Rübezahl-Schokoladen hat 2013 die Reutter Zuckerwarenfabrik übernommen. Der Betrieb im Rosengartener Teilort Westheim soll Ende Mai 2014 schließen. Die Produktion der Zuckerwaren wird wohl an den Rübezahl-Standort Werningerode verlegt. Mitarbeitern in Westheim wurde gekündigt. 1000 Euro Abfindung hatte Rübezahl zunächst jedem Beschäftigten geboten - unabhängig von Faktoren wie Betriebszugehörigkeit oder Verantwortungsbereich. Dieses Angebot wurde als dreist empfunden. Bei einem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht sorgte es für Gelächter unter den Reutter-Mitarbeitern, die versucht hatten, ihren Kündigungsschutz einzuklagen.

"Die wirtschaftliche Lage der Rübezahl Schokoladen GmbH kann insgesamt als sehr gut bezeichnet werden" schreibt das Unternehmen in seinem veröffentlichten Geschäftsbericht 2012/2013. Die gute wirtschaftliche Lage scheint sich allerdings in einer neuen Abfindungsregelung der Reutter-Belegschaft nur eingeschränkt widerzuspiegeln. Rübezahl stelle jetzt einen Betrag um 150.000 Euro an Abfindung für alle Beschäftigten in Westheim (rund 60) zur Verfügung für den Fall, dass die Kündigungsschutzklagen der Reutter-Mitarbeiter zurückgezogen werden. Das scheint erfolgt zu sein. Ein Informant, der aus der Mitte der Belegschaft kommt, will sich nicht offenbaren, um "Anfeindungen und Repressalien durch die Geschäftsführer" aus dem Weg zu gehen.

Die Belegschaft habe selbst darüber entscheiden können, wie das Geld auf einzelne Mitarbeiter verteilt wird, so eine vertrauliche und glaubwürdige Information an die Redaktion.

Weder Geschäftsführung noch Belegschaftsvertretung wollten dazu Stellung nehmen. In der Vereinbarung ist eine Stillhalteklausel vereinbart, räumt der Rübezahl-Pressesprecher ein. Für den Fall, dass diese verletzt werde, behalte sich Rübezahl vor, die Vereinbarung nicht einzulösen, befürchten Reutter-Mitarbeiter.

Uwe Gensmantel, Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) weiß davon, dass die Belegschaft der Regelung zugestimmt hat. "Die wollten nicht länger rumstreiten", sagt der Gewerkschafter. Eine Abstimmung in der Belegschaft sei nahezu einstimmig ausgefallen, so Gensmantel.

Derzeit laufe die Produktion in Westheim noch in anderthalb Schichten - zumindest auf den Maschinen, die noch nicht an den neuen Standort abtransportiert wurden.