Das Ereignis war nicht zu übersehen. „Winterfeier“ stand in großen Leuchtbuchstaben über der Festhalle. Aus der Küche duftete es nach Schnitzeln und anderen Köstlichkeiten. Die winterliche Kälte trieb die Besucher aber schnell ins Warme. Was hatte sich das bewährte Deko-Team des TSV wohl in diesem Jahr ausgedacht? Eine riesige Leinwand zeigte das Brandenburger Tor und den Checkpoint Charly. An der Decke hing eine überdimensionale Musikkassette neben schwarzen Schallplatten – unbekannte Gegenstände für die Kinder, die sich unter „Bandsalat“ etwas Essbares vorstellten.

Nach dem musikalischen Auftakt durch den Musikzug erinnerte Vorstand Uli Metzger an den Mauerfall. Kaum zu glauben, dass dieses Ereignis schon länger zurückliegt, als die Teilung Deutschlands bestand. Helmut Kohl war Kanzler. Die Tennisgrößen Steffi Graf und Boris Becker eroberten Wimbledon und jeder versuchte, den Rubik’s Cube schnellstmöglich zu lösen. In Hall fand die Landesgartenschau statt und das Freilandmuseum öffnete seine Pforten. Jane Fonda ist die Fitness-­Queen der 80er-Jahre.

Wie erfolgreich die aktuellen Sportler des TSV Sulzdorf sind, zeigte sich bei den anschließenden Einzel- und Gruppenehrungen. Da wurde es eng auf der Bühne.

Stirnbänder und Neonfarben

Danach hieß es „Bühne frei“ für die jungen Moderatoren Jule und Niklas Metzger und die Sportler. Die 80er-Jahre waren bunt. Haut­enge Outfits, Stirnbänder und ­Neonfarben waren ein Muss. Neonorange, -pink und -grün, kombiniert mit schwarz, waren auch die Kostüme der Winterfeier.

Die kleinen Tanzmäuse starteten mit einem Tüchertanz, der noch nicht ganz synchron klappte, aber allen Spaß machte und zum Lied passte: „Girls (und ein Junge) just wanna have fun“. „All for one“ hieß es bei den Kinderturnern am Kasten und auf der Matte. Nach erfolgreichen Jahren war es ruhig geworden, jetzt ist wieder eine TSV-Leichtathletikgruppe entstanden. Ihre Übungen zum Muskelaufbau waren sicher schwerer, als sie aussahen. Positiver Nebeneffekt: Der Hallenboden sei anschließend gereinigt, meinten die Moderatoren schmunzelnd. Mit wagemutigen Sprüngen über Kasten, Minitrampolin und dicke Matten zeigten die Tanzmäuse 2, wie viel Freude ihnen die Bewegung in der Gemeinschaft macht.

Rope-Skipping, in den 80ern hieß es noch Seilspringen, ist beliebt im TSV. Gleich mehrere Gruppen beeindruckten mit Sprüngen wie Criss Crosses, Side Swings und Double Unders. Wenn das Timing nicht stimmt, verknoten sich die Seile. Die Ehrengäste machten den Aktiven keine Konkurrenz. In Anzug und Krawatte gestaltete sich der Auftritt von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, Pfarrer Kristian Kirschmann und Nikolaos Sakellariou eher zur, sicher erwarteten, Lachnummer.

Nach der Pause erfreuten die Dance-Kids mit einer fröhlichen Tanzeinlage. „Enorm in Form“ präsentierten sich die Damen der Frauengymnastik auf den Steppbrettern und zur Musik aus dem (aufgeblasenen) Ghettoblaster. Zur Erinnerung: So nannte man die überdimensionalen Radiorekorder, die hauptsächlich der Provokation dienten, Krach machten und die Anwohner nervten. In Sammlerkreisen haben die tragbaren Geräte inzwischen Kultstatus. Dass Fußballer auch tanzen können, bewiesen die Jungs und Mädels bei ihrem konditionsstarken Auftritt: „Gimme, gimme good lovin“, rosa Leggings und viel Humor zeigten die Fußballaktiven. Da fehlten nur noch die Tutus.

Mit Rollatoren auf die Bühne

Nicht Sport aus den 80ern, sondern Sport mit 80 zeigten „Die jungen Wilden vom Altersheim“. Mit ihren Rollatoren trippelten sie auf die Bühne. Auch wenn der Rücken schmerzt, aufgeben gilt nicht. Beim anschließenden gemeinsamen Bad („Die Wanne ist voll“) waren die vielen Lebensjahre dann ganz schnell vergessen.

Den letzten Programmpunkt gestalteten traditionsgemäß Mitglieder des Musikzuges. Wer erinnert sich nicht an die, noch harmlosen, Kuppelshows wie „Herzblatt“? Janina, die beruflich weiterkommen möchte, hatte die Wahl zwischen dem Hausmeister, der den größten Schneeräumer hat und eine Hilfskraft sucht, dem Pfarrer, der seine Jungs in der Kirche in einen Glaskasten steckt und ein junges, weibliches Zugpferd für den Gottesdienst benötigt, und einem unterhaltsamen Ortsvorsteher, der sich gerne seine Haxen bricht und eine Dorfprinzessin küren möchte. Die Kandidatin entschied sich für Nummer 1. An einer Liaison war – heute wie oft auch damals – von vornherein keiner interessiert.

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