Einiges im Köcher

Michael "Mitch" Schmitt am Mikrofon und Gitarrist Jörg "Warthy" Wartmann beim Konzert im Stage Club.
Michael "Mitch" Schmitt am Mikrofon und Gitarrist Jörg "Warthy" Wartmann beim Konzert im Stage Club. © Foto: Hartmut Ruffer
HARTMUT RUFFER 05.11.2014

Für Freunde härterer Klänge gibt es in Schwäbisch Hall nicht gerade ein Überangebot. Deshalb ist es aus Fan-Sicht schade, dass am vergangenen Samstag zwei Rock-/Heavy-Metal-Konzerte um Besucher buhlen: In der Kantine feiert die Rockshow mit zahlreichen Gästen ihr zehnjähriges Bestehen, im Stage-Club spielen Justice. Beiden Veranstaltungen gemein: Es geht ums Covern, also das Nachspielen bekannter Songs.

Der Zuschauerzuspruch im Stage-Club war verhalten, während es bei der Rockshow ziemlich eng wurde. Doch die rund 200 Fans sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn Justice - schon öfter in Hall zu Gast - liefern einmal mehr ein furioses Konzert ab.

Die Franken sind langjähriger Beweis dafür, dass es nicht nur darum geht, Songs einfach nachzuspielen. Das können viele Bands. Doch Justice sind deshalb immer noch gefragt, weil sie auf der Bühne Spaß versprühen und vor allem Charisma besitzen. Die Technik hat jeder Einzelne des Quintetts sowieso. Schlagzeuger Dan Zimmermann beispielsweise war viele Jahre der Drummer der bekannten deutschen Heavy-Metal-Band Gamma Ray.

In drei Blöcken spielen sich Justice durch die Heavy-Metal-Geschichte, berücksichtigen auch Bands aus der zweiten Reihe wie Eluveitie oder Pain. Und wer als einen der ersten Songs Accepts "Balls To The Wall" spielt, der muss noch einiges im Köcher haben - und Justice haben das.

Gitarrist/Sänger Frank Graffstedt hat zwar nicht ganz die Körpergröße des im April 2010 viel zu früh verstorbenen Pete Steele (Type O Negative), doch im Habitus und Stimmfärbung reicht er sehr nahe an das Original heran. "Black No. 1" und "I Dont Wanna Be Me" klingen großartig.

Das Publikum ist anfangs noch sehr verhalten. Michael "Mitch" Schmitt nimmt das gelegentlich aufs Korn. Aber je näher der Morgen kommt - Justice spielen bis fast 3 Uhr in der Früh -, desto mehr tauen die Besucher auf, auch wenn es im Vergleich zu anderen Justice-Shows noch reichlich Platz nach oben gegeben hätte. Bei "Es wird schlimmer" von den Apokalyptischen Reitern aber sieht man auf und vor der Bühne strahlende Gesichter. Wer lange Haare hat, bringt diese in Wallung.

Justice haben wie immer Spaß gemacht. Deshalb wünscht man sich, dass die Organisatoren in der Zukunft ein glücklicheres Händchen bei der Terminauswahl haben. Dass es dann nicht heißt: Entweder Rockshow oder Justice, sondern sowohl als auch.

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