Bettina Wilhelm (SPD). Die SPD-Fraktion hatte die Verwaltung im Kreistag aufgefordert, die Realisierung eines stationären Hospizes tatkräftig voranzutreiben, zu erwartende Kosten zwischen 50.000 und 100.000 Euro seien verkraftbar.

Ende 2016 Klarheit über Finanzierung

Wie geht es weiter auf dem Weg zu einem möglichen stationären Hospiz im Landkreis? Die Kreisverwaltung will im ersten Quartal 2016 zu einer weiteren Sitzung der Projektgruppe einladen, die sich erstmals im April 2015 getroffen hat. Dabei sollen Fragen des Bedarfs, der Machbarkeit, der Trägerschaft sowie Standortfragen diskutiert werden. Falls ein Träger gefunden wird, dann wäre auch darüber zu entscheiden, ob der Landkreis einen Teil der fehlenden finanziellen Mittel übernimmt. "Die Projektgruppe gibt es seit rund einem Jahr. Wir sollten es vollends zu unserer Sache machen und es in 2016 schaffen, den Bedarf für ein stationäres Hospiz zu klären", sagt Jens Zielosko (CDU). Ende 2016 sollte dann auch klar sein, welche Mittel in den neuen Haushalt eingestellt werden sollten.

Haus Maria: Stationäres Hospiz in Biberach

Betreiber Die St. Elisabeth-Stiftung betreibt seit 2011 das stationäre Hospiz Haus Maria mit 8 Plätzen mitten in Biberach. Der gemeinnützige Träger ist eine kirchliche Stiftung privaten Rechts und wurde 1999 durch Franziskanerinnen gegründet. Ein zweites Hospiz soll im Januar 2016 in Ravensburg eröffnet werden.

Stellen Eine examinierte Pflegefachkraft leitet das Haus Maria. Zudem arbeiten 19 Pflegefachkräfte, drei Hauswirtschaftskräfte und ein FSJ-ler im Hospiz.

Gäste Die Anzahl der Gäste liegt zwischen 80 und 95. Es seien selten Plätze frei, alle Gäste willkommen, das Alter liege zwischen 34 und über 90 Jahre, erläutert Annemarie Strobl von der St. Elisabeth-Stiftung. 75 Prozent der Gäste kommen aus dem Landkreis Biberach, ein kleiner Teil aus Nachbarkreisen und selten aus weit entfernten Gegenden.

Finanzierung 100000 Euro müssen 2015 aus eigener Kraft finanziert werden. Das Modell steht auf vier Säulen: 60 Prozent auf 15 Jahre sollen Landkreis, Stadt, Sparkassenstiftung und Bürgerstiftung tragen; 20 Prozent eine kirchliche Hospizstiftung und je 10 Prozent durch Spenden und Förderverein. Die aktuelle Entwicklung zeige, dass allein 60.000 Euro durch Spenden gewonnen werden, macht Vorstandssprecherin Strobl deutlich. cus

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