Schwäbisch Hall Nur kurz Ehrenbürger: Eingeholt von der Vergangenheit

Der damalige Haller OB Karl Friedrich Binder (rechts) überreicht am 12. September 1993 die Ehrenbürgerurkunde an Wilhelm Pfeifer.
Der damalige Haller OB Karl Friedrich Binder (rechts) überreicht am 12. September 1993 die Ehrenbürgerurkunde an Wilhelm Pfeifer. © Foto: Archiv/Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 12.09.2018
Vor 25 Jahren wurde Wilhelm Pfeifer Schwäbisch Haller Ehrenbürger. Nach einem halben Jahr gab er die Urkunde zurück.

Er hat sich um Hall verdient gemacht, aber er war umstritten: Dr. Dr. Wilhelm Pfeifer. Vor 25 Jahren wurde er zum Ehrenbürger ernannt. Doch es muss ein unangenehmer Festakt gewesen sein, damals im Rathaus: Auf dem Marktplatz standen rund 60 Menschen, die mit Trillerpfeifen protestierten. Drinnen wurde eine Ehrenbürgerwürde verliehen, über die im Vorfeld heftig diskutiert worden war.

Der Gemeinderat hatte beschlossen, Pfeifer für sein jahrzehntelanges Engagement zu danken. 37 Jahre lang gehörte er dem Gemeinderat an, davon war er 26 Jahre als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters und CDU-Fraktionsvorsitzender aktiv. Beim Festakt ließ der damalige OB Karl Friedrich Binder das Wirken Pfeifers Revue passieren. Historischer Verein, Verein Alt Hall, Reit- und Fahrverein – die Liste der Institutionen, in denen sich Pfeifer einsetzte, ist lang. Die seiner Auszeichnungen vom Bundesverdienstkreuz bis zur Heimatmedaille ebenso.

Bestimmend für sein Leben sei die strenge Internatserziehung bei den Jesuiten gewesen, bekannte er selbst. Dort lernte der am 13. September 1913 in Kaiserswalde in Nordböhmen geborene Pfeifer Genauigkeit und Fleiß. 1952 kam er nach Hall, eröffnete eine Anwaltskanzlei und wurde 1956 in den Gemeinderat gewählt.

In Hall bildet sich Widerstand

Doch auf der Vergangenheit des promovierten Juristen lagen Schatten. Pfeifer war Mitglied der NSDAP und gehörte der SS an. Ein Ehrenbürger mit brauner Vergangenheit? Dagegen formierte sich in Hall Widerstand.

Dennoch beschloss der Gemeinderat die Würdigung. Am 12. September 1993 war der Festakt im Rathaus. Vor der Tür wurden Protest-Flugblätter verteilt. Auch danach kehrte keine Ruhe ein. Eine Anfrage der Gegner beim Bundesarchiv brachte Unterlagen des Berliner Document Centers hervor, die Mitgliedschaften Pfeifers in NS-Formationen bestätigten. Dies hatte er stets energisch abgestritten. So holte ihn die unbewältigte Vergangenheit ein.

Am 1. März 1994 teilte Pfeifer dem Haller OB mit, dass er das Ehrenbürgerrecht zurückgibt – kurz bevor die von der Stadtverwaltung angeforderten Berliner Unterlagen zu seiner Vergangenheit in Hall eintrafen. Pfeifer ziehe damit die Konsequenz aus einer für ihn unerträglich gewordenen Situation, teilte die Stadtverwaltung damals mit. Wenige Wochen vor seinem 86. Geburtstag starb Wilhelm Pfeifer am 25. Juli 1999.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel