Schwäbisch Hall Einfach spitze!

RAINER ELLINGER 30.01.2013
Selten war die Begeisterung in der Arche des Sonnenhofes so groß. Das Acelga-Trio, dessen Mitglieder alle nach 1980 geboren sind, begeistert durch Virtuosität und Expressivität gleichermaßen.

Die chinesische Pianistin Miao Huang, Amanda Kleinbart (Horn) und Hanna Mangold (Flöte), so liest man im Programmblatt, seien Liebhaber der iberischen Halbinsel, weswegen das spanische Wort Acelga, gleichbedeutend mit Hannas Familiennamen Mangold, zum Firmenzeichen des Trios erkoren wurde.

Am Horn erleben die Haller Hörer allerdings den von der Weimarer Staatskapelle ausgeliehenen Fritz Pahlmann, dessen Spiel durch sicheren Ansatz, weichen, runden Bläserton bei großer dynamischer Differenzierung auffällt.

Bei soviel Affinität zu Spanien wundert man sich, auf der Agenda des Abends keinen einzigen spanischen Komponisten zu finden. Allerhöchstens könnte man im eminent ruhelosen Flötenpart der Suite op. 34 für Flöte und Klavier des Franzosen Charles-Marie Widor (1844- 1937) Verwandtschaft zu mediterranen Impressionisten erkennen.

Dramatischen Ausdruck, wilde Flöten-Solokadenzen, an den bekannten "Hummelflug" erinnernde oder quirlig aus der musikalischen "Moldauquelle" hervorsprudelnde Girlanden aus Flötentönen, oft in der Art Debussys am Klavier begleitet, das beeindruckt tief.

Die Pianistin scheint selbst im virtuosesten Klaviersatz jeden einzelnen Ton dynamisch absolut im Griff zu haben. Auch bei Beethovens Sonate F-Dur für Horn und Klavier besticht die brillante Differenzierung zwischen leisest murmelnden Bässen, singendem Melodieanschlag und gestochen scharfen Diskantfiguren, mit denen sie das melodisch geführte Horn umgibt.

Ebenso die Solodarbietung der Flötistin: Die komplexe, konzeptionell eigentlich zweistimmige Partita a-Moll von Bachs arbeitet Hanna Mangold sehr gut heraus.

Miao Huangs "Rhapsody in Blue" (Klaviersolofassung) von George Gershwin ist klangorientiert. Die große Seele Rachmaninowschen Klaviergigantismus, die sich hier nebst swingenden Jazzelementen einfindet, prägt ihre Interpretation stärker als die perkussiven Elemente. Schade, dass ein großes finales Diskantarpeggio sich in quasi unhörbare Luft auflöst.

Als einziges Stück des im Ganzen eher dem Flotten, Heiteren, wohl auch dem Virtuos-Eleganten zugetanen Konzertprogramms erklingt bei Robert Schumanns Adagio für Horn und Klavier op. 70 Schmerzvolles. Das nachfolgende Allegro zeigt dramatisierende Virtuosität, bleibt aber stets angenehm im Ohr.

Das Programm umfasst noch Telemanns F-Dur Konzert und das Trio Nr. 1 c-Moll von Frédéric Duvernoy (1765-1838), das in vielem an Beethoven erinnert. Mit den "Esquisses" (Skizzen) von Georges Barboteu, als Zugabe gespielt, lassen die drei nochmal ihre enorme Einfühlung in die Welt des französischen Impressionismus spüren.