Schwäbisch Hall Steinbacher Kirche lässt Jesus restaurieren

Steinbach / Beatrice Schnelle 05.07.2018
Das Kreuz vor St. Johannes Baptist in Steinbach ist wegen eines teuren Schadens in der Werkstatt. Die Polizei ermittelt, was passiert ist.

Der gekreuzigte Christus auf der Mauer vor der Kirche St. Johannes Baptist in Steinbach ist verschwunden. Seit Generationen prägte er dort, über einem steinernen Altar, das Bild des Kirchhofeingangs. Eine Beschädigung an der Längsstrebe des 200 Jahre alten Steinkreuzes machte den Abbau notwendig: „Es war nicht auszuschließen, dass das schwere Stück herunterstürzt, zerbricht oder gar Menschen verletzt“, sagt Pastoralreferent Wolfram Rösch von der katholischen Kirchengemeinde Schwäbisch Hall. Jetzt liegt der Erlöser in Rot am See in der Werkstatt von Steinmetz Oliver Herzig, der ihn in Sicherheit brachte.

Wie es zu dem Schaden kam, ist ein Rätsel. Eine entscheidende Kleinigkeit legt den Verdacht nahe, dass zerstörerische Menschenhände im Spiel gewesen sein könnten: Der Steinbrocken, dessen Fehlen die Stele instabil machte, lag nicht etwa auf dem Boden darunter, sondern war erst einmal nicht aufzufinden. Später entdeckte ihn die Polizei in einem nahen Mülleimer. Wie kam er dorthin? Der Brocken könnte gewaltsam herausgebrochen und dann weggeworfen worden sein. Es sei aber ebenso denkbar, dass er sich ohne fremdes Zutun löste und von einem ordentlichen Kirchenbesucher „aufgeräumt“ wurde, nennt Bernd Märkle von der Polizei Aalen zwei Optionen.

Am Mittag des 2. Juni meldete ein Anrufer dem Revier die Beschädigung. Er gab an, das Kreuz zuletzt am 31. Mai in intaktem Zustand gesehen zu haben. Irgendwann zwischen diesen Terminen müsse es also passiert sein. „Der lange Zeitraum macht es schwierig, Zeugen zu finden“, bedauert Märkle. Sämtliche Befragungen der Ermittler in der Umgebung der Kirche seien leider ergebnislos geblieben. „Möglicherweise steckt ein beschleunigender Vandalismus dahinter“, vermutet Steinmetz Herzig. Die Verankerung des Kreuzes, so habe sich beim Abbau herausgestellt, sei schon länger verwittert und zeige Risse. Vielleicht habe jemand den Schaden mutwillig vergrößert. Dafür spräche die Angabe der Polizei, die Bruchstelle erwecke den Eindruck, es sei ein Stein dagegen geschlagen worden.

Der Haller Architekt Werner Schuch ist ebenfalls an den Untersuchungen beteiligt. Zusätzlich zur Verwitterung des Steins, so berichtet er, war das Kreuz nicht, wie vor 200 Jahren üblich, mit Dollen aus Bronze und einer Bleiummantelung, sondern mit Stahldollen und Zement in seinem Sockel verankert. Der Stahl sei im Lauf der Zeit verrostet. Auch Schuch zieht in Betracht, dass die vorhandene Schwachstelle von einem Frevler genutzt worden sein könnte, um zu sehen „wie viel man da noch rauskriegt, wenn man sich anstrengt.“

Zwischen 25 000 und 30 000 Euro wird die Restaurierung nach Einschätzung von Steinmetz Herzig kosten. Das Problem dabei: Die Kirchengemeinde hat inzwischen festgestellt, dass zwar Kirchengebäude und Gemeindehaus entsprechend versichert sind, nicht jedoch das Kreuz auf der Mauer. „Und das, wo wir gerade ohnehin so teure Baumaßnahmen zu stemmen haben“, stöhnt der katholische Patoralreferent Wolfram Rösch.

Das Pfarrhaus wurde saniert, die mindestens 900 Jahre alten Mauern des Gotteshauses kommen als Nächstes dran, denn sie haben „Bäuche“ gebildet. „Die Innen- und Außensteine sind hochwertig, der Zwischenraum wurde dagegen mit Bauschutt aufgefüllt“, erklärt der geplagte Kirchenmann das Phänomen.

Hohle Figur

Christus ist übrigens ebenfalls nicht das, was er zu sein scheint. Wie Oliver Herzig beim Einlagern des Kreuzes überrascht bemerkte, ist der Steinbacher Gottessohn hohl. Wahrscheinlich bestehe die Figur aus gestrichenem Blei. Trotzdem sei es eine sehr schöne Arbeit, betont der Fachmann tröstend. Wann das Original ersetzt wurde, und ob es überhaupt je einen Christus aus Stein an dieser Stelle gab, ließe sich nicht mehr feststellen.

Mit der Reparatur der Stele muss Herzig warten, bis die Stuttgarter Denkmalschutzbehörde den Schaden begutachtet hat. Dies soll in den nächsten Wochen geschehen.

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